MS Beluga II auf Mikroplastiktour

Auf Spurensuche

Mit einer 24-Stunden-Messung geht Greenpeace der Mikroplastikbelastung im Rhein auf den Grund: Höhepunkt einer erkenntnisreichen Flusstour mit prominenter Unterstützung.

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Wo das Greenpeace-Aktionsschiff Beluga II anlegt, lädt die Besatzung normalerweise ein: Interessierte schauen sich dann eine Ausstellung im Schiffsbauch an, lassen sich etwas über die Greenpeace-Arbeit zu erzählen oder betrachten sich den Klipper einfach mal genauer über und unter Deck. All das geht dieses Jahr nicht. Dabei würde sich die derzeitige Plastiktour über den Rhein für ein besonderes Open-Boat anbieten. “Wir könnten mit Besucherinnen und Besuchern an Deck Proben nehmen, ein paar Stufen runtergehen und sie im Labor gemeinsam unterm Mikroskop untersuchen”, sagt Greenpeace-Sprecherin Daniela Herrmann, die auf der Tour dabei ist. “Denn wir finden immer etwas, leider”, fügt sie dazu.

Gerade ist die 24-Stunden-Messung bei Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf zu Ende gegangen. Dabei hat die Beluga-Besatzung mit Hilfe zweier Schlauchboote Spezialnetze in Position gebracht: vor und hinter Punkten, an denen die Forscher*innen an Bord nach Voruntersuchungen größere Mikroplastikeinträge vermuten. Das ist eine gewaltige Datenmenge, die in den kommenden Wochen untersucht wird. Und die Untersuchungen gehen noch weiter: Die kommenden zwei Tage nutzt die Besatzung um Wasserproben aus größerer Tiefe und Sedimentproben zu nehmen, damit sich ein klareres Bild ergibt, welche Wege Mikroplastik im Wasser nimmt.

Negativrekord in Dormagen

Auch wenn die Auswertung Zeit braucht, konnte die Crew der Beluga bereits Gebiete eingrenzen, die besonders belastet scheinen. Eine verstärkte Konzentration an Mikroplastikpartikeln entdeckten die Umweltschützenden rund um Industriegebiete zwischen Duisburg und Koblenz. Den Negativrekord hält dabei Dormagen. Hochgerechnet finden sich dort rund 2000 Mikroplastikkügelchen, sogenannte Beads, in 1000 Kubikmeter Rheinwasser. Beads, auf deutsch “Perlen”, sind sozusagen Mikroplastik ab Werk und kein zerkleinerter Plastikmüll. Sie werden etwa in der Verpackungsindustrie weiterverarbeitet.

Eine unbequeme Vermutung konnten die Forscher*innen an Bord außerdem belegen: Nach Regenfällen steigt die Mikroplastikbelastung in Flüssen. “Wir gehen davon aus, dass viele Mikroplastikteile in Form von Granulaten durch Regen und Wind vom Ufer aus in die Flüsse gelangen”, sagt Manfred Santen, Greenpeace-Experte für Chemie, der die Tour ebenfalls begleitet. Anhand zweier Messungen in Köln ließ sich das beobachten.

Mit Bo aufm Boot

Ganz ohne Besuch lief die Beluga-Flusstour dann allerdings doch nicht ab, Ehrenamtliche von Zero Waste Köln schauten sich die Arbeit an Bord an, HipHop-Star Das Bo durfte selbst einmal das Netz auswerfen und mit Mundschutz unter Deck – und hat prompt selber Plastikpellets unterm Mikroskop gefunden.

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