Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Gorleben: Nicht ganz dicht, Frau Merkel!

Rund 50 Greenpeacerinnen und Greenpeacer haben sich am Dienstagmorgen beim Salzstock Gorleben zu einem Sit-in zusammengefunden: Auf den Zufahrten zum Gelände protestierten sie gegen Pläne der CDU, nach einem Regierungswechsel den undichten Salzstock zum Atommüll-Endlager zu machen. Banner und Handschilder erinnerten daran, dass der Standort ungeeignet ist: "Gorleben: Nicht ganz dicht, Frau Merkel!"

Volle Kraft zurück ins Atomzeitalter! könnte der Slogan der CDU/CSU lauten, wenn es um Atomenergie geht. Sowohl in ihr Wahlprogramm als auch in ihr Energie-Positionspapier hat die Union hineingeschrieben, dass sie den Salzstock Gorleben wieder auf seine Eignung prüfen, aber keine alternativen Standorte für den hoch strahlenden Abfall untersuchen will. Auf den Bürgerwillen scheint es nicht anzukommen.

Dabei hat eine neue Emnid-Umfrage im Auftrag von Greenpeace ergeben, dass 58 Prozent der Menschen in Deutschland die Endlagerung von hoch radioaktivem Müll in Gorleben ablehnen. Unter den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 73 Prozent. Eindeutige Zahlen, von denen sich Thomas Breuer, Atomexperte bei Greenpeace, positiv überrascht zeigt: Sie zeigen, dass trotz jahrelanger und teils gezielter Fehlinformation seitens CDU und Atomlobby in der Bevölkerung angekommen ist, dass Gorleben als Endlager nicht geeignet ist, sagt er.

Greenpeace fordert, Gorleben als Endlagerstandort aufzugeben. Der Salzstock ist seit Anbeginn stark umstritten. Ausgewählt wurde er 1977 von der niedersächsischen CDU-Regierung wegen seiner Nähe zur damaligen DDR-Grenze. Wissenschaftliche Gründe lagen nicht vor. Probebohrungen von 1979 bis 1981 unter Leitung des Kieler Geologen Klaus Duphorn ergaben schon damals, dass der Salzstock ungeeignet ist.

Spätere Untersuchungen bestätigten diesen Befund: Auf einer Fläche von 7,5 Quadratkilometern fehlt das erforderliche wasserdichte Deckgebirge. In dieser so genannten Gorlebener Rinne liegen Geröll und Grundwasser direkt auf dem Salz. Damit besteht die Gefahr, dass aus dem Atommüll gelöste Radionuklide in das Grundwasser gelangen und dieses verseuchen. Trotzdem wurde der Salzstock für die Erkundung so ausgebaut, dass er als Endlager verwendet werden könnte. Die Atomkonzerne E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW halten an dem unsicheren Standort fest. Das Gleiche gilt offensichtlich für die CDU.

Die CDU täuscht die Öffentlichkeit. Wenn sie wieder Zeit und Geld in Gorleben investiert, will sie das Gelände als Endlager zementieren, sagt Breuer. Offensichtlich will sich Merkel entschlossen zeigen. Aber einen undichten Salzstock durch Atommüll zu einer Gefahr für die Menschen in der Region zu machen, ist ein falscher Entschluss. Undicht bleibt undicht, da gibt es nichts mehr zu erkunden.

Publikationen

Gorleben: kein Endlager!

Der Salzstock in Gorleben ist durchlöchert - er ist dennoch als Endlager für hochradioaktiven Müll vorgesehen. Wird dort Atommüll vergraben, ist die Trinkwasserversorgung aufs Spiel gesetzt.
Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Absage an die Atommüll-Kommission

Greenpeace hat gemeinsam mit der Anti-Atom-Organisation ‚Ausgestrahlt‘ und der 'Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg‘ die Teilnahme an der Anhörung der Atommüllkommission am 3. November 2014 in einem Brief abgesagt.

Mehr zum Thema

Rückkehr ins Ungewisse

Japans Versuche, die Region um das AKW Fukushima von Strahlung zu säubern, sind gescheitert, das zeigt ein Greenpeace-Report. Trotzdem sollen die Evakuierten zurück in ihre Häuser.

Der Wahnsinn in Tüten

Atommüll, der sich im Wald stapelt, Atomtransporte auf den Straßen – das Leben rund um Fukushima ist nicht normal. Jetzt reagiert sogar die UN und verlangt von Japan Aufklärung.

Ein klares Jein

An potenziellen Atommüll-Endlagern darf (fast) nicht gebohrt, gegraben, gehämmert werden, so ein neues Gesetz. Nur Gorleben bleibt eine Ausnahme – eine Greenpeace-Klage scheiterte.