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Kasachstan will Atommüll importieren

Kasachstan plant ein Gesetz, das den Import und die Lagerung von ausländischem Atommüll erlauben soll. Das Land will mit den Einnahmen die Entsorgung von 220 Millionen Tonnen Atomwaffen aus dem Kalten Krieg bezahlen. Die Kosten der Beseitigung werden auf über eine Milliarde Euro geschätzt - eine Summe, die Kasachstan nicht aufbringen kann. Mit der Einfuhr von mittel- und schwachradioaktivem Abfall will der kasachische Staat in den nächsten 30 Jahren bis zu 40 Milliarden Euro verdienen.

Der strahlende Abfall soll in die alten Uranminen von Aktau am Kaspischen Meer gebracht und dort in flachen Gruben aufbewahrt werden, erklärte ein Sprecher der nationalen Atombetriebe Kazatomprom. Experten bezweifeln, dass dies ein geeigneter Ort ist, um mittelradioaktiven Atommüll zu lagern, der auch hochgiftiges Plutonium enthalten kann. Plutonium besitzt eine Halbwertzeit von 24.000 Jahren. Um sicherzustellen, dass plutoniumhaltiger Atommüll über Jahrtausende nicht in die Umwelt gelangen kann, muss er in anderen Ländern unter viel strengeren Auflagen verwahrt werden.

Die kasachische Regierung spielt mit der Gesundheit ihrer Bevölkerung, wenn sie den Import von Atommüll plant, kommentiert Susanne Ochse, Atom-Expertin bei Greenpeace. Greenpeace fordert von der Bundesregierung, dem möglichen Export von deutschem Atommüll endlich per Gesetz einen Riegel vorzuschieben. Kasachstan kann offensichtlich nicht einmal seine eigenen atomaren Altlasten sichern. Ausländischen Atommüll einem solchen Land aufzubürden, ist unverantwortlich. (abu)

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