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Greenpeace fordert Baustopp für EPR in Finnland

Im finnischen Olkiluoto wird seit 2005 der Prototyp des neuen Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) gebaut. Doch bis heute hat Hersteller Areva kein überzeugendes Konzept für elementare elektronische Sicherheitssysteme vorgelegt. Das geht aus einem Schreiben der finnischen Atombehörde vom Dezember 2008 hervor, das jetzt an die Öffentlichkeit gelangte. Greenpeace fordert eine sofortige Rücknahme der Baugenehmigung.

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In dem durchgesickerten Schreiben mahnt die finnische Atombehörde (STUK) ein Konzept an, das den fundamentalen Prinzipien nuklearer Sicherheit gerecht werde. Den Vertretern des französischen Atomkonzerns fehle es an der richtigen Einstellung oder an professionellem Know-how. Dadurch blieben Probleme ungelöst, Fehler würden nicht korrigiert.

Der alarmierende Mangel an Kompetenz steht in besonderem Kontrast zu dem Bild, das der Atomstromkonzern öffentlich zu vermitteln versucht - von der Atomkraft allgemein und seinem Prestigeprojekt EPR insbesondere. Der neue Reaktortyp wird als besonders sicher gepriesen. Die französische Regierung bewirbt ihn in aller Welt.

Wir haben schon 2005 Alarm geschlagen, sagt dagegen Lauri Myllyvirta vom finnischen Greenpeace-Büro. Die geplante Konstruktion des französischen Prototypen war unzulänglich, die Erfüllung von Sicherheitsvorgaben nicht gewährleistet. Areva hat die Naivität der finnischen Behörden ausgenutzt und in jeder Bauphase hier gekappt und dort gekürzt.

Der Bau in Olkiluoto bereitet Probleme, seit er gestartet wurde. Nach vier Jahren Bauzeit liegt er um drei Jahre hinter der Planung zurück. Die Kosten sind um 50 Prozent gestiegen. Und immer wieder tauchen ernste Probleme auf, die die Fertigstellung weiter verzögern.

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