Greenpeace-Aktivisten demonstrieren für nationales Glyphosat-Verbot

Schadensbegrenzung

Glyphosat ist in der EU weiterhin zugelassen – Minister Schmidt hat es verbockt. Nun muss es wenigstens ein nationales Verbot geben, fordern Aktivisten vor dem Reichstag.

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Glück gehabt – es ist nur Wasser. Greenpeace-Aktivisten sind heute mit einem Trecker vor den Reichstag in Berlin gefahren, versprühten dort das Nass. Auf den Äckern in Deutschland geht es weniger harmlos zu: Dort wird für weitere fünf Jahre das giftige Pestizid Glyphosat landen. Entschieden hat das die EU – die ausschlaggebende Stimme kam jedoch aus Deutschland.

Glyphosat national stoppen

Denn Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) befürwortete in der EU eine weitere Zulassung des Pestizids – gegen den Willen von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Der Koalitionsvertrag sieht bei Uneinigkeit der beiden Ressorts eine Enthaltung Deutschlands vor. Eigentlich. Nun ist nicht nur schlechte Stimmung bei der SPD, sondern das Gift auch weitere fünf Jahre auf den Äckern.

„Die künftige Bundesregierung muss auf Schmidts unverantwortlichen Alleingang reagieren und national schnellstmöglich ein Verbot verhängen“, fordert Dirk Zimmermann, Greenpeace-Experte für Landwirtschaft. „Nur so kann das rasante Artensterben gebremst und die Bevölkerung vor einem möglicherweise gesundheitsschädlichen Pflanzengift geschützt werden.“ Im Nachbarland ist der Weg dorthin inzwischen geebnet: Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hatte nicht lange gezögert und bereits ein nationales Verbot von Glyphosat angekündigt.

>>> Sie wollen ein Glyphosat-Verbot auch für Deutschland? Fordern Sie den SPD-Vorsitzenden Martin Schulz dazu auf, bei den anstehenden Gesprächen mit der CDU/CSU durchzusetzen, dass die zukünftige Bundesregierung Glyphosat umgehend verbietet. Versenden Sie hier eine Mail an Martin Schulz.

Skandalträchtiges Gift

Der aktuelle Skandal um die Entscheidung des deutschen Landwirtschaftministers ist  nicht der erste im Zusammenhang mit Glyphosat. So enthüllten im vergangenen Monat internationale Medien, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in seinem Bericht an die EU weite Strecken aus Studien des Konzerns Monsanto abgeschrieben hatte – dem Hersteller des Gifts. Eine unabhängige wissenschaftliche Bewertung ist das nicht – jedoch brisant, da das BfR in seiner Beurteilung der internationalen Agentur für Krebsforschung widersprach, die das Mittel als „wahrscheinlich krebserregend“ einschätzt.

Dabei ist die Wirkung von Glyphosat auf Umwelt und Gesundheit enorm wichtig. Denn in Deutschland wird das Pestizid auf etwa 40 Prozent der Äcker eingesetzt. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass 50 Prozent der Böden in Europa bereits mit dem Herbizid kontaminiert sind.

Runter vom Acker

Dirk Zimmermann ruft daher die deutschen Politiker zum Handeln auf: „Auch die Sozialdemokraten sind gefordert und müssen in möglichen Koalitionsverhandlungen mit der CDU dafür sorgen, dass Glyphosat zumindest in Deutschland verboten wird.“ Ökobauern und auch viele konventionelle Landwirte haben längst gezeigt, dass es nachhaltige Alternativen zu Glyphosat gibt.

Zum Weiterlesen: Die EU-Mitgliedsstaaten hatten lange um die Entscheidung gerungen - ein Ausdruck dafür, wie umstritten Glyphosat ist. Mehr dazu erfahren Sie in dem Artikel "Gesunde Entscheidung?".

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