Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Philippinen: Ölteppich bedroht marines Schutzgebiet

Unter Beifall und einem herzlichen Willkommen hat das Greenpeace-Schiff Esperanza am Dienstag um acht Uhr Ortszeit im Hafen der philippinischen Hauptstadt Manila den Anker geworfen. Die Inselgruppe ist planmäßig die nächste Station der Greenpeace-Expedition SOS Weltmeer. Doch das Archipel ist derzeit akut bedroht: Nachdem der Tanker Solar I am Freitag zwischen den Inseln Guimaras und Negros gesunken ist, hat sich ein 24 Quadratkilometer großer Ölteppich über das Meer gelegt.

  • /

Bislang sind etwa 200.000 Liter Schweröl aus dem Tanker ausgetreten, der insgesamt zwei Millionen Liter fasst. Das Schiff kam auf der Fahrt zu einem Kraftwerk auf der Insel Mindanao in einen Sturm und sank. Von der 18 Mann starken Crew wurden 16 Menschen gerettet, zwei werden noch vermisst. Verantwortlich für die Solar I ist Petron, der größte Ölproduzent auf den Philippinen.

Stürmisches Wetter mit starken Regenfällen und hohen Wellen verhinderte zunächst eine genaue Untersuchung des Unglücksortes. Um sich ein genaues Bild vom Ausmaß des Tankerunglücks zu machen, überflogen Fachleute am Dienstag das Gebiet. Anschließend gab die Küstenwache bekannt, Kollegen aus Japan und Indonesien um Hilfe zu bitten.

Vom Ölteppich betroffen sind wichtige Fischereigründe, aber auch beliebte Tauchgebiete für Touristen. Besonders bedenklich: Auch ein nationales marines Schutzgebiet - Taklong Island am südlichen Zipfel der Insel Guimaras - ist von dem Unglück betroffen. Die Küstenwache rechnet damit, dass die Reinigung des betroffenen Gebietes bis zu drei Jahre dauern wird.

Die philippinische Regierung sollte den verantwortlichen Ölkonzern Petron und seine Partner für den Schaden an den Ökosystemen im Wasser und an der Küste und deren Sanierung zur Verantwortung ziehen, fordert Von Hernandez, Kampagnendirektor von Greenpeace in Südostasien.

Auch die philippinischen Behörden sprechen von der größten Ölkatastrophe in der Geschichte des Inselstaates. Bis jetzt sind 15 Dörfer im südlichen Guimaras von dem übelriechendem Schlamm betroffen, der durch das austretende Öl entsteht. Sie wurden von der Küstenwache um den Versuch gebeten, mithilfe von Holz, Bambus, Ölfässern und Autoreifen die größten Ölflecken zu beseitigen.

Das Schiff ist eine ökologische Zeitbombe die möglicherweise zu Langzeitschäden und dauerhaften Schäden an der Umwelt und der Existenz der Menschen führen wird. Die reichhaltigen Ökosysteme im Meer und an der Küste versorgen das Land mit Nahrung und Einkommen. Guimaras ist zudem für seine Strände und seine Meeresfrüchte berühmt und somit ein wichtiges Touristenziel, beschreibt Hernandez die Problematik.

Über 400 Korallenarten, mehr als 2.000 Fischarten, Meeressäugetiere, Meeresschildkröten, Haie, Rochen sind in den Gewässern der Philippinen zuhause. Aus diesem Grund wird die Flora und Fauna des Archipels von Wissenschaftlern als globales Zentrum mariner Artenvielfalt bezeichnet. Studien bewerten jedoch die Bedrohung der Arten durch das Aussterben ähnlich wie sie die Zerstörung des Regenwaldes in Brasilien einstufen.

Zu den akuten Problemen der Inselgruppe zählt vor allem die Verschmutzung des Meeres, insbesondere durch Müll. Sowohl Kunststoff, als auch durch giftigen Abfall, der durch den Bergbau in die Umwelt gelangt. Sie sind deshalb auch Thema der Greenpeace-Expedition SOS Weltmeer. Ziel ist es, bis Ende 2006 Vorschläge zur Ernennung von Meeresschutzgebieten zu erarbeiten. Denn so könnte nicht nur ein weiteres Tankerunglück verhindert werden.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Weit weg, nah am Herzen

Mehr als 380.000 Menschen unterstützen die Greenpeace-Forderung nach einem Schutzgebiet im Südpolarmeer. Ihre Unterschriften haben Antarktisschützer heute in Berlin übergeben.

Schleichendes Gift

Wenn Verbote zu spät kommen: Große Teile der weltweiten Orca-Bestände stehen vor dem Aussterben. Schuld ist ein Schadstoff, der seit fast 15 Jahren auf der Schwarzen Liste steht.

Zurück – oder in die Zukunft

Die Internationale Walfangkommission steht vor einem Paradigmenwechsel: Will sie weiter nur den kommerziellen Walfang regulieren – oder aktiv zum Schutz der Wale beitragen?