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Italien: Atomtransport verzögert

Mehr als 50 Greenpeace-Aktivisten haben in der Nacht von Sonntag auf Montag im italienischen Saluggia einen Atommülltransport aufgehalten. Der Transport war für die britische Wiederaufarbeitungsanlage bei Sellafield bestimmt. Ein Teil der Umweltschützer kettete sich an die Gleise und verzögerte so die Abfahrt um zwei Stunden. Andere entrollten Transparente mit der Aufschrift Nein zu Atommülltransporten.

Wiederaufarbeitung führt zu Umweltverseuchung und zur Produktion weiterer nuklearer Rückstände. Außerdem füttert sie die atomaren Waffenarsenale, erklärte Domitilla Senni, Geschäftsführerin von Greenpeace Italien. Die Irische See bei Sellafield sei bereits hochgradig radioaktiv verseucht. Die Transporte seien zudem äußerst gefährlich. Der Müll müsse darum in den Ländern bleiben, die ihn produziert hätten.

Der Atommüll für Sellafield ist ein Überbleibsel aus früherer Zeit. Italien hat 1990 auf die Nutzung von Atomenergie verzichtet. Der Beschluss wurde gefasst, nachdem die Mehrheit der italienischen Bevölkerung sich im Jahre 1987 unter dem Eindruck der Katastrophe von Tschernobyl gegen Atomkraft ausgesprochen hatte. Die drei laufenden und vier im Bau befindlichen Atomkraftwerke wurden per Gesetz zum Abriss frei gegeben.

Mit Sellafield schloss Italien 1980 einen Vertrag, der die Wiederaufarbeitung von insgesamt 105 Tonnen Urandioxid beinhaltete. Die letzten 53,3 Tonnen des radioaktiven Abfalls sollen jetzt in einer Serie von 13 Transporten nach Großbritannien überführt werden. Der erste fand im April statt, der vierte rollt derzeit durch Frankreich. Die Fracht soll auch 263,4 Kilogramm Plutonium enthalten. (sit)

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