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Deutsche AKW: Produktiv bis zum Geht-nicht-mehr

Eine euphorische Meldung des Deutschen Atomforums teilt mit, dass Deutschland die erfolgreichsten Atomkraftwerke der Welt betreibe. In Kilowattstunden pro Jahr gemessen stehen demnach sieben der zehn einträglichsten AKW in Deutschland. Das Ergebnis lässt sich auch anders lesen: Es zeigt, dass Sicherheit klein geschrieben wird.

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Der Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital bezeichnet die Meldung des Deutschen Atomforums (DAtF) als irreführend. Gerade an der hohen Stromproduktion erkenne man die mangelnde Sicherheitskultur: Biblis A und B wurden jahrelang mit unzureichenden Dübeln betrieben, Brunsbüttel auch nach der schweren Wasserstoffexplosion im Jahr 2001 erst nach Wochen abgeschaltet.

In Schweden wird wegen der aktuellen Sicherheitsmängel in den Reaktoren Forsmark und Ringhals viel konsequenter gehandelt als hier in Deutschland. Die Devise bei den deutschen Atomkraftwerken lautet: Lieber weiterlaufen lassen als abschalten, lieber hohe Produktivität statt Sicherheit.

Auch über die Zukunft der Atomenergie will das Deutsche Atomforum die Fakten umdrehen. Weltweit wird verstärkt auf die friedliche Nutzung der Kernenergie gesetzt, heißt es in der Pressemeldung der Atomkraft-Lobbyisten. Doch die Anzahl der betriebenen Atomkraftwerke nimmt ab. 2005 waren es noch 444, 2006 sind es nur mehr 437. Auch in der nächsten Zukunft werden mehr Atomkraftwerke stillgelegt werden. Smital: Atomenergie ist eine auslaufende Technik, die von künftigen Generationen als unverantwortlicher Irrweg eingestuft werden wird.

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