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Atomausstieg auf Deutsch: Plutoniumexport

Die Bundesregierung will 1,5 Tonnen hochgiftiges Plutonium nach Frankreich verschieben. Voraussetzung für einen solchen Export: Die Besitzer des Plutoniums, der Stromversorger RWE und das bundeseigene Forschungszentrum Karlsruhe, schließen eigens neue Verträge mit der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ab - oder haben dies bereits getan.

Die haarsträubende Meldung kam am Mittwochvormittag vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter. Das Amt lagert den Atommüll, der sich in so genannter staatlicher Verwahrung befindet, in angemieteten Bunkerräumen auf dem Siemens-Gelände in Hanau: 205 unbestrahlte Brennelemente des RWE-Konzerns, die für den Schnellen Brüter in Kalkar bestimmt waren. Außerdem kleinere Plutoniummengen aus dem Versuchsbrüter des staatlichen Kernforschungszentrums Karlsruhe (FZK). Der Mietvertrag läuft 2005 aus.

Der Plutonium-Anteil ist laut BfS mit bis zu 35 Prozent so hoch, dass er zur Atomwaffenherstellung geeignet ist und deshalb wegen der Gefahr der Entwendung mit höchster Sicherheitsstufe verwahrt werden muss.

Mit der Entscheidung zur Wiederaufarbeitung wird das brisante Strahlenmaterial nicht nur auf die Reise geschickt, sondern auch wieder in den Plutonium-Kreislauf eingeschleust: ein eklatanter Widerspruch zum angeblichen Plan der rot-grünen Regierung, so schnell wie möglich aus der gefährlichen Technik auszusteigen.

Greenpeace-Atomexpertin Susanne Ochse: Rot-Grün ist angetreten, um die verseuchende Wiederaufarbeitung endlich zu beenden - und jetzt werden neue Verträge abgesegnet. Das ist unverantwortlich. Deutschland darf seine Atommüll-Entsorgungsprobleme nicht auf Kosten Frankreichs lösen. Und es ist klar, warum diese Neuigkeit erst nach dem Wahlsonntag verbreitet wird: Das hätte die Grünen letzte Woche massiv Wähler gekostet - nicht nur in Deutschland.

Wiederaufarbeitungsanlagen sind radioaktive Giftschleudern. Probenahmen und Messungen 1997 haben gezeigt, dass das Meer bei La Hague verseucht ist wie nach einem nuklearen Großunfall. Kinder und Jugendliche, die innerhalb von 10 Kilometern um die Anlage herum leben, weisen eine um das Dreifache erhöhte Leukämierate auf.

Anstatt deutsches Plutonium hin- und herzuschieben, muss der Plutoniumkreislauf endlich durchbrochen werden, fordert Susanne Ochse. Das Plutonium muss in Hanau bleiben, als Abfall deklariert und in Deutschland entsorgt werden.

Ein Konzept dafür gibt es: Die rot-grüne Landesregierung in Hamburg hatte in den Neunzigerjahren eine Alternative zur Wiederaufarbeitung und zu Mischoxid-Elementen aus Uran und Plutonium entwickelt. Sie sieht vor, Plutonium in so genannten Lagerstäben zu verarbeiten und anschließend in ein Endlager zu bringen.

Nach dem Debakel um den Export der Hanauer Plutoniumfabrik nach China ist der Plutoniumexport nach Frankreich das zweite Alarmsignal, dass mit der deutschen Atomausstiegspolitik etwas nicht stimmt.

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