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Aktion in Venedig

Mit 100 Sonnenschirmen gegen neues AKW

Das Meer aus Sonnenschirmen am Lido di Venezia nimmt heute eine besondere Form an: 30 Greenpeace-Aktivisten aus Italien und Österreich haben 100 gelbe Schirme zu einem Anti-Atomkraft-Zeichen angeordnet. 2.000 Quadratmeter ist es groß. Sie protestieren damit gegen die vier neuen Atomkraftwerke, die Ministerpräsident Berlusconi in Italien bauen lassen will. Eines soll an der oberen Adria stehen - so dass im Urlaubsparadies bei Venedig bald nicht mehr nur die Sonne strahlt.

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Die Region Venetien muss aktiv gegen diese Atompläne vorgehen, denn Berlusconi kann nicht einfach gegen den Willen der Bevölkerung ein Kernkraftwerk neben Italiens beliebteste Urlaubsstrände bauen lassen, fordert Niklas Schinerl, Atomexperte von Greenpeace Österreich. Nach der Katastrophe von Tschernobyl hatte sich Italien 1987 in einer Volksabstimmung gegen den Bau neuer Atomkraftwerke entschieden. Berlusconi setzt sich nun über die Entscheidung der Bevölkerung hinweg und will in Chioggia, südlich von Venedig, einen neuen Reaktor bauen lassen. Alle Standorte die für die neuen Atomkraftwerke in Frage kämen, sind auf einer Karte von den Grünen (Italien) markiert. Breite Teile der Bevölkerung sind dagegen. Eine atomkraftfreie Zone fordern die Umweltaktivisten auch in ihrer Petition, die sie im Rahmen ihres Protestes an den Gouverneur von Venetien, Luca Zaia, übergaben.

Eines der neuen Atomkraftwerke würde nur 160 Kilometer weit entfernt von der österreichischen Grenze stehen. Deshalb fordert Greenpeace Österreich die Vorsitzenden der Landtage seit mehreren Wochen dazu auf, Druck auf ihre italienischen Amtskollegen auszuüben. Die heimischen Politiker befinden sich aber leider nach wie vor im atompolitischen Dornröschenschlaf, sagt Schinerl. Aktiv werden sie wohl erst, wenn es wieder einmal zu spät ist. Die in Italien geplanten Atomkraftwerke können nur jetzt verhindert werden.

Berlusconi will die Reaktoren nach der EPR-Technologie (European Pressurized Reactor) bauen lassen. Diese Technologie ist weltweit noch nirgendwo ans Netz gegangen. Denn der Prototyp, der gerade in Finnland und Frankreich gebaut wird, macht Probleme: Informationen über Sicherheitsmängel, Verzögerungen und massive Überschreitungen der Baukosten sind an die Öffentlichkeit gelangt.

Die Kernkraft stellt eine Gefahr für die gesamte italienische Halbinsel dar, insbesondere für Norditalien und das Po-Delta, sagt Alessandro Gianni, Kampagnendirektor von Greenpeace Italien. Außerdem werden Erneuerbare Energie und eine bessere Effizienz bereits 2020 einen dreimal größeren Beitrag zur Stromgewinnung leisten, als die aktuellen Atompläne. Italien braucht keine Atomkraft. Sie ist höchst riskant und teuer und hält uns im Kampf gegen den Klimawandel nur auf, sagt Gianni.

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