Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Teurer Atomstrom

Die britischen Steuerzahler werden in den nächsten zehn Jahren für die Atommüllentsorgung zusätzlich zur Kasse gebeten. Die Zahlungen von ungefähr 200 bis 300 Millionen Euro jährlich sind nötig, damit der in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Atomstromlieferant British Energy (BE) am privatisierten Markt nicht Pleite geht. Während einerseits die öffentliche Hand die über 8 Milliarden Euro teuren Entsorgungskosten übernimmt, hat die Regierung zugleich ein Staatsdarlehen für die angeschlagene BE über rund eine Milliarde Euro bis zum 9. März 03 verlängert. London muss nun versuchen, den Deal Kreditgebern schmackhaft zu machen, sonst droht BE doch noch die Insolvenz.

BE war in diesem Sommer in Schwierigkeiten geraten, als die Großhandelspreise für Strom unter die Produktionskosten gefallen waren. Deshalb macht die Opposition die Regierung für das BE-Debakel verantwortlich. Schließlich habe sie den Strommarkt geöffnet und so für sinkende Preise gesorgt. Zusätzlich habe Downingstreet verhindert, dass BE vorteilhaftere Verträge mit der staatlichen Wiederaufarbeitungs-Firma BNFL aushandeln konnte.

Greenpeace sieht in dem Deal neue Gefahren. Die Regierungsentscheidung kommt zu einem Zeitpunkt, wo der Strommarkt in Überproduktion ertrinkt, moniert die Greenpeace-Energieexpertin Emma Gibson. Sie hat negative Auswirkungen auf die Entwicklung von sauberen erneuerbaren Energiequellen wie Offshore-Windenergie. Damit könnte unser Strombedarf mehr als gedeckt werden und es entstünden tausende neue Arbeitsplätze. (mir)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fukushima-Report: Kinder und Arbeiter

Kinder und die Dekontaminierungsarbeiter leiden besonders unter der radioaktiven Strahlung in Fukushima. Sie ist auch acht Jahre nach dem Atomunfall in Japan noch viel zu hoch.

Mehr zum Thema

Abschaffen statt Modernisieren

Der kalte Krieg ist vorbei, doch in Deutschland sind immer noch 20 US-Atombomben stationiert. Im Kriegsfall würden Deutsche sie fliegen. Das Arsenal soll nun modernisiert werden.

Wahnsinn bewiesen

Die Region um das AKW Fukushima ist immer noch hoch verstrahlt, allen Säuberungsaktionen zum Trotz, so der aktuelle Greenpeace-Bericht. Im Fokus: das Leid der Aufräumarbeiter.

Katastrophaler Wasserschaden

Der GAU von Fukushima ist längst nicht im Griff. Gewaltige Mengen kontaminierten Wassers aus der Anlage könnten in den Pazifik fließen – eine Geschichte menschlichen Versagens.