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Klimazeuginnen in Jänschwalde

Trinkwassermangel in Südafrika, Dürre in Nigeria und Meeresspiegelanstieg in Papua-Neuguinea - am Freitag bekommt der Klimawandel mehr als ein Gesicht: Drei Klimazeuginnen protestieren vor dem Kohlekraftwerk Jänschwalde. Sie fordern vom Betreiber Vattenfall, die Planung neuer Braunkohletagebaue zu stoppen, statt dem Klimawandel weiter einzuheizen.

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Die Frauen halten Warnschilder hoch, die symbolisch die sichtbaren Folgen des Klimawandels in ihrer Heimat abbilden. Denn fern von Europa ist der Klimawandel heute schon bittere Realität. Gemeinsam mit ihnen demonstrieren Aktivisten von Greenpeace und Oxfam sowie Menschen aus der Lausitz, deren Wohnort durch den Tagebau bedroht ist.

In meiner Heimat Südafrika vertrocknen durch die weltweite Erwärmung die Felder. Heute bin ich an einem der Orte, an denen der Klimawandel vorangetrieben wird. Konzerne wie Vattenfall tragen mit ihrer Energiepolitik eine Mitschuld, sagt Zukiswa Millicent Nomwa, Sprecherin der Environment Monitoring Group in Südafrika.

Die drei Frauen engagieren sich seit Jahren für den Umwelt- und Klimaschutz in ihren Heimatländern. Gemeinsam mit Hauwa Uma-Mustaphar aus Nigeria und Serafhina Gigira Aupong aus Papua-Neuguinea besucht Zukiswa Millicent Nomwa im Vorfeld der Weltklimakonferenz (Durban/Südafrika) Deutschland, um über die sichtbaren Folgen des Klimawandels zu berichten. Und um mit Vattenfall persönlich ins Gespräch zu kommen. Vertreter von Vattenfall wurden für ein Vor-Ort-Gespräch mit den drei Frauen angefragt.

V wie Vattenfall = V wie verantwortungslos

Verantwortung in Sachen Klimaschutz scheint der Konzern nicht übernehmen zu wollen. Stattdessen ignoriert der Vattenfall beständig die beschlossene deutsche Energiewende. Das Kohlekraftwerk Jänschwalde ist der drittgrößte CO2-Produzent Europas. Einer von vielen Klimakillern Vattenfalls: Allein in der Lausitz betreibt der Konzern fünf Tagebaue und drei Kohlekraftwerke.

Braunkohle setzt bei der Verbrennung etwa dreimal so viel klimaschädliches CO2 frei wie Erdgas. Dennoch plant der schwedische Energieriese fünf weitere Braunkohletagebaue, die über Jahrzehnte zur Klimaerwärmung beitragen werden - und gefährdet damit Menschenschicksale weltweit.

Es kann nicht sein, dass vor allem arme Menschen in Entwicklungsländern unter Wetterextremen oder Dürren leiden, obwohl diese Länder kaum zum Klimawandel beitragen, sagt Jan Urhahn, Klima-Campaigner bei Oxfam. Auch in Deutschland müssten bei einer Ausweitung des Braunkohletagebaus in der Lausitz mehr als 3.000 Menschen ihre Dörfer verlassen.

Ohne Rücksicht auf Verluste stellt der schwedische Energiekonzern Vattenfall hier in der Lausitz seine Profitgier über das Wohl von Mensch und Umwelt. Wie sonst ist es zu erklären, dass Vattenfall noch immer an der Braunkohle, dem klimaschädlichsten aller Energieträger, festhält?, fragt sich Greenpeace-Energieexpertin Anike Peters.

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