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Heißluftballon mit "ban nuklear wappons"vor Fliegerhorst Büchel
© Bernd Lauter / Greenpeace

75 Jahre Hiroshima: Greenpeace-Protest gegen Atombomben in Büchel

Die japanische Stadt Hiroshima und der beschauliche Ort Büchel haben auf den ersten Blick nichts miteinander gemein. Doch wer genauer hinschaut, sieht ein verbindendes Element, das jede Beschaulichkeit verschwinden lässt: US-amerikanische Atombomben. Morgen vor 75 Jahren – am 6. August 1945 – wurde die weltweit erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen. Am 9. Oktober folgte die zweite Atombombe auf Nagasaki. Die Bombenabwürfe forderten mehr als 200.000 Todesopfer und sollten als eine der markantesten Gräueltaten in die Geschichtsbücher eingehen, die sich nie wiederholen dürfen. Was viele nicht wissen: In Büchel lagern noch heute mutmaßlich 20 US-amerikanische Atombomben. Diese sollen im Rahmen der erweiterten nuklearen Teilhabe von deutschen Piloten ins Ziel geflogen werden – ein Missstand, den Aktivistinnen und Aktivisten von Greenpeace nicht hinnehmen wollen. Für den Abzug aller US-amerikanischer Atombomben aus Deutschland protestieren sie heute am Fliegerhorst Büchel. „Atomwaffen abschaffen – ban nuclear weapons!“ fordern sie auf einem Banner an einem Heißluftballon. Dieser ist vor dem Gelände angebracht, auf dem laut Abrüstungsexperten und -Expertinnen US-amerikanische Atombombern lagern. Auf einem Banner unter dem Ballon steht: „Hiroshima – never again!“.

Nie wieder Massentötungen von deutschem Boden aus

„Massentötungen wie durch die Atombombe auf Hiroshima dürfen nie wieder geschehen“, sagt Christoph von Lieven, Greenpeace-Sprecher für atomare Abrüstung. „Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass mit den US-Soldaten auch die amerikanischen Atombomben aus Büchel abgezogen werden.“ US-Präsident Trump hat Ende Juli angekündigt, rund 12.000 in Deutschland stationierte US-amerikanische Soldaten abzuziehen.

Noch heute leiden die Menschen in Japan unter den Spätfolgen der Atombombenangriffe von 1945. Die in Büchel lagernden Bomben haben eine bis zu 13-fache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. „Von deutschem Boden darf nur noch Frieden ausgehen, das liegt in der historischen Verantwortung Deutschlands“, so von Lieven. Doch mit den in Büchel stationierten Atombomben macht sich Deutschland nicht nur selbst zum potenziellen Aggressor, sondern wird auch selbst zur Zielscheibe für einen potenziellen Atombombenangriff.

Studie: Atombombe in Deutschland würde hunderttausende Tote verursachen

In einer von Greenpeace beauftragten Studie hat Physikerin und Atomexpertin Oda Becker erstmals öffentlich mögliche Folgen eines Atombombenabwurfs auf Deutschland dargelegt. Als potenzielle Angriffsziele werden darin das politische Zentrum Berlin, das Finanzzentrum Frankfurt sowie der Fliegerhorst Büchel betrachtet. Laut Studie würde eine Atombombe mit einer Sprengkraft von 20 Kilotonnen allein in Berlin 195.000 Menschen durch die Druck- und Hitzewelle sowie die radioaktive Strahlung töten.

 „Die Bomben in Büchel bedrohen die Sicherheit der Menschen in Deutschland und Osteuropa. Deutschland darf nicht länger potenzieller Aggressor und mögliche Zielscheibe eines Atomangriffs sein“, so von Lieven. Dieser Bedrohung scheinen sich auch die Menschen in Deutschland bewusst zu sein.

Mehrheit in Deutschland für Abzug der Atombomben

83 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger sprechen sich laut einer repräsentativen Umfrage von Anfang Juli für den Abzug der US-amerikanischen Bomben aus Büchel aus. Das Meinungsforschungsinstitut Kantar hat im Auftrag von Greenpeace gefragt: „In Deutschland sind Atombomben der USA stationiert. Sollten diese durch neue Atombomben ausgetauscht werden oder komplett aus Deutschland abgezogen werden?“

75 Jahre nach Hiroshima und 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erscheinen die Bomben in Büchel wie ein überholtes Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Statt wie geplant mindestens 7,7 Milliarden Euro für neue atomwaffentragfähige Atom-Jets auszugeben, sollte die Bundesregierung endlich als Vorbild vorangehen: „Als klaren Schritt atomarer Abrüstung muss die Bundesregierung Deutschland aus der nuklearen Teilhabe führen“, sagt Christoph von Lieven.

Die Bundesregierung hat jetzt die Möglichkeit, sich nicht nur auf der Wortebene für eine atomwaffenfreie Welt auszusprechen, sondern tatsächlich im Sinne einer atomwaffenfreien Welt zu handeln. Dafür muss sie den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnen. Die Gräueltaten von Hiroshima wird niemand mehr rückgängig machen können. Aber Deutschland kann jetzt dafür sorgen, dass es von deutschem Boden und mit deutscher Beteiligung niemals ein „zweites Hiroshima und Nagasaki“ geben wird.

Auswirkungen einer Atombombe auf Deutschland

Auswirkungen einer Atombombe auf Deutschland

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