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"Klarheit im Textil-Dschungel"

Welche Textil-Labels garantieren wirklich giftfreie Kleidung? Der Greenpeace-Textilratgeber klärt auf – und ist jetzt in einer Neuauflage erhältlich.

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Zwei Kennzeichnungen verbieten gefährliche Chemie bereits in der Produktion: Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN Best) und das Global Organic Textile Standard (GOTS). Sie hatten bereits bei der letzten Untersuchung im Rahmen der Detox-Kampagne am besten abgeschnitten.

Verbesserte Standards

Inzwischen haben weitere Siegel aufgrund der Greenpeace-Arbeit nachgezogen und ihre Standards verbessert. Bluesign etwa, das nun immerhin eine Liste kritischer Substanzen veröffentlicht. Da diese jedoch nicht konsequent geführt wird, ist auf die Bluesign-Kennzeichnung nur eingeschränkt Verlass.

Auch das Siegel Öko-Tex hat einen neuen Standard entwickelt: Made in Green. Er ist deutlich anspruchsvoller als das bisherige Label Öko-Tex 100 – mit ihm wurde sogar giftig produzierte Kleidung aus Billigdiscountern gekennzeichnet.

Greenpeace hat erst kürzlich nachgewiesen, wie viel schädliche Chemie in Discounter-Mode steckt. „Aus einer Flut von Siegeln halten nur wenige hohen Ansprüchen stand“, sagt Kirsten Brodde, Chemie-Expertin von Greenpeace. „Alle Labels müssen grüne Mode nicht nur antäuschen, sondern wirklich garantieren“.

Wer produziert wirklich fair?

Die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sind mittlerweile zu einem der Kernthemen in der Branche geworden. Der Textilratgeber informiert über die fünf wichtigsten Initiativen, die sich für Standards bei den Produzenten engagieren: Die „Fair Wear Foundation“ etwa, die sich unter anderem für das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit, für Arbeitsschutz und die Rechte von Arbeitnehmern einsetzt.

Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller will sich für bessere Bedingungen stark machen und ein weiteres Siegel auf den Markt bringen. Sein im Oktober gegründetes „Textilbündnis“ entwickelte den sogenannten „Grünen Knopf“ für ökologisch und fair produzierte Textilien. Die Mitgliedschaft im Bündnis soll jedoch freiwillig sein. „Minister Müller sollte die Unternehmen per Gesetz auf eine saubere Textilherstellung verpflichten“, sagt Brodde. „Wir brauchen einen strengen, gesetzlich geschützten Standard für grüne Mode – wie beim EU Bio-Siegel für Lebensmittel. Nur das würde wirklich Klarheit im Textil-Dschungel bringen“, so Brodde.

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