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Greenpeace verurteilt Russlands Zögern

Was für ein Problem hat Putin mit dem Kyoto-Protokoll? Diese Frage stellen sich Greenpeace und zahlreiche andere internationale Beobachter anlässlich der am Montag begonnenen Welt-Klimawandelkonferenz in Moskau. Putin wird auf der Konferenz nicht das Kyoto-Protokoll unterzeichnen, obwohl zahlreiche große Industriestaaten und Umweltorganisationen schon lange darauf warten.

Das Kyoto-Protokoll, das die Reduktion des klimaerwärmenden Treibhausgase (CO2) zum Ziel hat, kann erst mit der Unterschrift Russlands in Kraft treten. Russlands zögernde Haltung gegenüber dem Kyoto-Protokoll ist ein großes Risiko für die Welt, sagt Klimaexperte Steven Guilbeault von Greenpeace in Amsterdam. Es gibt wachsende Anzeichen für einen Klimawandel und dessen verheerende Auswirkungen auf unseren Planeten.

Trotzdem erklärte Putin bereits vor der Welt-Klimawandelkonferenz, dass er das Kyoto-Protokoll nicht aus rein ökologischen Motiven unterzeichnen werde. Vielmehr werde er Russlands Beitritt von politischen und ökonomischen Kriterien abhängig machen.

Unter Experten löste das russische Statement Verwirrung aus, da das Abkommen der ehemaligen Sowjetrepublik viele finanzielle Vorteile bringen kann. Der Vertrag erlaubt den An- und Verkauf von CO2-Emissionsquoten. Und Experten gehen davon aus, dass Russland viele Emissionsquoten verkaufen kann. Denn ein Land darf so viel Kohlenstoffdioxid in die Luft austreten lassen, wie es im Jahr 1990 üblich war.

Seit den 90er Jahren mußten in Russland zahlreiche veraltete Industrien - wahre CO2-Schleudern - schließen. Damit schöpft Russland nicht die Emissionsgrenzwerte von 1990 aus. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen wird Russland sogar noch im Jahr 2010 zwischen 11 und 25 Prozent weniger CO2 ausstoßen als im Jahr 1990.

Eine hochrangige Quelle aus dem Kreml erklärte, dass Russland das Emissions-Abkommen nur ratifizieren werde, wenn es feste Garantien für den Verkauf von Emissionsquoten erhalte. Russland kann mit dem Handel von Emissionszertifikaten viel Geld verdienen. Wenn jedoch viele Zertifikate auf dem Markt sind, dann sinkt auch der Preis. Davor fürchtet sich Russland vermutlich, erklärt Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace in Deutschland.

Zudem will Russland Investitionen im Energiesektor zugesichert bekommen. Eine Klausel des Kyoto-Protokolls ermöglicht Industriestaaten, ihre eigenen C02-Emissionen nicht einhalten zu müssen, wenn sie statt dessen saubere Investitionen im Ausland tätigen. Moskau fordert vor allem juristische und finanzielle Mechanismen für den Verkauf von Quoten, erklären russische Offizielle. Mit diesen Forderungen Russlands verzögert sich der Ratifikationsprozess des Protokolls weiter.

Greenpeace fordert eine schnelle Ratifikation des Emissionsabkommens. Alles ist für die russische Ratifikation vorbereitet. Putin hat nicht nur eine politische, ökonomische und ökologische Verantwortung gegenüber Russland, sondern auch gegenüber der Welt, sagt Guilbeault abschließend.

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