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Ausgemustert: Wie Elektroschrott die Ärmsten vergiftet

Vor zweieinhalb Monaten hat Greenpeace die Studie Poisoning the Poor - Electronic Waste in Ghana veröffentlicht. In seiner Ausgabe vom 22. Oktober berichtet nun auch der Tagesspiegel über den Handel mit Elektroschrott in Afrika. Der Zeitpunkt ist gut gewählt: Am Dienstag begann in München die Computermesse Systems. Diesjähriges Trendthema ist Green IT - umwelt- und ressourcenschonende Computertechnik.

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Als Secondhand-Ware deklariert, landen jedes Jahr Millionen von Tonnen Elekroschrott aus Europa in Entwicklungsländern. Allein in Deutschland werden jedes Jahr 750.000 Tonnen Altgeräte ausgemustert, so der Tagesspiegel. Weil eine ordnungsgemäße Entsorgung teuer ist, wird aber weniger als ein Drittel den Gesetzen entsprechend beseitigt, schätzt das Bundesamt für Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Stattdessen werden defekte Computer, Handys und Fernsehgeräte einfach als Secondhand-Ware gelabelt und zum Beispiel nach Ghana verfrachtet. Der Export von gefährlichem Elekroschrott ist nämlich per EU-Gesetzgebung verboten - nicht aber die Ausfuhr von wiederverwertbarer Secondhand-Ware.

Greenpeace hatte in diesem Jahr zwei zugängliche Schrottplätze in Ghana untersucht, einen davon in der Hauptstadt Accra. Wie sich herausstellte, wahre Giftmülldeponien. Erd- und Sedimentsproben ergaben eine teuflische Mischung aus Blei, Kadmium, chlorierten Dioxinen und anderen hochgiftigen Chemikalien. Ähnliche Giftmischungen hatte Greenpeace bereits zuvor auf Plätzen in China und Indien nachgewiesen.

Besonders zu leiden haben unter diesen illegalen Handelspraktiken, wie zu oft, die Ärmsten der Armen. Häufig sind es Kinder, die die kaputten Geräte auf den Deponien auseinandernehmen, um Kupfer und Aluminium freizugraben. Wertstoffe, mit denen sie, bei Glück, vielleicht ein bis zwei US-Dollar täglich machen. Teuer verdientes Geld, denn die freigesetzten Gifte auf den Deponien machen die Menschen krank.

Greenpeace fodert seit Jahren, dass die Elekrobranche giftige Substanzen aus der Produktion verbannt und Verantwortung von der Produktion bis zum Recycling übernimmt. Altgeräte müssen kostenlos zurückgenommen und Recyclingprogramme entwickelt werden, damit die ausgedienten Geräte nicht die Ärmsten der Welt vergiften.

Eine Haltung, die von immer mehr verantwortungsbewussten Verbrauchern offensichtlich geteilt wird. Ökologisch angelegte Computertechnik treffe den Nerv der Zeit, meinte Klaus Dittrich, Geschäftsführer der Messe München GmbH laut dpa-Meldung. In den Anwendungsbereichen von "Green IT" geht es in diesem Jahr auf der Messe auch um das Thema Recycling von Hardware-Komponenten und um energieeffiziente Notebooks. Die Messeveranstalter erwarten bis Freitag, den 24. Oktober rund 40.000 Besucher.

(Autorin: Simone Wiepking)

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