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Die Rainbow Warrior.
© Jeff Tan / Greenpeace

Kritik an Greenpeace: Fragen und Antworten

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An einer großen Organisation wie unserer gibt es natürlich auch Kritik von verschiedenen Seiten. Hier nehmen wir einige bekannte Punkte auf und stellen unsere Sichtweise dazu dar.

Mitgliedschaft: Ist Greenpeace ein undemokratischer Verein?

Undemokratische Strukturen werden der Organisation immer wieder vorgeworfen. Im Gegensatz zu den meisten anderen großen Umweltorganisationen haben die Basis-Aktivisten und Förderer bei Greenpeace nur wenige bzw. keine Mitwirkungsrechte, so spricht der Spiegel von einem „nicht eben demokratische[n] Verbandsaufbau“. Bereits in den 1980er-Jahren spaltete sich die Organisation Robin Wood „unter anderem aus Protest gegen den als undemokratisch empfundenen ‚Öko-Multi‘ Greenpeace“ ab. Greenpeace argumentiert, dass eine international handlungsfähige Organisation nicht jede einzelne Entscheidung basisdemokratisch treffen könne, und verweist auf die höhere Effizienz, Schnelligkeit und Unabhängigkeit seiner Organisationsform. 

Ist Greenpeace radikal?

Gegenfrage: Was bedeutet eigentlich „radikal“? Wie der Duden erklärt, stammt das Wort vom lateinischen „radicalis“ ab was bedeutet: mit Wurzeln versehen. Das ist also der gleiche Wortstamm wie beispielsweise beim Radieschen. Es gebe mehrere Bedeutungen, die erste sei: von Grund aus erfolgend, ganz und gar; vollständig, gründlich. In diesem Sinne definiert sich Greenpeace tatsächlich als radikal, denn wir lehnen Scheinlösungen ab, wir wollen den Dingen auf den Grund gehen, wir wollen Probleme an der Wurzel lösen. 

Wenn Menschen kritisieren, Greenpeace sei ihnen zu radikal, meinen sie vermutlich eher die ebenfalls aufgelistete Bedeutung: eine extreme politische, ideologische, weltanschauliche Richtung vertretend und gegen die bestehende Ordnung ankämpfend. In diesem Sinne sind wir nicht radikal, denn Greenpeace-Forderungen sind nicht extrem, sondern fußen auf der demokratischen Grundordnung, und Greenpeace setzt sich zwar gegen Missstände der bestehenden Ordnung ein, aber tut dies stets gewaltfrei. Mehr dazu in unserem Leitbild.

Macht Greenpeace illegale Aktionen?

Bei Greenpeace sehen wir es als unsere Pflicht an, fundamentale Lebensrechte und die Lebensgrundlagen kommender Generationen zu verteidigen. Hierzu nutzen Greenpeace-Aktivist:innen weltweit nach sorgfältiger Abwägung gegebenenfalls auch Methoden des zivilen Ungehorsams. Ziviler Ungehorsam bedeutet, dass der Protest immer friedlich verläuft, gegebenenfalls aber in Konflikt mit bestehenden Regeln und Rechtsnormen gerät. Hintergrund ist, dass manche Rechtsnormen aus Greenpeace-Sicht einen Status quo schützen, der Umwelt und Klima schadet.
Umgekehrt gesagt, ist es ein wesentliches Ziel von Greenpeace, innerhalb der Möglichkeiten des demokratischen Rechtsstaates das Recht weiterzuentwickeln, so dass Umwelt und Klima und damit auch die Menschen auch durch rechtliche Vorgaben besser geschützt werden. Denn was legal ist, kann manchmal schädlich für Mensch und Umwelt sein. Mehr dazu findet sich in unserem Leitbild.

Allianz Arena in München 2021: Warum bringt Greenpeace Menschen in Gefahr?

Auch bei Greenpeace gehen manchmal Dinge schief. Eine Aktion, die sehr anders gedacht war, war im Juni 2021 ein Protest bei einem EM-Spiel. Ein Aktivist wollte mit einem Gleitschirm über der Allianz Arena gegen den Sponsor VW protestieren. Doch trotz sorgfältiger Prüfung geschah ein Unfall: Der Motor, mit dem der Aktivist navigierte, fiel aus, so dass er notlanden musste. Dabei verletzte er zwei Menschen. 

Der Aktivist sowie ein weiterer bekamen eine Geldstrafe. Greenpeace kann das Urteil nachvollziehen, da sie das Risiko falsch eingeschätzt haben. Menschen dürfen niemals gefährdet sein, das war schon zuvor ein wichtiges Prinzip. Daher wurde nun aus dem Fehler die Konsequenz gezogen, dass es Protestflüge von Greenpeace-Aktiven über Menschenansammlungen nicht mehr geben wird. Mehr zu dem Protest in der Allianz Arena hier.

Finanzskandal 2014: Zockt Greenpeace mit Spendengeldern?

2014 kommt die Schock-Nachricht: Greenpeace International hat im Jahr 2013 bei dem Versuch, sich gegen Wechselkursschwankungen abzusichern, über drei Millionen Euro verloren. Unterstützer und Spender sind entsetzt: Zockt Greenpeace mit Spendengeldern?  Die kurze Antwort: Nein. Mit Spekulation an der Börse hat das Ganze nichts zu tun. Es waren  Verträge zur Währungsrisiko-Absicherung, die zu den schlimmen Verlusten geführt haben. 

Weil Greenpeace International mit Euro arbeitet, viele kleinere Büros aber mit anderen Währungen, steht GPI wie jede internationale Organisation vor der Herausforderung schwankender Wechselkurse. Wechselkursschwankungen können dabei sowohl zu Überschüssen als auch zu Verlusten führen. Weil diese Wechselkursschwankungen für kleinere Büros existenziell sein können, übernimmt Greenpeace International das gesamte Risiko dafür. 

Ein Mitarbeiter der Finanzabteilung von Greenpeace International hatte 2013 den Kauf ausländischer Währungen für andere Greenpeace Büros abgeschlossen, bevor der Kurs des Euro gegenüber den meisten Währungen zu steigen begann, was zu den Verlusten führte. Das Besondere an dem Fall: Ein Mitarbeiter der Finanzabteilung konnte eigenmächtig und unautorisiert Devisenabsicherungen abschließen. Gewöhnlich müssen solche Transaktionen bei Greenpeace International von der Geschäftsführung genehmigt werden. Aus diesem Fehler hat Greenpeace gelernt: Mittlerweile sind solch eigenmächtige Geschäfte nicht mehr möglich. Mehr dazu finden Sie hier

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Nazca-Linien 2014: Kein Respekt vorm Weltkulturerbe?

Im Rahmen der UN-Weltklimakonferenz in Peru im Dezember 2014 platzierte Greenpeace eine Botschaft aus Stoffbahnen neben dem historischen „Kolibri-Bild“ der Nazca-Linien, um vor den Folgen des Klimawandels zu warnen. Wir wählten diesen Ort bewusst als Symbol für eine durch Klimaveränderungen untergegangene Kultur. Die Aktion wurde mit größtmöglicher Vorsicht unter Aufsicht eines Kulturhistorikers durchgeführt, um die empfindlichen Bodenformationen nicht zu beschädigen. So wurde sichergestellt, dass keine Spuren hinterlassen und die Linien selbst nicht betreten wurden. Trotz dieser Bemühungen erzeugte die Aktion große Empörung in Peru und weltweit - Greenpeace hatte die kulturelle Bedeutung der Stätte für die peruanische Bevölkerung unterschätzt.

Greenpeace entschuldigte sich daraufhin förmlich bei den Menschen in Peru und sicherte die volle Zusammenarbeit mit den Behörden sowie die Übernahme von Reparaturkosten für eventuelle Schäden zu. Die zuständige Ministerin nahm die Entschuldigung an. Zunächst wurde der Vorfall als schwere Beschädigung eingestuft, bis unabhängige Gutachter im Jahr 2017 feststellen, dass die eigentlichen Nazca-Figuren durch die Aktion nicht beeinträchtigt wurden. Mehr zur Aktion an den Nazca-Linien finden Sie hier

Brent Spar 1995: Kann Greenpeace nicht rechnen?

Im Jahr 1995 konnten Greenpeace und die Umweltbewegung einen bis dahin beispiellosen Erfolg erringen: Nach einer mächtigen Umweltschutz-Kampagne gab der Shell-Konzern bekannt, dass er die Ölplattform Brent Spar nicht, wie ursprünglich vorgesehen, im Atlantik versenken werde. Stattdessen wurde sie in einem norwegischen Fjord zerlegt und an Land entsorgt; 1998 wurde ein generelles Versenkungsverbot für Öl-Plattformen verabschiedet. 

Die Brent Spar war Ölplattform nordöstlich der Shetland-Inseln, die dem Ölkonzern Shell von 1976 bis 1991 als Rohöl-Zwischenlager diente. Aus finanziellen und technischen Gründen wollte Shell den Stahlkoloss mitsamt rund 130 Tonnen Ölschlämmen, Schwermetallen und radioaktiven Abfällen einfach im Meer versenken. Das deckte Greenpeace auf und entfachte einen Sturm der Empörung in der Umweltbewegung und in der ganzen Bevölkerung. 

Kurz vor Ende der Kampagnen unterlief uns aber eine Panne: Aufgrund eines Messfehlers wurden die in der Brent Spar verbliebenen Ölmengen um ein Vielfaches zu hoch eingeschätzt. Für die Veröffentlichung der überhöhten Zahlen wurde Greenpeace zu Recht kritisiert. Der britische Greenpeace-Chef entschuldigte sich später schriftlich bei Shell für die Messspanne.

Sechs Wochen lang hatte Greenpeace jedoch ausschließlich mit Shell-eigenen Zahlen argumentiert. Erst zum Schluss veröffentlichte die Umweltschutzorganisation den falschen Wert - vielen ist aber bis heute vor allem eines in Erinnerung geblieben: „Greenpeace hat sich damals verrechnet.“ Mehr zur Brent Spar

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