Jetzt spenden
Zwei Aktivistinnen, Hambi-bleibt-Banner
Bernd Lauter / Greenpeace

OVG Münster: Der Wald bleibt vorerst

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

RWE darf im Hambacher Wald nicht roden, entschied das Oberverwaltungsgericht Münster in einem Eilbeschluss. Bis zur endgültigen Entscheidung könnte es Jahre dauern.

Einen „Meilenstein für die Anti-Kohle-Bewegung“, nennt Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser das heutige Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster. Die Richter verfügten per Eilbeschluss, dass der Hambacher Wald vorläufig nicht gerodet werden darf. Nach Informationen der Rheinischen Post könnte es bis zur endgültigen Entscheidung Monate, wenn nicht Jahre dauern. Das ist die letzte Wendung in einem langwierigen und komplexen Rechtsstreit, in dem es um den Hauptbetriebsplan von RWE für die Jahre 2018 bis 2020 geht.

Gegen diesen Plan, der Rodungen im Hambacher Wald vorsieht, hatte der BUND im April dieses Jahres geklagt. Denn obwohl der Wald bislang nicht von der EU-Kommission als schützenswert eingestuft ist, gibt es Hinweise, dass er gemäß der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie sehr wohl ein potenzielles Schutzgebiet ist. Das liegt unter anderem an den seltenen Fledermausarten, die im Wald leben – der Bechsteinfledermaus und dem Großen Mausohr. Ob der Hambacher Wald damit als „Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung“ gilt, wie es in der Richtlinie heißt, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Das heißt allerdings im Gegenschluss: RWE darf im Wald keine Tatsachen schaffen und Schäden anrichten, die nicht wiedergutzumachen sind.

Versorgung gefährdet? Gericht sieht keine Hinweise

Hinzu kommt, dass dem Gericht keine Belege vorliegen, „dass die sofortige Rodung zur Abwehr einer schwerwiegenden konkreten Gefahr oder als unaufschiebbare Maßnahme im Interesse des Gemeinwohls notwendig sei, weil anderenfalls die Energieversorgung bundes- oder landesweit nicht mehr gewährleistet wäre“, wie es in einer offiziellen Pressemitteilung heißt. Entsprechende Unterlagen seien RWE und die Bezirksregierung Arnsberg schuldig geblieben.

Das ist nicht überraschend. Für die deutsche Stromversorgung ist die Kohle aus Hambach keineswegs notwendig: Ein aktuelles Energieszenario des Fraunhofer-Instituts im Auftrag von Greenpeace kommt zum Schluss, dass in den Tagebauen Hambach und Garzweiler deutlich weniger Braunkohle abgebaut werden müsste als RWE bislang plant. Der Hambacher Wald muss der deutschen Energieversorgung nicht geopfert werden.

Das Oberverwaltungsgericht in Münster hat daher berechtigte Zweifel an der Darstellung durch RWE und stellte die aufschiebende Wirkung der Klage wieder her. Die Richter überstimmten damit das Verwaltungsgericht in Köln, das einen Eilantrag des BUND zur Aussetzung der Rodungen zuvor abgelehnt hatte. „Seit heute steht RWE endgültig auf der falschen Seite der Geschichte“, fasst Martin Kaiser die Entscheidung zusammen.

Tausende werden zur Demo erwartet

 

Bis zur endgültigen Entscheidung über den Hauptbetriebsplan von RWE ist der Hambacher Wald allerdings nicht gerettet – und der Protest nicht beendet. Auch an diesem Wochenende werden vor Ort viele Tausend Menschen erwartet, die gegen RWEs Kohleabbaupläne demonstrieren. 

Online-Mitmachaktion

https://act.greenpeace.de/klimanotstand

Klimanotstand jetzt!

Klimanotstand jetzt! Bundeskanzler Merz muss uns gegen Hitze, Flut und Dürre schützen: Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, mehr Naturschutz und finanzielle Hilfe für Städte und Kommunen.

Petition unterzeichnen
0%
vom Ziel erreicht
0
haben mitgemacht
0%
Gruppe von Jugendlichen auf historischem Platz schützen sich mit Regenschirmen vor der Sonn

Mehr zum Thema

Floods in Homa Bay County in Kenya

Riesige Klimaschäden durch Superreiche

Ein neuer Greenpeace-Report zeigt: Die größten Klimaschäden der Superreichen entstehen nicht nur durch Privatjets und Luxusvillen, sondern durch Beteiligungen und Finanzanlagen.

mehr erfahren über Riesige Klimaschäden durch Superreiche
Klimaland Bavaria 2040 - Keep the word- Protest Munich

Klimaziel Bayern in Gefahr

Große Klappe, nix dahinter: Söder und Aiwanger wollen nicht mehr, dass Bayern bis 2040 klimaneutral wird, ein entsprechendes Gesetz wird eingebracht. Greenpeace zeigt mit einer neuen Berechnung die Folgen, die dieses Gesetz hätte.

mehr erfahren über Klimaziel Bayern in Gefahr
Ein kleiner Schatten eines Straßenbaums auf versiegeltem Boden

Mehr Raum für Stadtnatur

Verformte Straßenbahngleise, Tropennächte, Unwetter – das sind nur ein paar Folgen des Hitzesommers in Deutschland. Greenpeace zeigt, wie sich Städte besser schützen können.

mehr erfahren über Mehr Raum für Stadtnatur
Messballon zur Beobachtung des Ozonlochs am nördlichen Polarkreis, Juni 1988

Ursache und Wirkung des Ozonlochs

Der 16. September ist Tag zum Schutz der Ozonschicht. Das Ozonloch beschäftigt Wissenschaftler:innen seit Jahrzehnten. Wir erklären, worum es sich dabei handelt und betrachten seinen aktuellen Zustand.

mehr erfahren über Ursache und Wirkung des Ozonlochs
Zwei große Bilder nebeneinander auf einem Lkw: eines düster „Power the apocalypse“, das andere mit Windrad „Power the future“.

Nvidia: Die Klimakosten des KI-Booms

Der US-Konzern Nvidia ist der große Gewinner des KI-Booms. Eine Greenpeace-Analyse zeigt: Der rasante Aufstieg des Chipkonzerns geht mit massiv steigenden Treibhausgasemissionen einher.

mehr erfahren über Nvidia: Die Klimakosten des KI-Booms
Portrait von Roda Verheyen

Roda Verheyen bekommt Umweltpreis

Mit unkonventionellen Klagen kämpft die Rechtsanwältin Roda Verheyen für mehr Klimaschutz auf dem Rechtsweg. Dafür bekommt sie nun den Deutschen Umweltpreis.

mehr erfahren über Roda Verheyen bekommt Umweltpreis