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Ein Chemie-Cocktail für die Liebste

Ein duftender Strauß aus Rosen, Tulpen oder Nelken. Die Auswahl ist vielfältig, ist doch eine kleine Aufmerksamkeit in Form von Schnittblumen als Valentinstagsgeschenk höchst beliebt. Doch was man bisher vor allem von Obst und Gemüse kennt, gilt nicht minder für Schnittblumen: Die sind zwar nicht essbar, können aber große Mengen an Pestiziden enthalten.

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Wer der Liebsten zum Valentinstag einen Strauß Blumen schenkt, muss zwar nicht besorgt sein, dass sie in Ohnmacht fällt, weil Pestizidausdünstungen statt ätherischer Öle in ihre Atemwege gelangen. Nein, diese akute Gefahr besteht nicht. Akut ist die Gefahr hingegen dort, wo diese Schnittblumen hergestellt werden. Das ist meist in Entwicklungsländern der Fall, wo Sozial- und Umweltstandards oft missachtet werden.

"Für Schnittblumen müssen endlich Pestizid-Grenzwerte festgelegt werden. Und besonders gefährliche Mittel müssen verboten werden", fordert Christiane Huxdorff, Pestizid-Expertin von Greenpeace. Anders als bei Lebensmitteln gibt es für Schnittblumen nämlich keine Höchst- und Grenzwerte für Rückstände, die es einzuhalten gilt.

Auch der BUND warnt vor dem Kauf von Schnittblumen aus Südamerika, Afrika und China. Der größte Teil der in Deutschland verkauften Blumen wird laut BUND in Afrika herangezüchtet. Letztes Jahr untersuchte der Umweltverband stichprobenartig Rosensträuße. Sie stammten vor allem aus Supermärkten wie Rewe, Penny, Netto, Real. Handelsketten also, die ihre Ware deutschlandweit vertreiben. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Acht von zehn Sträußen enthielten Pestizidrückstände, darunter auch die krebserregenden und hormonell wirksamen Pilzbekämpfungsmittel Carbendazim und Chlorthalonil.

So wundert es nicht, dass auch Floristen und Floristinnen hierzulande, die ständig in Kontakt mit pestizidbelasteten Blumen sind, über Ekzeme und Ausschläge klagen. Zudem tragen auch Deutsche Gärtnereien keine weiße, sondern eher eine pestizidbefleckte Weste: Oft werden die Pilz- und Insektenvernichter nämlich in großem Maßstab eingesetzt.

Missachtung von Sozial- und Umweltstandards in den Exportländern

Was das für die Blumenarbeiter und -arbeiterinnen in den Exportländern bedeutet, möchte man sich lieber nicht ausmalen. Eine von FIAN, dem Food-First Informations- und Aktionsnetzwerk in Auftrag gegebene Studie befragte ugandische Arbeiter und Arbeiterinnen auf Blumenfarmen nach ihren Arbeits- und Gesundheitsverhältnissen. Ohne Handschuhe und Atemmasken kommen sie mit den Pestiziden in direkten Kontakt. Die Symptome reichen von leichten Vergiftungserscheinungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Nervosität bis hin zu gravierenden Schädigungen wie Asthma und Ohnmachtszuständen.

Bessere Blume mit Siegel?

Wer also auf die Blumen nicht verzichten möchte, wohlgleich aber auf den darin enthaltenen Giftcocktail, kann nach entsprechenden Siegeln suchen. Sowohl das Fair Trade Siegel als auch das Flower Label Program (FTP) garantieren eine sozial- und umweltverträgliche Herstellung. Ökotest kritisiert allerdings, dass das Pestizidverbot dieser Siegel nicht hält was es verspricht. Schlupflöcher gebe es sogar für Pestizide, die in der EU längst verboten sind und für solche, die die US-amerikanische Umweltbehörde als "möglicherweise krebserregend" einstuft.

Bleibt zu guter letzt zu bedenken, dass die importierte Ware einen langen Weg bis hierher auf sich nimmt, somit auch keine gute CO2-Bilanz vorzuweisen hat. Bei Blumen aus dem beheizten Treibhaus sieht das ähnlich aus. Vielleicht sollte die Liebste dann doch lieber ein selbst gemaltes Bild des blühenden Pflänzchens bekommen.

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