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Swimming in Chemikals - Greenpeace Studie zur Schadstoffbelastung von Aalen

Untersuchungen von Greenpeace aus den Jahren 2005 und 2006 belegen, dass Aale europaweit stark mit Chemikalien belastet sind. Die giftige Fracht wird auch in Alltagsgegenständen in großen Mengen eingesetzt. Aale stehen am Ende der Nahrungskette und reichern dadurch besonders viele Schadstoffe in ihrem Fettgewebe an. Angesichts der besorgniserregenden Befunde fordert Greenpeace, dass in der neuen EU-Chemikaliengesetzgebung REACH der Ersatz von gefährlichen Chemikalien durch sichere Alternativen vorgeschrieben wird.
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Aale – schlängelnde Chemiedepots

Greenpeace hat im Jahr 2005 europaweit Aale aus 20 Flüssen und 10 Seen auf Industriechemikalien, wie bromierte Flammschutzmittel und Polychlorierte Biphenyle (PCBs) untersucht. In jeder Aalprobe wurde mindestens ein Flammschutzmittel nachgewiesen. Besonders belastet waren Fische aus Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Deutschland. Vor allem Aale aus den Flüssen Rhein und Main enthielten hohe Schadstoffgehalte.

Flammschutzmittel werden in Textilien, Kunststoffen, Computern, Fernsehern, Kabeln oder auch in Stoffspielzeugen eingesetzt, um sie schwer entflammbar zu machen. Die nachgewiesenen Stoffe stehen im Verdacht, bei Kindern Lernschwierigkeiten und Verhaltensstörungen zu führen sowie das Nervensystem und die Schilddrüse zu schädigen.

Perfluorierte Tenside in Elb- und Main-Aalen

Im Jahr 2006 hat Greenpeace die Untersuchungen erweitert und perfluorierte Tenside (PFTs) unter die Lupe genommen. Auch dieses Mal ein alarmierendes Ergebnis: alle Aale europaweit sind stark belastet. In Deutschland sind Aale aus Elbe und Main besonders betroffen.

Synthetisch hergestellte PFTs werden wegen ihrer schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften hauptsächlich in der Textilindustrie und für Lebensmittelverpackungen, Teflonpfannen, Polstermöbeln, Teppichen sowie Feuerlöschmitteln eingesetzt. Im Körper lagern sich PFTs im Blut und im Organgewebe ab. In der Natur können sie nicht abgebaut werden. Sie gelten als reproduktionstoxisch und krebserregend. Einen Grenzwert gibt es bisher nicht.

Das Chemikalienrecht REACH

Ursache für die Anreicherung vieler schwer abbaubarer Chemikalien in der Umwelt sind die laxen Vorschriften für die Chemieindustrie. Das geplante, neue EU-Chemikalienrecht will diesen Misstand eindämmen und verlangt die Bereitstellung von Informationen. Erstmals soll die Chemieindustrie selbst die Unbedenklichkeit eines Großteils ihrer Chemikalien nachweisen. Doch das Gesetz ist noch nicht verabschiedet. Der Entwurf wurde unter dem Druck der Chemie-Lobby schon verwässert. Doch Reach ist eine einmalige Gelegenheit, die in Europa nicht leichtfertig vergeben werden darf.

Lesen sie weiter in unseren Zusammenfassungen der Studien und machen Sie mit! Unterschreiben Sie online und fordern Sie Ihren EU-Abgeordneten auf, für ein starkes Chemiegesetz zu stimmen.

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