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Röttgen kann im Wendland keinen Boden gutmachen

Mit Buhrufen und Pfiffen wurde Bundesumweltminister Norbert Röttgen heute im Kreistag von Lüchow-Dannenberg begrüßt. Auch vor dem Gebäude protestierten hunderte Gegner des geplanten Atommüll-Endlagers Gorleben. Röttgen nahm Stellung zum umstrittenen Endlagerprojekt und versprach eine ergebnisoffene Prüfung.

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Während im Salzstock Gorleben die Erkundungsarbeiten im Gange sind, sucht Norbert Röttgen den Dialog mit den kritischen Wendländern. Die halten naturgemäß nicht viel von dem Gesprächsangebot. Allzu lange haben die Verantwortlichen alle wissenschaftlichen Bedenken gegen den Salzstock als Endlager ignoriert. Im oberirdischen Zwischenlager Gorleben wurden seit 1995 bereits 105 Castorbehälter angeliefert.

Auch Greenpeace ist an diesem Tag wieder vor Ort. Auf der Elbe bei Hitzacker liegt die Beluga vor Anker, an ihren Masten hängt ein Banner: Atomminister Röttgen, raus aus Gorleben. Unter den rund 700 Zuhörern der öffentlichen Sitzung im Kreistag befindet sich Atomexperte Mathias Edler.

Bundesumweltminister Röttgen spricht von Sicherheit, Verantwortung und Transparenz. Wenn er es ernst meint, muss die Konsequenz jetzt sein, alle Entscheidungen der letzten 50 Jahre zur Endlagerung radioaktiver Abfälle auf den Prüfstand zu stellen, sagt Edler. Und zwar vom Wirtsgestein bis zum Verzicht auf alternative Standorterkundung, von der Rückholbarkeit bis zur tiefengeologischen Endlagerung.

Voraussetzung dafür ist die Aufgabe des geologisch ungeeigneten Standortes Gorleben. Den Salzstock weiter zu erkunden, ist müßig. Schon 1977, als er zum Standort benannt wurde, wussten die Verantwortlichen von Gasvorkommen und geologischen Mängeln. Je mehr Defizite hervortraten, desto weiter wurden die Sicherheitsstandards gesenkt.

Für einen scheinheiligen Dialog mit dem Ziel, den Salzstock wie damals die Asse doch noch zum Endlager zu machen, steht Greenpeace nicht zur Verfügung, so Mathias Edler. Greenpeace hat zusammen mit der Rechtshilfe Gorleben, Anwohnern und Grundbesitzern am 19. Oktober 2010 Klage gegen den Weiterbau eingereicht. Die ausführliche Klageschrift und ein Eilantrag auf Baustopp gingen dem Verwaltungsgericht Lüneburg in der vergangenen Woche zu.

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