Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Greenpeace-Aktivisten demonstrieren bei Koalitionsverhandlungen

"35 Jahre Lug und Trug sind genug: Gorleben aufgeben!" steht auf dem Banner, das Greenpeace-Aktivistinnen und Aktivisten anlässlich der rot-grünen Koalitionsverhandlungen in Hannover hochhalten. Mit einer Castor-Attrappe fordern sie die Politiker auf, ihre Wahlversprechen zur Endlagerdebatte einzuhalten.

  • /

"Wir erwarten von SPD und Grünen, dass sie Gorleben als Endlager für Atommüll im Koalitionsvertrag ausschließen. Sie müssen das vorliegende Gorleben-Durchdrück-Gesetz stoppen und damit den Weg für eine wirklich ergebnisoffene Endlagersuche freimachen", sagt Mathias Edler, Atomexperte von Greenpeace. Er begleitet die Demonstration in Hannover.

Greenpeace-AktivistInnen haben sich zusammengefunden, um den zukünftigen Regierungsparteien zu zeigen, dass ihre Handlungen aufmerksam beobachtet werden. Edler betont: "Ein rot-grün regiertes Niedersachsen darf einem Endlagerkonsens nur zustimmen, wenn Gorleben aus dem Suchverfahren ausgeschlossen wird. Der Standort ist geologisch mangelhaft, politisch verbrannt und auf Lügen aufgebaut."

Niedersachsen spielt in der Endlagerdebatte eine zentrale Rolle: Ohne seine Zustimmung wird es den von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) angestrebten Endlagerkonsens nicht geben. Dass es auch anders geht und eine verantwortungsvolle Endlagersuche möglich ist, hatte Greenpeace im November 2012 mit einem eigenen Vorschlag gezeigt.

Ökologischer Landbau

Neben der Endlagerdebatte spielt die Landwirtschaft in Niedersachsen als "Agrarland Nr. 1" eine wichtige Rolle. Von der neuen Regierung erwartet Greenpeace eine Offensive für mehr ökologischen Landbau. Derzeit bildet Niedersachsen das Schlusslicht unter den Ländern. "Die Regierung muss den Landwirten Angebote machen, so dass diese leichter vom übergüllten Maisanbau auf eine klima- und umweltfreundliche Produktion umstellen können", sagt Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace.

Dazu zählen unter anderem bessere Tierhaltung, ein Spritzverbot von bienengefährdenden Pestiziden, strengere Regeln für die Düngung mit Gülle und eine Stickstoffabgabe, um die hoch belasteten Gewässer zu schonen. Greenpeace fordert zudem die zukünftige Landesregierung auf, dem Verbund der Gentechnikfreien Regionen Europas beizutreten.

Waldschutz

Niedersachsen ist nicht nur ein Agrarland, sondern besitzt auch 325.000 Hektar Landeswald. Um der ökologischen Tragweite des Waldes gerecht zu werden, fordert Greenpeace die Regierungsparteien auf, im Koalitionsvertrag festzulegen, dass zukünftig 90 Prozent des Bürgerwaldes nach hochwertigen Standards wie zum Beispiel "FSC" bewirtschaftet werden. Die restlichen zehn Prozent sollen vollständig vor Eingriffen des Menschen geschützt werden, um dort Urwälder entstehen zu lassen.

Die ehrenamtlichen Greenpeace-Gruppen aus Niedersachsen haben eine Mitmachaktion: Ihr Wunsch an Rot-Grün! ins Leben gerufen. Darin können Sie Ihre eigenen, oder einen der von uns in dem PDF-Dokument aufgeführten Wünsche der künftigen Landesregierung mitteilen. Einfach das Dokument ausdrucken, einen Wunsch auf das Buchenblatt oder die Landeskarte Niedersachsens schreiben, an der gestrichelten Linie ausschneiden und per Post an einen der Spitzenkandidaten schicken.

Publikationen

Konzept für ein Endlagersuchverfahren

Vorraussetzungen für eine verantwortungsvolle und gesellschaftlich akzeptierte Endlagersuche in Deutschland – Ablauf eines ergebnisoffenen,transparenten und fairen Suchverfahrens

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Mehr zum Thema

Es ist zwei vor Zwölf

Die UN wollen Atomwaffen verbieten, der Vertrag wird gerade ratifiziert. Nur: die Atommächte machen nicht mit. Ein Interview mit Greenpeace-Experte Heinz Smital und Alexander Lurz.

Sicherheit ist gutes Recht

Frankreichs AKW haben ernste Sicherheitsmängel; darauf machten Greenpeace-Aktivisten mit friedlichem Protest aufmerksam. Ein AKW-Betreiber zog vor Gericht – mit mäßigem Erfolg.

Schlechter Gewinner

Frankreichs Präsident Macron wird für seine Vision Europas mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Doch sein Beharren auf Atomkraft verdient keine Würdigung, sagen Greenpeace-Aktivisten.