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Laurin Berger
(c) Goetz Berger

Politik mit dem Einkaufskorb

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Den eigenen Lebensstil zu verändern oder gar Freunde dazu zu bringen, den Snack nicht in drei Lagen Frischhaltefolie einzuwickeln, ist keine einfache Sache. Dabei ist Konsum eine politische Angelegenheit, findet Laurin Berger.  Was wir mit unserem Konsum beeinflussen können, ist auch eine der Fragen beim McPlanet-Kongress. Laurin fährt hin, doch wie sieht sein Lebensstil aus?

Greenpeace: Dein Haupttipp, was sollte jeder auf jeden Fall tun?

Laurin: Mir fällt es schwer, Pauschal-Tipps zu geben, die regelrecht missionarisch herüberkommen (lacht). Ich finde, dass es am wichtigsten ist, sich seiner Macht als Konsument bewusst zu werden und diese aktiv zu nutzen. Das bedeutet zum Beispiel, kritische Fragen zu stellen - beim Einkaufen, aber auch den eigenen Konsum- und Lebensstil zu hinterfragen.

Für mich bedeutet das, mich vegetarisch zu ernähren, regelmäßig bei H&M über Ausbeutung zu motzen, auch wenn ich dort nicht einkaufe. Es bedeutet Ökostrom zu beziehen und mich fair, regional, saisonal und biologisch zu versorgen. Ich bin überzeugt, dass, wenn man sich informiert und seine Einflussmöglichkeiten als Konsument erkennt, die Verhaltensänderung auch nicht mehr weit ist.

Greenpeace: Welche Veränderung ist dir am schwersten gefallen?

Laurin: Mir fällt schwer, meinen Verbrauch von Tierprodukten außer Fleisch zu reduzieren oder im Winter auf Tomaten zu verzichten. Davor drücke ich mich, indem ich Tomaten esse, die andere - zum Beispiel Märkte - wegschmeißen wollen.

Greenpeace: Machst du Freunde auf ausschweifende Verhaltensweisen aufmerksam?

Laurin: Ich finde, im Freundeskreis Verhaltensänderung zu fordern, fällt oft am schwersten. Aber da ich es da sowieso mit Gleichgesinnten zu tun habe, muss ich das nicht oft tun. Mir ist es wichtig, nicht zu missionieren, sondern selbst als Beispiel zu dienen und einfach auf die Entscheidungsfreiheit aufmerksam zu machen, zwischen Bequemlichkeit und Alternativen wählen zu können. Dass es Alternativen zum Beispiel zu Sweatshop-Kleidung gibt, wissen nicht alle!

Greenpeace: Den Lebensstil zu ändern, setzen einige mit Verzicht gleich. Wie geht es dir?

Laurin: In erster Linie geht es um Umorientierung, nicht um Verzicht. Ich vermisse kein Fleisch, obwohl ich es mal sehr gerne gegessen habe. Und wenn ich selbst Angebautes, also regionales, saisonales und auch noch biologisches Gemüse und Obst esse, vermisse ich keine Erdbeeren im Januar. Also verzichte ich auch nicht auf sie. Ich glaube, es sollte nicht als Verzicht, sondern als Genügsamkeit, als eine neue Ausrichtung oder ein Versuch angesehen werden.

Greenpeace: Und dein Tipp für Fortgeschrittene?

Laurin: Konsum muss man neu definieren: Seine Lebensmittel selbst anbauen, selbst wenn das nur im kleinsten Stil möglich ist. Oder Lebensmittel aus den Hinterhöfen der "Zuvielisation" - ich meine den "Müll"-Eimern der Märkte - beziehen. Es lohnt sich zum Beispiel auf dem Wochenmarkt nachzufragen, ob die weggeschmissenen Reste mitgenommen werden dürfen. Das alles sind Möglichkeiten, anders zu konsumieren. Wam Kat, der Koch der Aktionsküche Rampenplan hat gesagt: Essen ist eine politische Handlung. So kann man das in vielen Bereichen des Konsums sehen.

Greenpeace:  Du hast bereits eine Menge verändert, gibt es für dich auf einem Kongress wie McPlanet in Sachen Konsum überhaupt noch Neuigkeiten?

Laurin: Zum einen ist mir wichtig, neue Blickwinkel kennenzulernen und neue Zusammenhänge zu begreifen. Zum anderen denkt man manchmal, etwas Gutes zu tun, ohne dabei zu wissen, dass das vielleicht ganz andere Folgen hat als beabsichtigt. Und ganz davon abgesehen geht es mir auch darum, anderen Menschen Impulse weitergeben zu können; und da hilft McPlanet immer, Zusammenhänge von Konsum und Folgen erklären zu können."

Greenpeace: Vielen Dank für das Gespräch und die Tipps, Laurin.

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