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Giftmüll geklaut

Um die Verbrennung von Giftmüll zu verhindern, drangen am Sonntag 20 Greenpeacer im Westen Sydneys auf ein Industriegelände ein und stahlen 58 Fässer mit chemisch belastetem Boden. Auf dem Gelände sollen demnächst Wohnungen entstehen und die Baugesellschaft Meriton hat mit Zustimmung der australischen Regierung den schnellen Weg der Beseitigung gewählt: Verbrennung. Dabei wird jedoch ein Großteil des Gifts als Dioxin freigesetzt.

Müllverbrennung ist eine der größten Quellen für Dioxin, und Dioxin ist eine der giftigsten Chemikalien, die Menschen hergestellt haben, sagt Jason Collins von Greenpeace Australien. Wenn wir den Dreck hier lassen, wird er von Meriton verbrannt und Dioxin wird freigesetzt. Meriton hat damit den schnellen und schmutzigen Weg gewählt, um ihre Appartmentblocks schneller hochziehen zu können. Das ist gar nicht notwendig, weil eine sicherere Entsorgungstechnik existiert, die mit geschlossenen Kreisläufen arbeitet und die auf einem benachbarten Gelände zum Einsatz kommt.

In den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war das Gelände Teil einer Union Carbide Fabrikationsanlage für das Entlaubungsmittel Agent Orange. Die Abfälle der Produktion entsorgte das Unternehmen durch Versickern. Das Gift blieb im Boden, als die australische Regierung das verseuchte Gelände später übernahm. Bereits 1997 hatte Greenpeace den nur provisorisch verpackten Giftmüll neu verpackt, da die verwendeten Fässer durchzurosten begannen.

Diesmal brachten die Greenpeacer in Vollschutzanzüge die Fässer bis auf das Nachbargelände. Dieses, früher ebenfalls Teil der Produktionsstätte von Union Carbide, wird zurzeit mit Regierungsgeldern aufwändig saniert - ohne Verbrennung. Die ist in Australien gar nicht zulässig: Im Mai diesen Jahres hat Australien die Stockholm-Konvention über schwer abbaubare organische Schadstoffe ratifiziert, die die Verbrennung von Giftmüll ausdrücklich untersagt.

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