Geisternetze sind Plastikmüll und bedrohen Meerestiere

Fischfang ohne Fischer

Zehntausende Fischernetze landen jährlich als Plastikmüll im Meer, auch in Nord- und Ostsee – eine Todesfalle für Meeresbewohner. Doch es wird wenig unternommen, um sie zu bergen.
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Geisternetze sind herrenlose Fischernetze. Sie bleiben an Unterwasserhindernissen hängen und reißen sich von den Fangschiffen los, gehen bei hohem Seegang verloren oder werden von Fischern absichtlich im Meer entsorgt. Über eine Million Tonnen Plastik gelangt durch die Fischerei jedes Jahr in unsere Ozeane. Mit fatalen Folgen: Geisternetze fangen weiter Fisch und andere Meerestiere. Fische in den Maschen der Geisternetze werden zum Köder für größere Fische und Meeresräuber wie Schweinswale, Seehunde und Kegelrobben. Auch sie bleiben in den Netzen hängen, ertrinken oder verhungern langsam und qualvoll.

Verschmutzung für Jahrhunderte

Die zum größten Teil aus Kunststoff hergestellten Netze brauchen bis zu 600 Jahren bis sie im Meer abgebaut werden. Nur sehr langsam lösen sie sich in winzig kleine Plastikteile auf – sogenanntes Mikroplastik. Auch das verschmutzt die Ozeane noch über lange Zeit. Fische verwechseln die winzigen Kunststoffpartikel mit Nahrung und fressen sie. So landet das Mikroplastik der Geisternetze irgendwann in der Nahrungskette. Bei dreien der Pottwale, die im Frühjahr an der Nordseeküste strandeten, fanden Forscher sogar Fischernetze im Magen.

Inzwischen machen Geisternetze und anderes Fischereiplastik ein Zehntel der kompletten Plastikmüllverschmutzung in den Meeren aus. Deswegen setzen sich zahlreiche Nichtregierungsorganisationen dafür ein, sie aus den Meeren zu entfernen. Mitglieder von GhostNets Australia sammeln angeschwemmte Netze an den Küsten Australiens ein. Die niederländischen Taucher der Organisation GhostFishing suchen gezielt nach Wracks und bergen die Netze, die dort hängen geblieben sind. Ihrer Erfahrung nach gibt es zum Beispiel in der südlichen Nordsee keine Wracks, die frei von Geisternetzen wären. Allein in der deutschen Nordsee liegen über 1000 Wracks auf dem Meeresgrund.  

Politik in der Verantwortung

In Deutschland sind die Behörden für die Entfernung der Geisternetze verantwortlich. So verbietet das Internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe MARPOL das Einbringen von Schadstoffen ins Meer. Auch die EU-Fischerei-Kontrollverordnung verbietet das Entsorgen von Fischereigeräten im Meer. Verloren gegangene Netze müssen den Behörden gemeldet werden. Diese kümmern sich dann um die Bergung und dürfen die Kosten den Fischern in Rechnung stellen. So sieht es die Kontrollverordnung der Gemeinsamen Europäischen Fischereipolitik, GFP vor.

Auch für Deutschland ist die Verordnung verpflichtend. Von einer Umsetzung sind die EU-Mitgliedsstaaten und auch Deutschland noch weit entfernt: „Es existiert keine staatliche Erfassung verloren gegangener Netze, geschweige denn ein funktionierendes Bergungssystem“, so Thilo Maack, Meeresbiologe und Greenpeace-Experte für Ozeane.

Möglichkeiten, die Meere vor Geisternetzen zu schützen, gibt es: „Zum Beispiel muss die Entsorgung von Fanggeräten in den Häfen kostenlos sein, damit die Fischer gar nicht erst in Versuchung geraten, die Netze illegal über Bord zu werfen um das Geld für die Entsorungskosten zu sparen“, erklärt Maack. Auch eine Ausstattung der Fischernetze mit Ortungssendern, um sie bei Verlust wieder zu finden, hält er für sinnvoll.

Greenpeace fordert die deutsche Politik, allen voran Bundesfischereiminister Christian Schmidt auf die EU-Vorgaben zur Bekämpfung von Geisternetzen aktiv umzusetzen. Eine amtliche Erfassung der Netze ist ebenso notwendig wie staatliche Initiativen zur Vermeidung und Entfernung freitreibender Fischernetzen im Meer. 

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