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Wann tritt Edeka auf die Pestizidbremse?

Die Belastung von Obst und Gemüse mit giftigen Pestiziden ist seit Jahren viel zu hoch. Doch jetzt ist Bewegung in die Lebensmittelbranche geraten, freut sich am Dienstag Greenpeace Chemie-Experte Manfred Krautter in Hamburg. Fünf der sechs Supermarktketten, deren Angebot wir in den letzten Jahren auf Pestizide untersucht haben, treten jetzt auf die Pestizidbremse. Lediglich Marktführer Edeka drückt sich noch um eindeutige Ziele und Maßnahmen.

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Jüngstes Mitglied im Club der Pestizidreduzierer ist die Tengelmann-Gruppe (Kaiser’s, Tengelmann, Plus und A&P). Das Unternehmen ist der sogenannten 70-Prozent-Initiative beigetreten, die in den letzten Monaten von Rewe und dem Metro-Konzern gestartet wurde. Danach werden zukünftig nur noch maximal 70 Prozent der gesetzlich zulässigen Pestizidbelastung in den verkauften Lebensmitteln geduldet.

Jenseits der ARfD wird's gefährlich

Aber auch das Überschreiten der sogenannten Akuten Referenzdosis (ARfD) wird nicht mehr akzeptiert. Denn wenn so viele Pestizidrückstände im Essen sind, dass die ARfD überschritten wird, ist eine unmittelbare Gesundheitsgefährdung vor allem bei Kindern möglich.

Auch Tengelmann hat jetzt seine Lieferanten aufgefordert, die neuen Standards einzuhalten. Bei Verstößen droht die Auslistung. Tengelmann wird dann keine Waren mehr von dem Produzenten abnehmen.

Damit ist die Tengelmann-Gruppe der fünfte Lebensmitteleinzelhandels-Konzern, der als Reaktion auf eine mehrjährige Greenpeace-Kampagne gegen Gift im Essen verschärfte Standards einführt. Schon 2006 hatten die Discounterketten Lidl und Aldi ähnliche Programme mit zum Teil noch schärferen Grenzen für die Pestizidgehalte in Kraft gesetzt.

Keine Doppel-Standards!

Greenpeace fordert Tengelmann und die anderen Handelsketten auf, die neuen Standards nicht nur in Deutschland, sondern auch international anzuwenden und den Verbrauchern in Zukunft möglichst pestizidfreie Lebensmittel anzubieten. In einer repräsentativen Umfrage, die Greenpeace im April veröffentlicht hatte, sprachen sich 71 Prozent der befragten Bundesbürger dafür aus, dass Obst und Gemüse vollkommen frei von Pestizidrückständen sein sollten.

Greenpeace hatte zuletzt im Februar 2007 einen Supermarkt-Vergleich für Pestizide in Obst und Gemüse vorgelegt, bei dem Kaiser’s/Tengelmann auf dem letzten Platz landete. Zur Tengelmann-Gruppe gehören die Supermarktketten Kaiser’s, Tengelmann, Plus und A&P. Sie ist mit sechs Prozent Marktanteil der fünftgrößte Lebensmitteleinzelhandels-Konzern in Deutschland.

Informationen über die Pestizidbelastung von Obst und Gemüse sowie Einkaufstipps für Verbraucher gibt es im kostenlosen Greenpeace-Ratgeber Essen ohne Pestizide. Er kann bestellt werden unter der Telefonnummer: 040-30618120 oder im Internet unter: www.greenpeace.de/pestizide.

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