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Milliardenprojekt auf Kosten der Umwelt

Esso zerstört Afrikas Natur für den Bau der Tschad / Kamerun Pipeline

ExxonMobil führt ein Konsortium an, das ein riesiges Pipelineprojekt (Projektvolumen etwa 3,7 Milliarden US$) in den Ländern Tschad und Kamerun verwirklicht hat. Ein Teil des Geldes, das im Zuge des Projekts an die Regierung des Tschad geflossen ist, wurde bereits zum Waffenkauf missbraucht. Im Rahmen des Projekts kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen, Kritiker wurden eingeschüchtert und inhaftiert. Die Pipeline verläuft durch bis dahin unberührte Waldflächen und bedroht die Wasserversorgung der Bevölkerung.
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Ölförderung in der landwirtschaftlich produktivsten Region

Im Süden des Tschad, der landwirtschaftlich produktivsten Region des Landes, wurden in den siebziger Jahren Ölvorkommen entdeckt. Schwarzes Gold unter der Erde eines der ärmsten Länder der Welt, damals im noch lange Jahre andauernden Bürgerkriegszustand, nach wie vor berüchtigt für Korruption und massive Menschenrechtsverletzungen.

Seit Beginn der 90er Jahre werden konkrete Vorbereitungen getroffen den vermeintlichen Reichtum des Landes abzuschöpfen, bis 1998 mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Jahre 2000 begann der Bau der Pipeline, 2003 floss das erste Öl. Die Pipeline verläuft unterirdisch auf einer Gesamtlänge von mehr als 1000 Kilometern von den Ölfeldern im südlichen Tschad quer durch Kamerun zur Atlantikküste. Sie verläuft parallel zu den großen Flüssen Kameruns, quer durch das Lebensgebiet der Pygmäen, die in den Urwäldern Kameruns leben. Vor dem Küstenort Kribi, gelegen zwischen zwei Schutzgebieten, endet sie im Meer an einer schwimmenden Verladestation im Golf von Guinea. Über einen einwandigen Tanker wird das Öl hier auf Schiffe verladen. Rund 200 000 Barrel Öl werden pro Tag durch die Pipeline aus rund 300 Bohrlöchern der drei Ölfelder in Komé nach Kribi transportiert..

Milliardenprojekt

Das 3,7 Milliarden US$ Projekt wird getragen von einem Konsortium aus ExxonMobil (40%), Petronas (35%) und ChevronTexaco (25%). Bis 1999 waren, statt der letztgenannten, Shell und ELF im Konsortium, sie haben sich jedoch aufgrund der immer offensichtlicher werdenden Probleme zurückgezogen. Finanzielle und ideelle Unterstützung erfährt der Pipelinebau von der Weltbank sowie der European Investment Bank. Das Pipelineprojekt Tschad / Kamerun sollte ursprünglich einen Vorzeigecharakter haben, es sollte einen Gegenpol zu den anderen gänzlich missratenen Aktivitäten der Ölindustrie auf dem afrikanischen Kontinent setzen. An die Gabe der Gelder waren entsprechend mehrere Bedingungen geknüpft, beispielsweise die Gründung einer unabhängigen Gutachtergruppe. Die Einnahmen, die der Tschad und Kamerun durch Bau und Betrieb der Pipeline erzielen, sollten zu knapp drei Vierteln investiert werden in Gesundheitswesen, Infrastruktur etc., ein Teil soll in einen Trust für zukünftige Generationen geleitet werden. Schulen und Krankenhäuser sollten gebaut und Schutzgebiete für durch die Pipelinetrasse zerstörte Waldflächen ausgewiesen werden. Hehre Vorstellungen angesichts der korrupten Umstände im Tschad und in Kamerun und einer lediglich etwa fünfundzwanzigjährigen Gesamtlaufzeit des Projekts.

Kritik von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen

Von Anfang an wurde auf allen Ebenen Kritik am Pipelineprojekt laut. So berichtet beispielsweise Amnesty International immer wieder über massive Menschenrechtsverletzungen im Tschad, Kritiker des Projekts wurden von der Bildfläche entfernt. Transparency International bezeichnete Kamerun in ihrem Jahresbericht 1999 als das korrupteste Land der Welt. Umweltprobleme ergeben sich unter anderem durch die Zerstörung bislang unberührter Waldflächen und dem Nachziehen von Zuwanderern über die durch die Pipelinetrasse geöffneten Gebiete. Speziell die Pygmäen sind durch das Einschleppen von Krankheiten bedroht. Wilderei ist ohnehin schon ein nicht zu kontrollierendes Problem in den Wäldern Kameruns, auch dieses wird sich durch die besseren Zugangsmöglichkeiten verschärfen. Wasser ist überlebenswichtiger Rohstoff der Menschen im trockenen, heißen Tschad, die Fischerei sowohl in den Flüssen entlang der Pipeline sowie an der Küste Kameruns ist Lebens- und Einnahmequelle Nummer Eins. Das Risiko der möglichen Wasserverschmutzung ist in den jeweiligen Ländern und an der Küste mit nicht ausreichend ausgearbeiteten Schutzplänen nur unzureichend gelöst.

Probleme und Skandale verschärfen sich

Verschiedene Organisationen haben jahrelang versucht, mehr Zeit zu gewinnen, um zumindest grundlegende Forderungen und Umweltgutachten und -schutzpläne durchzusetzen. 1998 war angestrebter Baubeginn, der aber aufgrund der sich abzeichnenden Probleme in das letzte Drittel des Jahres 2000 verschoben wurde. Seitdem wurde das Projekt schnellst möglich vorangeschoben. Mit dem Erfolg, dass das Bauvorhaben dem Zeitplan weit voraus war (um ca. ein Jahr), während die begleitenden Sozial- und Umweltmaßnahmen hinterher hinkten. Auch der Inspection Panel, die Kontrollinstanz der Weltbank, hat dieses wiederholt in seinen Berichten kritisiert und festgestellt, dass sich soziale und wirtschaftliche Probleme mit dem Beginn der Bauphase verschärft haben, ohne dass abfedernde Maßnahmen mit dem nötigen Nachdruck vorangebracht würden. In fast allen Berichten taucht die Forderung auf, den Problemen Abfallmanagement, Kontrolle der Staubentwicklung, Bodensanierung, Ausgleichsmaßnahmen für die Bevölkerung und Notfallplänen verstärkt zu bearbeiten.

Viele der ungelösten Probleme haben sich mit den Jahren eher noch verschärft. In Kamerun zerstört die Pipelinetrasse Teile des Urwaldes. Im Tschad wird fruchtbares Ackerland der Ölindustrie geopfert. Bauern werden von ihrem Land vertrieben. Das Wasserproblem ist ungelöst und es gibt keine ausreichenden Notfallpläne für Unfälle. Schon vom ersten Bonus der Ölkonzerne an die Regierung des Tschad landeten 4,5 Millionen US$ bei den Waffenhändlern.

Jetzt fließt das Öl und damit sollte endlich auch der Benefit bei der Bevölkerung ankommen, doch es geht weiter mit den Skandalen. Die wirklich großen Gewinne aus dem Ölgeschäft fließen letztendlich in die Taschen des Konsortiums, die Bevölkerung der Länder Tschad und Kamerun geht so gut wie leer aus. Im Oktober 2004, als der Weltmarktpreis für Öl zum Teil bei 50 $ pro Barrel lag, hat Esso die Öleinnahmen aus dem Tschad zu einem mittleren Preis von 25 Dollar abgerechnet. Die Einnahmen für den Tschad waren entsprechend gering. Das Präsidialamt des Tschad hat dem Konsortium öffentlich vorgeworfen, vertragliche Verpflichtungen nicht einzuhalten und das Öl zu Spottpreisen zu verschleudern.

Greenpeace fordert

  • Keine Ölinvestitionen in kurzlebige Projekte in politisch instabile, korrupte Länder.
  • Keine Urwaldzerstörung für Pipelinebau. Kein Ackerland für Öl. Keine Vertreibung und Zwangsumsiedlung von Menschen im Namen von Ölprojekten.
  • Die Energie-Investitionen der Weltbank sollten von den fossilen Öl- und Gasprojekten abgezogen werden und in Projekte Erneuerbarer Energien investiert werden.

Autor: Karsten Smid

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