Greenpeace-Umfrage zur Verhaltensänderung nach Corona

Startklar für die Zeitenwende

Von Corona gelernt: Die meisten Deutschen wären bereit, auch zum Schutz des Klimas ihre Lebensgewohnheiten umzustellen. Das ergab eine aktuelle Greenpeace-Umfrage.

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Die Coronakrise verlangt den Menschen enorm viel ab. Überall auf der Welt erkranken Menschen oder verlieren Freunde oder Familienmitglieder an das Virus. Etliche Berufstätige machen sich Sorgen um die Zukunft – oder mussten bereits heftige wirtschaftliche Einbußen hinnehmen. Die deutlichen gesellschaftlichen Einschränkungen, denen wir derzeit alle unterliegen, werden hingegen von den allermeisten als notwendig erachtet und entsprechend beherzigt – auch wenn sie gelegentlich schmerzen: keine Flugreisen, geringere Einkaufsmöglichkeiten, die Kolleg*innen nur in Videokonferenzen sehen.

Doch die Herausforderungen der Zukunft bestehen nicht bloß darin, die Zahl der an Covid-19 Erkrankten gering zu halten. Um die Erderhitzung zu stoppen, muss nahezu jeder Mensch sein Verhalten ändern – in vergleichbarer Weise, wie es derzeit geschieht. Die gute Nachricht: Die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist dazu bereit. Das geht aus einer Kantar/Emnid-Umfrage im Auftrag von Greenpeace hervor: 72 Prozent der Befragten würden für das Abwenden der Klimakrise ähnlich konsequente Maßnahmen hinnehmen wie derzeit zur Bewältigung der Coronakrise. Unter den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 89 Prozent. 

#keingeldfürgestern

Gut die Hälfte der Befragten vermisst zwar das Reisen, zwei Drittel das Ausgehen. Aufs Fliegen können allerdings 81 Prozent verzichten; 88 Prozent begrüßen, dass der Autoverkehr zurückgegangen ist. “Die Coronakrise hat in kürzester Zeit die Einstellung einer Mehrheit der Deutschen verändert,” sagt Kirsten Brodde von Greenpeace Deutschland. Ein Signal auch für die Bundesregierung: “Die Politik hat damit Spielräume für mutige Entscheidungen.”

Die sind auch notwendig, um das bei der Pariser Klimakonferenz festgelegte 1,5-Grad-Ziel zu unterschreiten: Um diese Größe darf sich die durchschnittliche Temperatur weltweit im Vergleich zum vorindustriellen Niveau maximal erhöhen, ansonsten drohen unumkehrbare, schwerwiegende Klimafolgen, zumeist für die schutzlosesten Länder der Erde – die mitunter am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben. Darum muss Deutschland seine Verantwortung wahrnehmen und seine Wirtschaftshilfen in der Coronakrise zwingend nach klimafreundlichen Kriterien verteilen. Im Klartext: Kein Geld für gestern. Nicht für Kohle, nicht für Verbrennungsmotoren, nicht für eine Landwirtschaft, die der Umwelt schadet.

Eine Regenbogenbrücke im Vogtland

Greenpeace-Aktivist*innen verliehen heute an einem ikonischen Bauwerk ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Welt nach Corona tatsächlich besser und lebenswerter sein kann. Auf die 78 Meter hohe Göltzschtalbrücke im sächsischen Vogtlandkreis projizierten sie einen riesigen Regenbogen, inklusive Schriftzug “Bereit für den Wandel!” Der Ort hat Symbolkraft: Als erste statisch berechnete Brücke der Welt gilt das 1851 fertiggestellte Viadukt selbst als Symbol für eine Zeitenwende.

Ein kleinere Version der Wettererscheinung geht dann ab Samstag auf Tour durch Deutschland: Vom 30. Mai bis Anfang Juli bringen Greenpeace-Ehrenamtliche in insgesamt 31 Städten in Erfahrung, was die Menschen sich nach Corona wünschen. Besucherinnen und Besucher können ihre ganz persönlichen Zukunftsvisionen an einem drei Meter großen Regenbogen hinterlassen.

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