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Atommüll als Wachstumstraum

Umweltschützer haben am Montag gegen Pläne protestiert, in Russland eine Sammelstätte für Atommüll aus aller Welt zu errichten. Anlass des Protests war die Billigung dieses Vorhabens durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA). Die endgültige Entscheidung steht noch aus.

In der Europäischen Union gilt Atomenergie weitgehend als Auslaufmodell, von der russischen Regierung wird sie als Wachstumsbranche gefeiert. Der Anteil der Atomkraft an der Energieerzeugung soll im europäischen Russland bis 2020 von zurzeit 42 auf 50 Prozent gesteigert werden.

Die Wachstumswünsche sind nicht auf den Bau von Atomkraftwerken beschränkt. Die Verantwortlichen richten auch begehrliche Blicke auf die weltweit anschwellenden Berge von Atommüll. Die russische Atombehörde Minatom hat bereits die Region Krasnojar als Standort für eine russische Sammel- und Wiederaufarbeitungsstätte ins Auge gefasst.

Es kann sein, dass die Pläne am 27. Juni 2004 einen Schritt vorangekommen sind. An diesem Tag vor fünfzig Jahren ging das erste Atomkraftwerk der Welt ans Netz: der Fünf-Megawatt-Reaktor Obninsk, rund 100 Kilometer südlich von Moskau. Zur Jubiläumsfeier war auch der Generaldirektor der IAEA eingeladen, Mohammed El Baradei.

Dass El Baradei bei dieser Gelegenheit die russischen Pläne unterstützte, ist alarmierend. Thomas Breuer, Greenpeace-Atomexperte: Es ist skandalös, das die IAEA, die für nukleare Sicherheit zuständig ist, mit der russischen Regierung gemeinsame Sache macht und der russischen Bevölkerung den internationalen Atommüll aufzuzwingen versucht.

Russland hat nicht nur in Tschernobyl Erfahrungen mit der Risikotechnologie Atomkraft gemacht. Im Atomkomplex Majak bei Tscheljabinsk hat sich zur Jahreswende 1957/58 ein schwerer Unfall ereignet. Details sind bis heute nicht bekannt. Aber immer noch gibt es dort Sperrzonen, die zu betreten verboten ist. Dass der Gouverneur von Krasnojarsk den gesammelten Risikomüll nicht in seiner Region haben will, ist unter diesen Umständen nicht verwunderlich.

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