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Bio gut fürs Klima?

Dass die Landwirtschaft nicht unerheblich für die Klimaerwärmung verantwortlich ist, ist bekannt. In Deutschland verursacht sie 13 Prozent der Treibhausgase - so viel wie der Straßenverkehr. Weniger untersucht ist, ob Bio-Essen für die Klimabilanz besser ist als konventionelles. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat die beiden Anbauformen verglichen.

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Unterm Strich produzieren Öko-Landwirte 15 bis 20 Prozent weniger Treibhausgase. Bei der konventionellen Landwirtschaft schlägt besonders der Einsatz von mineralischem Stickstoffdünger negativ zu Buche. Um den Klimaeffekt von Lebensmitteln zu verdeutlichen, hat Foodwatch ihn mit dem CO2-Ausstoß von Autos verglichen.

So verursacht ein Kilogramm konventionellen Weizens so viel CO2 wie eine 3,4 Kilometer lange Autofahrt mit einem BMW 118d. Beim Bio-Weizen hingegen sind es nur 1,5 Kilometer. 10 Liter Milch, die für die Herstellung von einem Kilogramm Käse nötig wären, entsprechen 71 Kilometern (konventionell) oder 66 Kilometern (ökologisch).

Käufer von Bio-Produkten können sich deshalb aber noch lange nicht entspannt zurücklehnen. Denn: Ein Kilogramm Öko-Rindfleisch aus Ochsenmast produziert so viel CO2 wie eine BMW-Fahrt von 113 Kilometern - beim konventionellen Rind wären es nur 69 Kilometer. Beim Rindfleisch von Milchkühen und beim Schweinefleisch schneidet wiederum die Öko-Haltung besser ab.

Mit unserem Fleischkonsum essen wir das Klima auf

Unabhängig von bio oder konventionell: Die Tierhaltung inklusive der für sie angebauten Futtermittel ist laut Foodwatch in der deutschen Landwirtschaft der größte Verursacher von Treibhausgasen - nämlich zu 71 Prozent. Besonders klimaschädlich ist die Rinderhaltung. Die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln ist - ohne Futtermittel - für 29 Prozent verantwortlich.

Wir müssen unseren Speiseplan umstellen, rät auch Alexander Hissting, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. Mehr heimisches Obst und Gemüse und weniger Fleisch und Milchprodukte. Das hilft nicht nur dem Klima, sondern schützt auch die Urwälder in Südamerika, die durch den massiven Anbau von Soja als Futtermittel in Gefahr sind.

Foodwatch rechnet vor: Die Allesesser würden pro Jahr durch den Verzehr landwirtschaftlicher Produkte so viel CO2 verursachen wie eine 4.758 Kilometer lange Autofahrt. Der Öko-Allesesser kommt mit 4.377 Kilometern auch nicht viel besser weg. Würde man auf Fleisch, nicht aber auf Milchprodukte verzichten, kämen 2.427 Kilometer (konventionell) oder 1.978 (ökologisch) zustande. Eine Ernährung ohne Fleisch und Milchprodukte kommt auf 629 (konventionell) oder 281 (ökologisch).

Zwar könnte eine komplette Umstellung auf ökologische Landwirtschaft die Emissionen um 15 bis 20 Prozent reduzieren. Das würde aber nicht ausreichen, um die langfristigen Klimaziele - nämlich eine Reduzierung um 60 bis 80 Prozent bis 2050 zu erreichen. Zudem würde bei gleichbleibendem Fleischverzehr die in Europa zur Verfügung stehende Fläche nicht ausreichen. Um die Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft zu verringern, müsse - so Foodwatch - die Produktion von Fleisch und Milch um 70 Prozent verringert werden.

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