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Um wen oder was geht es Heinrich von Pierer?

Heinrich von Pierer, gerade zum Wirtschaftsberater der CDU/CSU ernannt, ist angemessen ins neue Amt eingestiegen. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens hat sich am Mittwoch für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken ausgesprochen. Ein klarer Fall von Konzernpolitik: Die Siemenstochter KWU hat alle deutschen Atomkraftwerke gebaut. Von Pierer spricht sich außerdem für eine Überprüfung der Gentechnikgesetze aus. Roland Hipp, Kampagnengeschäftsführer von Greenpeace, kommentiert die Äußerungen:

Kaum ist er angetreten, hat der neue Berater der Union gleich einen Fehlstart hingelegt und sich mehrfach gegen die Wählermeinung gestellt. Mit seiner Forderung, deutsche Atomkraftwerke bis zu 60 Jahre laufen zu lassen, widerspricht von Pierer der Mehrheit der Deutschen, die keine Atomkraft wollen. Offensichtlich ist es dem Aufsichtsratvorsitzenden von Siemens wichtiger, dass seinem Konzern Milliardengewinne erhalten bleiben. Schließlich würde der von lukrativen Nachrüstungsaufträgen für die Atomkraftwerke profitieren. Zudem orientiert sich von Pierer ausgerechnet an den USA, deren Energiepolitik in vieler Hinsicht völlig rückständig ist.

Hipp erinnert von Pierer auch an den Verbraucherwillen in Sachen Gentechnik: Auch bei der Gentechnik sitzt von Pierer der Illusion einer Zukunftstechnik auf, die doch nur eine teure Fehlinvestition ist. Wenn die CDU das Gesetz ändern will, dann auf Kosten der Umwelt und gegen den Willen der Verbraucher, die mehrheitlich keine Gentechnik auf dem Acker und im Essen wollen. Dabei hatte Frau Merkel gerade erklärt, dass Verbraucher über Gentechnik entscheiden sollen. Offensichtlich sind solche Bekenntnisse der CDU-Vorsitzenden nicht sehr verlässlich. Merkel darf aber nicht auf eine Technik setzen, die den Menschen keine Vorteile bringt.

Publikationen

Chance Atomausstieg (Kurzfassung)

Die vorliegende Studie untersucht die Folgen eines Atomausstiegs innerhalb von fünf Jahren. Im Ausstiegsszenario, das mit einer Trendentwicklung verglichen wird, werden Atomkraftwerke abgeschaltet, sobald sie eine Laufzeit von 20 Jahren erreicht haben oder die Lagermöglichkeiten in den anlageninternen Abklingbecken erschöpft sind.

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Fukushima-Report 2020

Die Strahlungsmessungen in der Region Fukushima aus dem Herbst 2019 zeigen: Unwetter wie der Taifun Hagibis führen zum Auftreten neuer radioaktiver Hotspots. Auch in den Gebieten, in denen im Sommer 2020 die Olympiade stattfinden soll.

Fukushima-Report: Kinder und Arbeiter

Kinder und die Dekontaminierungsarbeiter leiden besonders unter der radioaktiven Strahlung in Fukushima. Sie ist auch acht Jahre nach dem Atomunfall in Japan noch viel zu hoch.

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Auf Nimmerwiedersehen

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Katastrophe ohne Verfallsdatum

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Brennende Sorge

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