Skip to main content
Jetzt spenden
Plastikabfälle in Sumengko
© GAIA/CC BY-NC-SA 4.0 / Adam Dean

Greenpeace-Report: Chinesischer Importstopp lenkt deutschen Plastikmüll nach Südostasien

Wenn sich irgendwo eine Tür schließt, geht andernorts eine auf – was als Sinnspruch hoffnungsvoll klingt, lässt in der Praxis oft verzweifeln. Zum Beispiel in Malaysia. Oder Indonesien. Oder Thailand. Dass China zu Beginn des vergangenen Jahres einen Importstopp für Plastikmüll verhängte, hat für die südostasiatischen Länder weitreichende Folgen. Der Abfall wird jetzt eben dorthin verschifft – und macht Menschen krank, deren Heimat unversehens zur Deponie wird.

So geschehen im indonesischen Sumengko, schildert ein neuer Greenpeace-Report. Fast über Nacht verwandelte sich der Ort in eine internationale Müllhalde, auf der sich die Plastikabfälle bis zu zwei Meter hoch stapeln. Das ostasiatische Greenpeace-Büro veröffentlicht heute mit GAIA, der „Global Alliance for Incinerator Alternatives“, die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Untersuchung, die den internationalen Verschiebebewegungen von Plastikmüll nachspürte.

Miserables Zeugnis für Deutschland

Das Ergebnis ist für Deutschland niederschmetternd: Allein aus der Bundesrepublik sind 2018 jeden Monat rund jeweils 10.000 Tonnen Plastikmüll in Indonesien und Malaysia gelandet. Auch die USA, Großbritannien und Japan sowie 21 weitere Nationen exportieren ihre Plastikabfälle in die Region. Eine direkte Folge des chinesischen Importstopps, sagt Manfred Santen, Greenpeace-Experte für Chemie: „Sobald ein Land die Einfuhr von Plastikabfällen einschränkt, wird der Müll in das nächste weitergeschoben.“ Die dort lebenden Menschen erfahren die Plastikkrise am eigenen Leib. „Sie leben in einer vermüllten Umwelt mit hohen Gesundheitsrisiken“, so Santen.

Mit Einfuhrverboten ist der gewaltigen Menge an Plastik demnach nicht beizukommen. Recyclingkonzepte scheitern am schieren Volumen: Weltweit werden nur etwa zehn Prozent der Plastikverpackungen wiederverwertet. In Deutschland sind es knapp 50 Prozent. Was übrigbleibt, geht in die „thermische Verwertung“, wird also verbrannt, landet in der Umwelt oder wird verschifft. 

Reduzieren, Nachfüllen, Wiederverwerten

In Basel wird Ende des Monats versucht, einen politischen Hebel zur Lösung des Problems zu finden. Dort treffen sich die Delegierten der Basler Konvention, so nennt sich ein internationales Übereinkommen über die Kontrolle des grenzüberschreitenden Handels mit gefährlichen Abfällen und ihrer Entsorgung. Erörtert wird ein Vorschlag, nach dem Exporteure von Plastikabfällen bereits im Voraus eine Genehmigung von den Bestimmungsländern erhalten müssen – ein System, das bereits für andere Arten von gefährlichen Abfällen verwendet wird. Entwicklungsländer könnten sich so vor diesen unerwünschten und gesundheitsschädlichen Plastiklieferungen schützen.

Das hilft den betroffenen Ländern, beseitigt aber noch nicht die Plastikkrise. Unsere beste Chance, das Problem in den Griff zu kriegen, heißt: weniger davon produzieren. Viel weniger. „Vor allem Konsumgüterkonzerne wie Nestlé und Unilever, aber auch Supermärkte müssen Verpackungen aus Einwegplastik reduzieren und auf ein System zum Nachfüllen und Wiederverwerten umstellen“, fordert Manfred Santen. Was Einwegverpackungen in Flüssen und Meeren an Schaden anrichten, demonstrierten Greenpeace-Aktivisten in den vergangenen Wochen auf der „Ship It Back“-Tour der Beluga.

Update vom 29. Mai 2019:

Die malaysische Umweltministerin Yeo Bee Yin will zehn Container mit 450 Tonnen Müll nach Australien, Saudi-Arabien und Kanada zurückschicken. Dabei handele es sich um verunreinigte, unsortierte Plastikabfälle, die nicht recyclebar seien. „Das Prinzip ‚aus den Augen, aus dem Sinn‘ funktioniert nicht mehr“, sagt Viola Wohlgemuth, Greenpeace-Expertin für Plastik. „Auch wenn dieser erste Schritt der malaysischen Umweltministerin nur symbolisch ist, ist die Rücksendung des Plastikmülls ein wichtiges Signal. Das kann auch Deutschland nicht länger ignorieren.“

>>> Unterstützen Sie unsere Forderung an die CEOs von Nestlé, Unilever, Coca-Cola, Pepsi, Colgate, Danone, Johnson & Johnson und Mars, damit sie konkrete Maßnahmen ergreifen, Plastik zu reduzieren.

  • Plastikmüll auf malaysischer Deponie

    Stinkt zum Himmel

    Überspringe die Bildergalerie
  • Mülldeponie in Malaysia

    Dreckiges Geschäft

    Überspringe die Bildergalerie
  • Plastikmüll in Malaysia

    Das ist Müll - das kann weg

    Überspringe die Bildergalerie
  • Süßwarentüte auf einer Mülldeponie in Malaysia

    Abfall auf Weltreise

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Mehr zum Thema

"NOT FOR SALE” Banner auf einem Plakat  mit der Weltkugel zur Klimaschutzkonferenz 2021 in Glasgow

Rückblick und Ausblick

  • 17.11.2021

Die Klimakonferenz in Glasgow ist zu Ende. Ob sie eine neue Dynamik entwickelt, wird auch die kommende Bundesregierung zeigen.

mehr erfahren
Deutschlandkarte Make-Smthng-Week

Systemwandel selbermachen

  • 12.11.2021

Vom 19. bis zum 28. November findet erneut die MAKE SMTHNG-Woche statt. Maker:innen zeigen deutschlandweit, dass ein anderes Wirtschaften möglich ist – und Spaß macht.

mehr erfahren
Probenahme auf einem Spielplatz

Auf den zweiten Blick

  • 28.09.2021

Welchen Schadstoffen ist die Bevölkerung nach der Explosion in Leverkusen ausgesetzt? Nach Greenpeace-Analysen kommt die Entwarnung durch das Landesumweltamt verfrüht.

mehr erfahren
Eisbuchstaben mit "Zukunft" schmelzen vor der EZB

Klimakrise gefährdet Preise

  • 15.09.2021

Extremwetter kosten und belasten so die Preisstabilität im Euro-Raum. Eine Greenpeace-Studie zeigt, was die EZB tun sollte, um trotz Klimakrise ihrer Aufgabe gerecht zu werden.

mehr erfahren
Rigschas auf den überfluteten Straßen von Dhaka, Bangladesh

Wetterextreme weltweit und ihre Folgen

  • 18.08.2021

Die Welt erwärmt sich, Wetterextreme nehmen weltweit an Häufigkeit und Heftigkeit zu. Das wird nicht ohne Folgen bleiben: Auch Hunger, Konflikte und Flucht werden mehr werden. 

mehr erfahren
Pärchen, auf der Handfläche die Welt als Herz

Über die Verhältnisse

  • 29.07.2021

Deutschland hat seine Ressourcen für dieses Jahr verbraucht. Für alles, was ab jetzt konsumiert wird, zahlen kommende Generationen und andere Länder die Zeche. 

mehr erfahren