Greenpeace-Aktivistinnen protestieren zur “Black Week” lichtstark für ein Lieferkettengesetz

Teuer erkaufte Tiefpreise

Mit einer Projektion an einem Amazon-Logistikzentrum protestieren Greenpeace-Aktivistinnen gegen unsinnige Rabattschlachten zum “Black Friday” und fordern ein Lieferkettengesetz.

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Eigentlich ganz schön dreist vom Einzelhandel, den Auftakt zum Weihnachtsshoppingwahn als “Black Friday” zu bezeichnen. Am historischen “Schwarzen Freitag” 1929 verloren ebenfalls eine Menge Leute ihr Geld – allerdings aufgrund eines Börsencrashs, und nicht weil sie von der Werbung angehalten wurden, es in sinnlose Tiefpreisangebote zu versenken. Greenpeace-Aktive protestierten heute zum Auftakt der Rabattwoche Black Week, die mit dem Black Friday endet, gegen zügelloses Wirtschaften, in dessen Auftrag die Umwelt zerstört und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Die Forderung der Aktivistinnen: Die Bundesregierung muss endlich ein wirkungsvolles Lieferkettengesetz beschließen, das diese Auswüchse bekämpft.

In Winsen an der Luhe projizierten sie ein Bild auf das Logistikzentrum des Onlinehändlers Amazon. Neben dem Konzern-Schriftzug waren die Arbeitsbedingungen in Südostasien zu sehen, darunter die Botschaft an die Politik: “Damit Black Friday kein düsterer Alltag bleibt, Lieferkettengesetz jetzt”. Was hier als Schnäppchenjagd gefeiert wird, ist oftmals ermöglicht durch die menschenfeindlichen, umweltschädlichen und dadurch billigen Produktionsbedingungen in anderen Teilen der Welt.

Unternehmen haftbar machen

Die Folgen globalisierten Konsums lassen sich mit einem Lieferkettengesetz bekämpfen. Damit können Unternehmen in Deutschland für Umwelt- und Menschenrechtsverbrechen haftbar gemacht werden, die entlang der mitunter weltweiten Wertschöpfungskette ihrer Produkte geschehen. “Menschenrechtsverstöße und Umweltverbrechen finden vor allem am Anfang von Lieferketten statt und damit in den ausgelagerten Produktionsländern außerhalb Deutschlands. Wer Umweltschutz und Menschenrechte wissentlich für billige Produktionskosten missachtet, muss künftig zur Verantwortung gezogen werden”, sagt Viola Wohlgemuth, Greenpeace-Expertin für Konsum. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) blockiert auf Druck der Wirtschaftsverbände weiterhin den Gesetzesentwurf, der bereits für August geplant war. “Die Werte eines christdemokratischen Wirtschaftsministers dürfen nicht an der Landesgrenze haltmachen”, sagt Wohlgemuth.  

Eine Alternative zum Black Friday

Zum “Black Friday” wird dieses Jahr erneut ein hoher Umsatz erwartet. Für den Einzel- und Onlinehandel rechnet der Handelsverband Deutschland mit einem Anstieg um 18 Prozent auf rund 3,7 Milliarden Euro. Der Marktführer in der Logistikbranche, die Deutsche Post DHL, rechnet zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts mit bis zu elf Millionen Pakete pro Arbeitstag – im Jahresdurchschnitt liegt der Tageswert bei fünf Millionen. Eine Alternative zum Neukauf von Produkten bietet ihnen die internationale MAKE SMTHNG-Bewegung, die Greenpeace 2017 ins Leben gerufen hat. Noch bis zum 29. November ist jeder Tag verschiedenen Lösungsansätzen zum Thema Überkonsum gewidmet, Greenpeace bietet Online-Mitmachaktionen und Vernetzung als Alternativen zum Neukauf auf unserer Homepage, auf makesmthng.org und Instagram

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