Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

George W. Bush und das Öl in Alaska

Es ist der soundsovielte Versuch: US-Präsident Bush will der Ölindustrie unbedingt Zugriff auf das wertvolle Naturschutzgebiet Arctic National Wildlife Refuge verschaffen. Diesmal muss der hohe Ölpreis als Grund herhalten.

  • /

Das Arctic National Wildlife Refuge (ANWR) liegt im äußersten Nordosten Alaskas, jenseits der Polargrenze. Es umfasst mehr als zwei Millionen Quadratkilometer, die seit 1981 geschützt sind. Fast die Hälfte der Fläche ist als Wilderness Area ausgewiesen - eine Region, die dem Zugriff des Menschen dauerhaft entzogen bleiben soll.

Die Bedeutung der Region wurde früh erkannt. Ein Teil wurde schon 1960 als arktisches Naturreservat unter Schutz gestellt. Das einzigartige Ökosystem ist Lebensraum zahlreicher Tierarten, darunter Karibus, Moschusochsen, Eisbären, Wölfe, Wanderfalken und Schneegänse. Es ist zudem berühmt für seine wertvollen Lachsbestände.

Die Förderung von Rohöl wäre gefährlich für diese besonders sensible arktische Region. Auslaufendes Öl würde aufgrund der niedrigen Temperaturen nur sehr langsam abgebaut. Die Region bräuchte Jahre, um sich von eventuellen Schäden zu erholen.

Jörg Feddern, Energieexperte bei Greenpeace, erinnert an die große Ölkatastrophe vor rund zwanzig Jahren: Als der Tanker Exxon Valdez 1989 auf Grund lief, hat er 40.000 Tonnen Öl verloren. Bis heute findet man dort Ölreste und die Natur hat sich immer noch nicht erholt.

Dass Unfälle niemals auszuschließen sind, zeigt auch ein anderer Fall: Im März 2006 liefen in der Pruedhoe Bay etwa eine Million Liter Rohöl aus einer defekten Pipeline aus - nur wenige Kilometer von der Grenze zum Naturschutzgebiet ANWR entfernt.

Feddern bezweifelt zudem, dass die vermuteten 18 Milliarden Barrel Rohöl tatsächlich vorhanden sind. Doch selbst wenn: Diese Menge würde gerade ausreichen, um die USA zweieinhalb Jahre mit Öl zu versorgen. Das ist lachhaft. Der einzige Weg, auf den hohen Ölpreis zu reagieren, ist der effizientere und sparsamere Umgang mit Öl.

Öl fördern - egal wo

Die USA besitzen etwa drei Prozent der weltweiten Ölvorräte, verbrauchen aber rund 25 Prozent des geförderten Rohstoffs. Jeder Amerikaner verbraucht jährlich etwa drei Tonnen Öl. Zum Vergleich: Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland liegt bei etwa der Hälfte, in China bei weniger als einer Tonne.

Zur Verschwendung trägt unter anderem der durchschnittliche Flottenverbrauch US-amerikanischer PKW bei: Er beträgt elf Liter. In Deutschland sind es acht - was ebenfalls schon sehr hoch ist.

In der US-Bevölkerung findet bereits ein Umdenken statt. Immer mehr Amerikaner spüren, dass der Klimawandel auch sie trifft. An George W. Bush gehen solche Erkenntnisse vorbei. Er kommt aus der Ölbranche und ist ihr bis heute verbunden. Dem Klimaschutz verweigert er sich von jeher. Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain haut in die gleiche Kerbe.

Opfer dieser Politik wäre nicht nur die unberührte Natur im Schutzgebiet. Opfer wären auch die US-Amerikaner und letztlich wir alle. Eines der ersten wäre der Eisbär. Sein Lebensraum schwindet schon jetzt durch den Klimawandel dramatisch dahin.

Jörg Feddern: Vor der geschützten Küste Nordalaskas kann der Eisbär dann zugucken, wie auf den Bohrinseln seine Existenz zerstört wird.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Bilanztricks bei der LEAG

Die Zahlen sind alarmierend: dem Lausitzer Braunkohlekonzern LEAG fehlen Milliarden für die Renaturierung. Zu diesem Schluss kommen die Wirtschaftsprüfer von Cordes + Partner in einer von Greenpeace beauftragten Stellungnahme.

Mehr zum Thema

Schluss mit Baggern!

Trotz Kohleausstieg rücken RWEs Kohlebagger täglich näher an den Hambacher Wald und die bedrohten Dörfer. Dabei wollen die Menschen das nicht, zeigt eine Umfrage von Greenpeace.

Läuft und läuft und läuft…

Die Uhr tickt für Verkehrsminister Scheuer. Greenpeace-Aktivisten erinnern den CSU-Politiker heute mit Bühnennebel und schmerzhaften Zahlen an seine Verantwortung fürs Klima.

Butter bei die Fische

Die Kohlekommission hat den Ausstieg aus der Kohle vorgegeben. Jetzt muss ein Gesetz her, das diesen regelt. Da die Politik zögert, stellen Umweltverbände heute einen Entwurf vor.