Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Klimaskeptiker auf Propagandatour

Die sogenannten Klimaskeptiker drehen auf. Während der Klimakonferenz in Kopenhagen ging ein Boot längsseits des Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior und entfaltete ein Banner mit der Aufschrift Propaganda Warrior. Hinter der Aktion steht CFACT, das Committee for a Constructive Tomorrow. Es lohnt sich, die Organisation etwas genauer zu betrachten.

  • /

Das amerikanische Committee for a Constructive Tomorrow (CFACT) hat in Deutschland und in Brüssel Schwesterorganisationen. CFACT Europe wurde im August 2004 von dem österreichischen Neoliberalen Günther Fehlinger und dem deutschen Historiker Holger Thuß gegründet und ist Teil des internationalen CFACT-Netzwerks. CFACT Deutschland ist eine Initiative, die sich mit politischen Themen aus den Bereichen Umwelt und Entwicklung auseinandersetzt.

Die Organisation verbreitet eine radikale Anti-Kyoto-Propaganda. Seit 1998 hat sie vom Ölkonzern ExxonMobil 382.000 Dollar erhalten. Allein in 2004 erhielt CFACT von Exxon 125.000 US-Dollar.

In einer Pressemitteilung zur Aktion gegen Greenpeace bringt CFACT das volle Vokabular der Klimaskeptiker in Stellung. Die Greenpeace-Arbeit für den Klimaschutz beruht demnach auf Mythen, Lügen, Übertreibungen. Sie befördert den Hunger in der Welt, Krankheiten und frühen Kindestod. Die Experten im Weltklimarat, die vielen renommierten Klimaforscher, die vor den Folgen des Klimawandels warnen - sie alle lügen und übertreiben demzufolge ebenfalls.

CFACT behauptet, hunderte Klimaforscher und tausende weitere Wissenschaftler seien anderer Meinung als Greenpeace. Dabei berufen sie sich auf den früheren Berater der britischen Thatcher-Regierung, Lord Christopher Monckton. Er wird jetzt als CFACT-Berater genannt.

Lord Monckton ist für seine provokanten Zuspitzungen und Verdrehungen bekannt. Erst kürzlich interviewte er in Berlin Klimaschutz-Demonstranten und redete sie in feinstem Englisch und aggressiver Rhetorik in Grund und Boden. Das Video der Inszenierung ist auf Youtube zu sehen. Es gibt vor, die Interviewten gehörten zu Greenpeace. Doch von einer Ausnahme abgesehen standen die Leute rein zufällig vor dem Greenpeace-Banner.

CFACT weiß, was gut für die Welt ist: zum Beispiel genau die Art Energieerzeugung, mit der diese Branchen heute so schön viel Geld verdienen. Wind und Sonne dagegen, heißt es in der CFACT-Pressemitteilung, würden die Energiepreise in schwindelerregende Höhen treiben, wirtschaftliche Möglichkeiten scharf begrenzen und Arbeitsplätze vernichten. Dass im Gegenteil durch die Erneuerbaren Energien allein in Deutschland innerhalb weniger Jahre zehntausende neue Arbeitsplätze entstanden sind, ficht CFACT nicht an.

Es verwundert im Übrigen nicht, dass die Aktivitäten der Klimaskeptiker gerade zum Zeitpunkt der UN-Klimakonferenz besonders heftig wieder aufflammen. Was dort am Ende herauskommt, ist Geld wert.

Zum Weiterlesen

Warum man Klimaskeptikern mit Skepsis begegnen sollte

Der Klimawandel - Alles Lüge?

Nicht nur falsch - auch böse

Pressemitteilung der Organisation CFACT auf PR Newswire

Weiterführende Publikationen zum Thema

Hambacher Forst in der Krise

Der Hambacher Wald ist gefährdet - nicht nur durch die Bagger von RWE, sondern auch durch Hitze und Trockenheit. In der Studie untersuchen Wissenschaftler der Universität Eberswalde und vom Potsdam Institut für Klimaforschung, wie Klimawandel, das Mikroklima und die Lage am Rand riesiger Braunkohletagebaue sich gegenseitig negativ verstärkten.

Mehr zum Thema

# Not My Klimapaket

1,4 Millionen Menschen fordern mehr Klimaschutz, doch das Maßnahmenpaket der Regierung liefert nicht. Ein Kommentar von Lisa Gölnder, Klima-Expertin von Greenpeace. 

Mit Vollgas in die Katastrophe

Greenpeace-Report zeigt: Autokonzerne ignorieren die Klimakrise. Sie verursachen mehr Treibhausgase als die EU; der Trend zu großen, klimaschädlichen Autos ist ungebrochen.

Eiscreme ohne Urwaldzerstörung

Hinter vielen Alltagsprodukten stecken Kinderarbeit, Ausbeutung oder gerodete Wälder. Damit muss Schluss sein, fordert Greenpeace als Teil der Initiative Lieferkettengesetz.