Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Protest gegen Pannenreaktor Paks

Greenpeace-Aktivisten aus Österreich und Ungarn haben am Montag vor dem AKW Paks in Ungarn gegen die Vorfälle um den Pannenreaktor protestiert. Stop Paks Experiments (Stoppt die Experimente in Paks) forderten sie auf einem großen Transparent. Die Betriebsdauer der Paks-Reaktoren soll um zehn Jahre verlängert werden, obwohl es dort in den letzten Wochen zu gefährlichen Störfällen gekommen ist.

Am 10. April war in Block 2 des Atomkraftwerks eine bedrohliche Situation entstanden, als Kernbrennelemente in einem Spezialtank gereinigt werden sollten. Statt wie üblich sieben wurden 30 Brennelemente in den Tank getaucht und schwer beschädigt. Beim Öffnen des Tankdeckels traten radioaktive Gase aus. Im rund 100 Kilometer entfernten Budapest maßen zwei Universitäten unabhängig voneinander um 17 bzw. 26 Prozent höhere Radioaktivitätswerte als normal. Die leckgeschlagenen Brennelemente hatten in Paks Ratlosigkeit ausgelöst. Experten aus verschiedenen Ländern waren zu Hilfe gerufen worden. Noch scheint nicht klar zu sein, wie die defekten Brennstäbe geborgen werden können.

Erneute Schwierigkeiten traten auf, als am 3. Mai in demselben Tank radioaktives Jod mit einer Chemikalie gebunden und so aus dem Reinigungswasser entfernt werden sollte. Die Öffentlichkeit wurde erst Tage später über den neuerlichen Zwischenfall informiert. Die Informationspolitik der Kraftwerksbetreiber und der ungarischen Behörden hatte bereits im April zu Verstimmungen geführt. Österreich warf Ungarn vor, nicht über die Tragweite des Störfalls informiert worden sein. Greenpeace fordert den Rücktritt des Kraftwerksleiters István Kocsis und die Einsetzung einer unabhängigen europäischen Expertenkommission, um den Unfallhergang lückenlos aufzuklären. (sit)

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Mehr zum Thema

Gefährliche Mythen

Mit bewussten Fehleinschätzungen wird der Plan gerechtfertigt, Millionen Liter radioaktives Wasser aus Fukushima ins Meer abzulassen. Greenpeace entkräftet diese Halbwahrheiten.

Der ewige Denkzettel

Die Katastrophe ist nicht vorbei: Auch zehn Jahre nach dem Atomunfall in Fukushima leiden japanische Bürger:innen unter den Folgen – während die Regierung Normalität vorgaukelt.

Nichts gelernt

Hat die Nuklearkatastrophe von Fukushima zu mehr Sicherheit in europäischen Atomkraftwerken geführt? Offenbar nicht: Ein aktueller Greenpeace-Bericht belegt die Versäumnisse.