Gen-Pflanzen: riskant, unkontrollierbar, nutzlos!

Ginge es nach den Plänen der Gentechnikindustrie, würden Gen-Pflanzen inzwischen in großem Maßstab weltweit angebaut. Dazu ist es jedoch bisher nicht gekommen. Der Anbau beschränkt sich auf einige wenige Länder, eine Handvoll Kulturarten und nur zwei Eigenschaften. Gen-Pflanzen produzieren entweder Insektengifte oder tolerieren die Behandlung mit Unkrautvernichtungsmitteln – oder beides. Die Versprechungen der Industrie haben sich nicht erfüllt. Der Anbau genmanipulierter Pflanzen hat zu keinerlei Ertragssteigerungen geführt, wohl aber zum Einsatz von mehr und giftigeren Pestiziden - mit ungewollten Nebenwirkungen für Umwelt und Landwirtschaft.
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1. Genmanipulation: Veraltet und unberechenbar

Bei der Genmanipulation werden im Gegensatz zur Züchtung natürliche Grenzen ignoriert und natürliche Abläufe in der Pflanze massiv verändert. Meist werden die Gene mit Schrotschuss-Verfahren in die Pflanzenzellen geschossen. Die Gentechniker können weder steuern, wo das Gen im Erbgut des neuen Organismus landet, noch zu welchen Wechselwirkungen es mit anderen Genen und Proteinen kommt - ein Blindflug.

Zudem ist die Grundannahme der Gentechnik, ein Gen sei für eine Wirkung im Organismus verantwortlich, von der Wissenschaft inzwischen widerlegt. Die Wechselwirkungen der Gene untereinander sowie das Wirkungsgefüge mit ihren Produkten, den Proteinen, sind wesentlich komplexer als lange angenommen.

So wundert es nicht, dass sich die großen Versprechen der Gentechnik nicht erfüllt haben. Immer noch sind nur Gen-Pflanzen der sogenannten „ersten Generation“ auf dem Acker, das heißt pestizidproduzierende und herbizidtolerante Pflanzen. Gen-Pflanzen die höhere Erträge liefern, besser mit Stress oder Trockenheit umgehen können oder medizinisch wirksam sind, gibt es nicht. Die Eigenschaften sind zu komplex, als dass sie mit Gentechnik in Pflanzen hineinmanipulierbar wären.

Moderne Züchtungsmethoden ohne Gentechnik sind hingegen zunehmend erfolgreich. Längst sind Kartoffeln, die widerstandsfähiger gegen Krautfäule sind, oder Mais mit erhöhter Toleranz für Trockenheit auf den Äckern. Die Millionen-Investitionen in Gentechnik-Projekte mit den gleichen Zielen sind bisher wirkungslos verpufft. Die moderne Pflanzenzüchtung macht durchaus von molekularen und biotechnologischen Methoden sowie Erkenntnissen genetischer Grundlagenforschung Gebrauch, verzichtet aber auf Genmanipulation. Die Entschlüsselung des Erbgutes von immer mehr Kulturpflanzen macht vieles möglich. Das Risiko Gentechnik ohne jeden Nutzen ist völlig überflüssig.

2. Gen-Pflanzen: Neue Probleme statt Lösungen

Superunkräuter durch Gen-Pflanzen: In den USA oder Argentinien, wo Gen-Pflanzen im großen Stil angebaut werden, bekommen Landwirte zunehmend Probleme mit sogenannten Superunkräutern. Die Unkräuter werden mit der Zeit genauso resistent gegen die Spritzmittel wie die Gen-Pflanzen. Die Folge: Der Einsatz von Spritzmitteln steigt. Immer giftigere Herbizide werden benötigt, um die Unkräuter zu kontrollieren.

Der US-Agrarwissenschaftler Charles Benbrook hat den großflächigen Anbau herbizidresistenter (HR) Gen-Pflanzen wiederholt untersucht. Seine Ergebnisse zeigen, dass der Anbau von Gen-Pflanzen in den USA zwischen 1996 und 2011 zu einem Mehreinsatz an Pestiziden von 183 Millionen Kilogramm geführt hat.

Schädlinge werden resistent: Neben herbizidresistenten Pflanzen werden sogenannte Bt-Pflanzen angebaut. Diesen Pflanzen wurde ein Gen-Konstrukt des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis eingesetzt. Die Pflanze produziert so ihr eigenes Insektengift, das auf bestimmte Schädlinge tödlich wirken soll. Das Gift wird permanent und in allen Teilen der Pflanze produziert und an die Umwelt abgegeben; eine Giftfabrik direkt auf dem Acker. Doch die Wirksamkeit solcher Gen- Pflanzen ist zeitlich begrenzt. Denn der Umstand, dass die Schädlinge permanent dem Gift ausgesetzt sind, fördert das Überleben derjenigen, die eine natürliche Resistenz gegenüber dem Bt-Gift entwickeln.

So ließen dann auch in der Praxis resistente Schädlinge nicht auf sich warten. In Indien zum Beispiel tauchten nach acht Jahren Anbau der Monsanto-Gen-Baumwolle "Bollgard" Rote Baumwollkapselwürmer auf, die gegen das von der Pflanze produzierte Gift immun sind. Abhilfe soll jetzt die Gen-Baumwollsorte Bollgard 2 schaffen. Diese Sorte enthält zwei Giftstoffe statt einen. Bollgard 3, eine Gen-Pflanze mit drei eingebauten Giftstoffen, befindet sich bereits in der Entwicklung.

Noch schneller verlief die Entwicklung beim Maiswurzelbohrer in den USA. Der gefürchtete Schädling - auch in Europa auf dem Vormarsch - bildete in nur sechs Jahren nachweislich Resistenzen gegen Bt-Gen- Mais aus.

Neue Schädlinge breiten sich aus: Seit dem Jahr 2000 verursacht in den USA der Western Bean Cutworm bei Gen-Mais zunehmend Schäden. Bis dahin spielte dieser Schädling im Maisanbau keine bedeutende Rolle. Die Ausbreitung des Schädlings ist auf den großflächigen Anbau von genmanipuliertem Mais zurückzuführen, der ein bestimmtes Bt-Toxin (Cry1Ab) produziert. Das Gift wirkt nicht nur auf den Maiszünsler, sondern auch auf den Baumwollkapselbohrer tödlich. Dessen Vorkommen wurde durch den Anbau von Gen-Pflanzen stark vermindert. Sein Rückzug schaffte jedoch Platz für einen neuen Schädling: den Western Bean Cutworm.

Auch andere nützliche Insekten werden gefährdet: Untersuchungen zum Gen-Mais Mon810 zeigen, dass die Pflanze negative Auswirkungen auf zahlreiche andere Tiere wie zum Beispiel Schmetterlinge, Honigbienen, Spinnen, Schlupfwespen und Florfliegen, aber auch Bodenorganismen hat.

3. Gefahren für die Gesundheit

Es ist unklar, ob der Verzehr von Gen-Pflanzen für den Menschen unbedenklich ist. Unabhängige wissenschaftliche Studien sind rar, Langzeitstudien fehlen. Die übliche Dauer der Sicherheitsprüfungen beträgt nur 28 Tage, längere Prüfungen dauern 90 Tage – auch bei pestizidproduzierenden Pflanzen. Zum Vergleich: Vor ihrer Zulassung in Europa werden Pestizide über einen Zeitraum von zwei Jahren untersucht.

Bei aller Unsicherheit über gesundheitliche Auswirkungen von Gen-Pflanzen gibt es dennoch Hinweise auf negative Effekte. Gen-Pflanzen können Stoffe bilden, die Risiken für die menschliche Gesundheit bergen. Damit können sie allergische Reaktionen hervorrufen, und zwar in höherem Maße als konventionelle Kulturpflanzen. Gen-Erbsen verursachten im Versuch allergische Reaktionen bei Mäusen und machten die Tiere empfindlicher für andere Nahrungsmittelallergien. 

Die Auswertung von Daten aus Fütterungsversuchen mit Gen-Mais an Ratten, die von der Firma Monsanto in Auftrag gegeben worden waren, zeigte signifikante Veränderungen der Blutwerte der Tiere. Forscher der französischen Universität Caen zufolge können Schäden für die menschliche Gesundheit nicht ausgeschlossen werden.

Neuere Untersuchungen stellen auch die Unbedenklichkeit der von pestizidproduzierenden Gen-Pflanzen hergestellten sogenannten Bt-Toxine infrage. Entgegen ursprünglichen Annahmen konnte gezeigt werden dass das Gift Cry1Ab, das unter anderem im Gen-Mais Mon810 verwendet wird, im Verdauungstrakt nur unvollständig abgebaut wird. Eine andere Untersuchung wies das Toxin im Blut von Schwangeren und ihren ungeborenen Kindern nach. Das Gift vermochte demnach die Plazentaschranke zu überwinden. Die Bedeutung und genauen Auswirkungen dieser Befunde sind unbekannt.

Indirekte Gefährdungen der menschlichen Gesundheit ergeben sich aus der veränderten landwirtschaftlichen Praxis beim Anbau von herbizidtoleranten Gen-Pflanzen: Immer mehr Gift kommt zum Einsatz, die Bewertung der Herbizide wird zunehmend kritischer vorgenommen. Der Wirkstoff Glyphosat, unter anderem enthalten im Ackergift Roundup, wurde mit Eingriffen in den Hormonhaushalt und Erbgutschädigung in Verbindung gebracht.  

4. Gen-Pflanzen außer Rand und Band

Neben der Gentechnikindustrie behaupten auch einige Politiker, dass genmanipulierte Pflanzen kontrollierbar seien. Das zentrale Ziel des in Deutschland seit April 2008 gültigen Gentechnikgesetzes ist daher die Koexistenz: Ein Nebeneinander von Landwirtschaft mit und ohne Gen-Pflanzen sei kein Problem, heißt es. Ist es aber doch - wie die Realität auf dem Acker und in unseren Lebensmitteln zeigt.

Regelmäßig werden auch in Deutschland Gentechnik-Lebensmittelskandale bekannt: Illegaler Gen- Reis aus China und den USA, mit Gen-Raps verunreinigter Honig und Senf aus Kanada oder Brötchen mit illegaler Gen-Leinsaat. Damit sich die Öffentlichkeit einen Überblick über die bekannt gewordenen Verunreinigungen mit Gen-Pflanzen verschaffen kann, veröffentlicht Greenpeace diese Fälle in einem Register im Internet.

Am Anfang steht das Saatgut: Das Saatgut ist die Ausgangsbasis der landwirtschaftlichen Produktionskette. Ist das Saatgut mit Gentechnik verunreinigt, gelangt diese von den Feldern in die Lebens- oder Futtermittel. Daher hat die Reinheit des Saatgutes oberste Priorität. Leider hat der kommerzielle, aber auch der Versuchsanbau von Gen- Pflanzen in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass immer wieder Saatgut verunreinigt wurde.

So wurde im Sommer 2006 bekannt, dass Saatgut von Langkornreis aus den USA mit illegalem Gen-Reis (LL601) der Bayer AG verunreinigt war. Obwohl dieser Gen-Reis in keinem Land der Erde eine Zulassung hatte, gelangte er großflächig in das Saatgut und damit auf die Felder US- amerikanischer Landwirte. Schließlich fanden Verbraucherbehörden und Greenpeace den Gen-Reis auch in deutschen Supermärkten.

Die amerikanische Reisindustrie hat auch nach jahrelangen Anstrengungen, die Verunreinigungen wieder loszuwerden, mit einem Imageverlust und mit Problemen beim Absatz von US-Reis nach Europa zu kämpfen. Der Schaden dürfte daher höher sein als die 750 Millionen US-Dollar Entschädigung, die Bayer 2011 an Reis-Bauern zahlte.

Oft bleibt unklar, wie es zu Verunreinigungen gekommen ist. Das kann durch Auskreuzung auf dem Acker passieren, aber auch durch falsche Lagerung und Transport. Werden zum Beispiel Anlagen, in denen gentechnisch verändertes Saatgut gelagert wurde, nicht ausreichend gereinigt, kommt es bei einer anschließenden Befüllung mit herkömmlichem Saatgut zu Verunreinigungen.

Gen-Pflanzen halten sich nicht an Ackergrenzen: Werden Gen-Pflanzen auf den Feldern angebaut, können sie sich über Pollenflug in artverwandte Acker- und Wildpflanzen auskreuzen und so das ökologische Gleichgewicht und die biologische Vielfalt gefährden. Gen- Pflanzen kennen keine Ackergrenzen, und Pollen lassen sich weder durch Zäune noch durch Abstandsregelungen kontrollieren. Einmal in die Umwelt freigesetzt, kann niemand die Gene zurückholen.

Besondere Aufmerksamkeit erregte die ungewollte Ausbreitung von Gen- Mais in traditionellen Maissorten in Mexiko, dem Ursprungsland des Maises. Im Jahr 2001 stellten Wissenschaftler fest, dass sich im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca Gen-Mais in einheimische Sorten eingekreuzt hatte. Der Gen-Mais gelangte vermutlich für die Lebensmittelproduktion von den USA nach Mexiko und wurde dort ausgesät.

Die Auskreuzung von Gen-Pflanzen kann traditionelle Sorten verdrängen. Die Vielfalt der Pflanzen ist jedoch die Grundlage unserer Ernährung. Alle landwirtschaftlichen Nutzpflanzen wurden ursprünglich aus ihren wilden Verwandten gezüchtet. Auch heute braucht die Züchtung eine Vielfalt an Pflanzen, um daraus neue Sorten zu entwickeln, die sich dem veränderten Klima, Schädlingen und Krankheiten anpassen.

Quellenangaben finden Sie in unserem englischsprachigen Hintergrund zu den Risiken von Gen-Pflanzen

Wie wenig sich Gen-Pflanzen kontrollieren lassen, zeigen noch weitere Skandale:

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