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Studie widerlegt Industrie-Propaganda

Das treibt uns in den Ruin! - mit diesem Horrorszenario haben sich bislang viele Unternehmen der chemischen Industrie gegen die neue EU-Richtlinie zu Chemikalien (REACH) gesperrt. Doch nun kommt eine von der Industrie selbst in Auftrag gegebene Studie zu dem Schluss: REACH verursacht zwar Mehrkosten - diese sind aber zumutbar.

Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Die ständige Klage der Industrie über horrende Kosten durch REACH war und ist Propaganda, stellt Greenpeace-Sprecher Stefan Krug klar. Unternehmen und Verbraucher werden durch REACH keine hohen Kosten zu befürchten haben.

Die Studie untersucht die Auswirkungen von REACH auf Hersteller von Autos, Papier, elektronischen Geräten und Verpackungen. Das Gutachten wird am Mittwoch dem EU-Industriekommissar Günter Verheugen und seinem Kollegen für Umwelt, Stavros Dimas, in Brüssel überreicht werden.

Krug fordert die chemische Industrie auf, Studien auch dann zu akzeptieren, wenn sie nicht das gewünschte Ergebnis brächten. An die Politik gerichtet sagt er: Für Kanzler Schröder und Wirtschaftsminister Clement sollte diese Studie Anlass sein, ihre einseitige Haltung zu überdenken und die Aussagen der Chemieindustrie künftig kritischer zu prüfen. Die Bundesregierung darf nicht versuchen, REACH in Brüssel auf Drängen der Chemiebranche weiter abzuschwächen, die Verordnung wurde ohnehin schon stark verwässert.

Heute wurde einmal mehr klar, dass der Schutz der Verbraucher und der Umwelt vor ungeprüften und gefährlichen Chemikalien nicht nur überfällig, sondern auch ohne gravierende Mehrkosten machbar ist, sagt Krug.

Es geht auch ohne gefährliche Chemie

Bereits am Dienstagabend veranstaltete Greenpeace eine Vorführung für Europa-Abgeordnete und -Ratsmitglieder in Brüssel. Unter dem Motto Substitute with Style (Stilvoll Ersetzen) zeigten Firmen aus den Bereichen Mode, Sport, Elektronik und Möbel sowie Kosmetik und Körperpflege, dass es auch ohne gefährliche Chemie geht.

Mit Fernsehern und Handys, die ohne bromierte Brandverlangsamer hergestellt wurden oder bunt-bedruckten Kinder-T-Shirts, in denen keine Phthalate mehr stecken, sollten die EU-Politiker für die Notwendigkeit sensibilisiert werden, dass gefährliche Chemikalien durch ungefährlichere ersetzt werden müssen.

In Zukunft sollte das Richtschnur für alle innovativen und kreativen Unternehmen in Europa werden. Denn ein Passus, der den Firmen auferlegt, ungefährlichere Alternativen zu benutzen, gehört ins Zentrum jeder Regelung für Chemikalien.

Die EU-Chemikalien-Verordnung REACH (= Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien) soll fehlende Daten über Zehntausende von Chemikalien liefern, die in Umlauf sind, aber nie ausreichend auf ihre Gefährlichkeit für die Gesundheit der Verbraucher und der Umwelt geprüft wurden. Derzeit beraten die Ausschüsse des Europa-Parlaments über den Entwurf der EU-Kommission.

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