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EU-Studie: Wissenslücken beim Bienenschutz

Es fehlt an wissenschaftlichen Erkenntnissen, um Gesundheitsrisiken für Bienen und andere Bestäuber angemessen bewerten zu können - zu dieser Erkenntnis kommt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einer neuen Studie zufolge. Die EFSA hat dazu über zweihundert Projekte untersucht, die sich mit Bienengesundheit beschäftigen.

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Handlungsbedarf sieht die EU-Behörde verstärkt bei der Gefahrenerkennung, die von unterschiedlichen Klassen von Chemikalien und Pestizidcocktails ausgeht. Die Schlussfolgerung: Wir brauchen eine bienenfreundlichere Umwelt und  Landwirtschaft.

Christiane Huxdorff ist Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace Deutschland und besorgt über das Ergebnis der EFSA-Studie. “Es ist erschreckend, wie wenig wir über die Gefahren wissen, denen wichtige Bestäuber wie Honigbiene, Hummel und Solitärbiene durch die konventionelle Landwirtschaft ausgesetzt sind.“ Sie  sieht die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten in der Handlungspflicht: „Wir brauchen eine ausreichende Forschungsfinanzierung, um die Wissenslücken zu füllen und sicherzustellen, dass Bestäuber ausreichend geschützt werden und ihre Rolle bei der Lebensmittelproduktion erfüllen können."

Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit empfiehlt in der aktuellen Untersuchung konkret eine Verbesserung der Risikobewertung für Pestizide sowie die Überwachung von Bienen, Wildbienen und anderen Bestäubern. Diese Insekten kommen auf vielfältigen Wegen mit den Pestiziden in Kontakt, zum Beispiel über Pollen, Nektar, Oberflächengewässer oder sogenanntem Guttationswasser, das Pflanzen absondern können. 

Greenpeace untersuchte bereits im letzten Jahr in einem Feldversuch das Guttationswasser von Maispflanzen. Ein Beispiel dafür, welche zusätzlichen Faktoren in die Risikobewertung von Pestiziden mit einfließen müssen, so  die Landwirtschaftsexpertin.  Auch die EFSA-Studie empfiehlt,  Faktoren wie die Kombination der  Pestizidbelastung und der Befall mit Varroa-Milben zukünftig genauer zu untersuchen, da es an entsprechenden EU-Studien noch mangele.  

Bisher konzentriert sich die Forschung darauf, die Belastungen der Bienen durch eine einzelne  Chemikalie zu ergründen. Welche Auswirkungen jedoch die Kombination mehrerer sogenannter Stressoren hat, finde noch zu wenig wissenschaftliche Beachtung, kritisiert Huxdorff. Die jüngste Forschung zeige jedoch, dass die Bienen anfälliger für Krankheiten sind, wenn sie zeitgleich auch Pestiziden ausgesetzt sind. Auch die Rolle von wilden Bestäubern für die Landwirtschaft und für natürliche Ökosysteme ist noch nicht hinreichend erforscht:  Nicht eine einzige der von der EFSA ausgewerteten 220 Studien beschäftigte sich mit den Auswirkungen von Pestiziden auf wilde Bienen oder Hummeln.

Greenpeace fordert bienenfreundliche Landwirtschaft

Im Jahr 2013 veröffentlichte Greenpeace einen wissenschaftlichen Report zu den wichtigsten Bedrohungen der Biene. Der Greenpeace-Report identifizierte sieben für Bienen gefährliche Pestizide, darunter auch Fipronil. Seit Ende Dezember 2013 ist das Gift zwar EU-weit verboten, dennoch triumphierte in Deutschland die Kartoffel- und Pestizidlobby: Hierzulande gilt wieder eine Sonderzulassung für 120 Tage. 

“Es gibt ausreichend wissenschaftliche Beweise für die Bienengefährlichkeit von Pestiziden, die ein sofortiges und umfassendes Verbot unumgänglich machen. So reicht zum Beispiel das derzeit geltende Teilverbot von Neonikotinoiden nicht einmal ansatzweise aus, da es immer noch zu viele Ausnahmen ermöglicht“, sagt Huxdorff. Greenpeace fordert eine Entwicklung hin zu einer ökologischen, und bienenfreundlichen Landwirtschaft, die nicht auf die Anwendung von chemisch-synthetischen Pestiziden angewiesen ist. 

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