Greenpeace-Schiff auf Fluss-Tour durch deutsche Städte

Welle machen für Meeresschutz

Greenpeace hautnah: In 15 deutschen Städten sind Besucher eingeladen, die Beluga II zu besichtigen. An Bord erfahren sie, was der Schutz der Meere mit Plastik zu tun hat.

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Üblicherweise besteht die Besatzung des Greenpeace-Schiffs Beluga II aus fünf Personen. Zurzeit ist die Mannschaft allerdings etwas größer, einige tierische Kunststoffkumpanen haben jüngst auf dem Klipper angeheuert: Meerestier-Skulpturen aus Plastikmüll bewohnen derzeit den Bauch der Beluga. Die macht auf ihrer Fluss-Tour entlang 15 deutscher Städte Welle für den Meeresschutz. Besucher sind an jedem Liegeplatz eingeladen, sich ein Bild von der Greenpeace-Arbeit zu machen, insebesondere vom aktuellen Schwerpunkt: An Bord wird erklärt, wie es um den faszinierenden Lebensraum Meer steht und welche Auswirkungen Plastikmüll darauf hat.

Die tierischen Gäste sind Teil der aktuellen Ausstellung an Bord des Greenpeace-Schiffes, das von heute bis zum 27. Juni unter anderem auf Ems, Rhein, Main und Donau unterwegs ist – den detaillierten Tourplan finden Sie hier. Die Künstlerin Antje Truelsen hat die Tiere aus Plastikmüll geschaffen, der Verein Jordsand und Greenpeace an der Nordseeküste aufgesammelt haben. Aus Shampooflaschen, Gummihandschuhen und Schwimmflügeln wurde ein Rotbarsch, aus Kanister, Badelatschen und mehr ein Mantarochen.

Wie Plastikmüll ins Meer gelangt

Plastik, das im Meer schwimmt, wird allerdings im seltensten Fall zu Kunst. Stattdessen richtet unser Müll in den Ozeanen verheerende Schäden an. Bis zu 13 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle gelangen jährlich über Flüsse, durch Wind, Abwässer, Sturmfluten oder Hochwasser von Land aus ins Meer. Schätzungen zufolge haben sich dort bereits mindestens 150 Millionen Tonnen angesammelt. Ein Müllstrudel im Nordpazifik ist sogar auf die Größe Mitteleuropas angewachsen.

„Dieser im Meer treibende Plastikmüll kann für Meerestiere zum qualvollen Tod führen“, sagt Lisa Maria Otte, sie ist Umweltwissenschaftlerin und Greenpeace-Expertin für Meere und Plastik bei Greenpeace. „Sie strangulieren sich oder verwechseln Plastik mit Nahrung und verhungern im schlimmsten Fall mit vollem Magen, da der Kunststoff nicht verdaut werden kann.“ Mit ihrer Tour will die Besatzung der Beluga ein Bewusstsein für die Schönheit und Verletzlichkeit des Lebensraums Meer schaffen. Während der Führung durch die Ausstellung geben Aktivisten und Ehrenamtliche unter anderem praktische Tipps zur Reduzierung von Plastikmüll im Alltag, Einblick ins Leben an Bord und die Greenpeace-Arbeit für den Umweltschutz.

Winzige Krümel, Riesenproblem

An Bord ist auch eine spezielle Vorrichtung, um während der Tour unter anderem Rhein, Main und Donau auf Mikroplastik zu testen. Mikroplastik ist zwar kaum sichtbar, aber nichtsdestotrotz ein riesiges Problem. Im Meer wird Plastikmüll durch UV-Strahlung und Wellengang zu winzigen Partikeln zerrieben, aber bereits in unserem Abwasser befindet sich Plastikabfall, der zu klein ist, um herausgefiltert zu werden. Mikroskopisch kleine Kunststoffteilchen befinden sich beispielsweise in Zahncreme und Peelings und gelangen häufig über Abflüsse ins Meer.

Dort bleiben sie aber nicht. „Mikroplastik ist mittlerweile in der Nahrungskette angelangt: beispielsweise in den Mägen verschiedener Speisefischarten, in Muscheln oder Garnelen“, sagt Otte. „Trotz wissenschaftlicher Untersuchungen kann noch niemand genau sagen, wie viel Plastik schlussendlich auf unseren Tellern landet und welche Auswirkungen es hat.“

Die Beluga II wird in den nächsten Wochen neben Münster unter anderem auch Köln, Koblenz, Frankfurt und Mainz anlaufen. Online kann man die Reise des Schiffs auch auf Facebook und Twitter verfolgen.

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