Aus Japan ins Wendland: Taro Yamamoto

Immer mehr Menschen strömen ins Wendland zur Großdemo gegen den Castor - ein paar sind von weither gekommen: aus Japan. Die Auswirkungen der Atomkatastrophe sind Bestandteil ihres Alltags. Einer von ihnen ist der in Japan sehr bekannte Schauspieler Taro Yamamoto. Seit er öffentlich gegen Atomkraft auftritt, bekommt er deutlich weniger Rollenangebote. Im Interview spricht er von seinen persönlichen Erfahrungen.
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Online-Redaktion: Du bist Schauspieler und seit dem Reaktorunglück bekennender Atomkraftgegner. Wie äußerst du deine Meinung?

Taro Yamamoto: Ich unterstütze die Bevölkerung bei ihren Anti-Atom-Protesten und bin bei den Aktionen dabei. Das ist schwierig für jemanden, der im Rampenlicht steht - es ist sehr ungewöhnlich.

Online-Redaktion: Wie ist die Öffentlichkeit damit umgegangen, dass sich ein prominenter Mensch so positioniert?

Taro Yamamoto: Wenn man in der Entertainmentwelt in Japan sagt, dass man gegen Atomkraft ist oder auch Kritik an Stromkonzernen äußert, dann hat man keine Arbeit mehr.

Man ist jedoch nicht nur Schauspieler oder Künstler, man ist auch immer noch Mensch. Und wenn man aufhört, als Mensch zu denken und aufhört, sich Sorgen um sein Menschsein zu machen, dann hat man keine Zukunft. Man muss immer an Morgen denken - und an Übermorgen und wie man als Mensch leben kann. Gerade deshalb sehe ich es als meine Aufgabe an, solche Bürgerbewegungen zu unterstützen, die sich gegen Atomkraft und für sauberen Strom aussprechen.

Online-Redaktion: Hat sich beruflich durch dein Engagement was verändert?

Taro Yamamoto: Die Aufträge sind auf ein Zehntel gesunken. Es ist aber nicht so, dass der Druck von oben ausgeübt wird - er kommt aus der Gesellschaft: Es sind die Fernsehsender, die diesen Druck ausüben.

Online-Redaktion: Wie sehen die Proteste in Japan aus?

Taro Yamamoto: So etwas wie die Bewegung gegen die Castortransporte wäre in Japan undenkbar. Das gibt es einfach nicht, die Leute würden alle verhaftet werden. Es gibt aber schon viele Wege, um in Japan aktiv zu werden: Es gibt Demos, es gibt Mahnwachen, es gibt auch Unterschriftenlisten. Einige Leute rufen auch bei den Politikern an.

Online-Redaktion: Wie groß ist die Protestbewegung in Japan?

Taro Yamamoto: Das ist eine sehr schwierige Frage, weil die Medien sehr viel Rücksicht auf ihre Geldgeber nehmen. Sie verschließen sich sehr vor der Anti-Atom-Bewegung.

Online-Redaktion: Du fährst auch ins Wendland, was weißt du über den Prostest? Wie bewertest du ihn?

Taro Yamamoto: Ich habe mich im Internet auf speziellen Homepages und auf YouTube informiert, deswegen kann ich jetzt nicht sagen, dass ich alles darüber wüsste. Aber ich habe schon den Eindruck gewonnen, dass bei den Demos sehr viel erlaubt ist.

In Japan ist es so: Wenn es eine angemeldete Demo ist, die in drei Reihen durchgeführt werden muss und es entsteht irgendwo eine vierte, dann werden die Leute schon verhaftet und die Demo wird abgeblasen. Dass jetzt in Gorleben solche Blockaden stattfinden und auch durchgeführt werden dürfen, das ist schon eine große Sache. Und das vermittelt mir den Eindruck, dass die Bevölkerung sehr intensiv für ihre Überzeugung eintritt. Und das ist ein sehr gutes Gefühl.

Online-Redaktion: Du wirst in Dannenberg sein, was machst du dort?

Taro Yamamoto: Ich möchte mit den Leuten vor Ort sprechen und mir einen Eindruck verschaffen, wie so etwas abläuft.

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