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Schweden rudert zurück ins Atomzeitalter

In einer sehr knappen Entscheidung hat das schwedische Parlament den Bau von neuen Atomkraftwerken genehmigt. 174 Abgeordnete stimmten für die Gesetzesvorlage, 172 dagegen. Diese Entscheidung ist ein großer Fehler, sagt Ludvig Tillman, Energie Experte von Greenpeace Schweden. Sie wirft das Land weit zurück. Massive Kosten, das Risiko eines Nuklear-Unfalls und Atommüll, der noch nicht entsorgt werden kann, erwarten uns.

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Wir haben die Abstimmung verloren. Die schwedischen Greenpeace-Aktivisten sind enttäuscht. Sie konnten mit ihren Aktionen nicht verhindern, dass Schweden einen sehr mutigen Schritt revidiert. Nach einer Volksabstimmung 1980 hatte der Reichstag den Ausstieg aus der Atomkraft und damit jeden Neubau von Atomkraftwerken verboten. Dieses Verbot gilt seit gestern nicht mehr. Wird nun einer der zehn Reaktoren in den Kraftwerken Forsmark, Oskarshamn und Ringhals stillgelegt, darf ein neuer gebaut werden. Vattenfall, E.on und Fortum, ein finnischer Betreiber von Atomanlagen in Schweden, zeigen sich über das Ergebnis der Abstimmung erfreut. Die Mehrheit der Bevölkerung wollte Umfragen zu Folge am Atomausstieg festhalten.

Es ist mehr nötig als eine Abstimmung im Parlament, um ein Atomkraftwerk zu bauen, sagt Ludvig Tillman. In den Ländern, in denen neue Reaktoren gebaut werden ist zu sehen, dass die Anlagen extrem teuer sind und es im Bau zu großen Verzögerungen kommt. Schuld sind technische Probleme und Inkompetenz der Atomindustrie. Es ist noch nicht zu spät für Schweden wieder Vernunft anzunehmen. Greenpeace wird sich weiter jedem Schritt hin zu neuen Atomkraftwerken entgegenstellen.

Im September wird das schwedische Parlament neu gewählt. Sollte es einen Regierungswechsel geben will Mona Sahlin, sozialdemokratische Oppositionschefin, den Beschluss für neue Atomanlagen wieder aufheben.

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