Verkehrswende: Wie Fahrräder von Corona profitieren können

Zwei Räder gegen ein Virus

Bus und Bahn sind oft leer zur Zeit. Sie sind die Verlierer des neuen Corona-Verkehrs. Das Fahrrad kann zum großen Gewinner werden – wenn Städte jetzt schnell reagieren.

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Die Unsicherheit hat eine Dauerkarte gelöst. Das Gefühl fährt heute in jedem Bus in jedem Bahnabteil mit. Kommt mir wer zu nahe? Hat da etwa jemand genießt? Jetzt bloß nicht ins Gesicht fassen. Fragen, die aus dem Herzstück der Verkehrswende einen Problemfall machen. Damit unter dem Autoverkehr ächzenden Städte wieder aufatmen können, sollen eigentlich immer mehr Menschen öffentliche Verkehrsmittel nutzen. So zumindest bis vor ein paar Monaten der Plan fortschrittlicher Stadtplaner. Danach sieht es gerade nicht aus. Etwa drei Viertel weniger Menschen stiegen in den vergangenen Wochen in Bus und Bahn.

Fahrrad fördern: Jetzt!

Wenn die Wirtschaft nun wieder öffnet lautet die große Frage: Wieviel dieser Menschen fahren dann statt mit den Öffentlichen wieder mit dem Auto – und wie viele mit dem Rad? Bei dieser Entscheidung können die Städte viel mithelfen.

Bei kurzen Wegen von wenigen Kilometern, und das sind sehr viele in der Stadt, ist das Rad nicht zu schlagen. Dass die Zahl der Radfahrenden in vielen Städten trotzdem nur langsam steigt, liegt an der Infrastruktur. Reale aber auch gefühlte Unsicherheit hält die meisten Menschen davon ab, öfter das Rad zu nutzen. Je schneller Städte diese Unsicherheit abbauen, desto mehr Menschen werden sich für das Rad entscheiden, und so den Verkehr entlasten, die Luft bessern und das Klima schützen. Was sie dafür brauchen ist: mehr Platz.

Extra Fahrradspuren in Berlin

In Berlin hat man die Herausforderung angenommen. Während der Pandemie-bedingten Verkehrsflaute der vergangenen Wochen hat die Stadt Autospuren zu Fahrradstreifen umgewidmet. Pop-up-Bikelanes nennt sich das auf Neudeutsch: geht schnell, kostet wenig, hilft viel. Und sollte Schule machen.

Auf einer Karte haben wir die bisherigen Projekte verzeichnet. In Deutschland sind das noch ernüchternd wenige. Dabei kommt in vielen Großstädten in anderen Ländern einiges in Bewegung. Paris‘ Bürgermeisterin hat schon lange vor der Pandemie Straßen entlang der Seine für Autos gesperrt und für Menschen geöffnet, Madrid hat gerade nachgezogen, zur Freude von JoggerInnen und Fußgängern. Brüssel setzt das Tempo für Autos in der Innenstadt auf 20 kmh runter, gibt Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, Vorrang. Wenn sich deutsche Städte ein Beispiel nehmen, kommt die Verkehrswende gestärkt aus der Pandemie.

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