Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Castorbehälter - die sind nicht ganz dicht!

Der Castor hat Dannenberg erreicht. Grund für unsere Greenpeace-Experten, die Neutronenstrahlung am Castortransport zu messen. Das Ergebnis: 600-fach höhere Strahlung.

  • /

Zum Vergleich hatte Greenpeace schon wenige Stunden zuvor am gleichen Ort die Hintergrundstrahlung durch Neutronen gemessen. Die jetzt nachgewiesene Neutronenstrahlung beträgt 4,5 Mikrosievert pro Stunde. Dabei stehen die Greenpeace-Experten nicht in direkter Nähe der Behälter, sondern 14 Meter entfernt.

Die Strahlung liegt zwar vermutlich innerhalb der Grenzwerte, trotzdem ist sie zu hoch. In direkter Nähe der Behälter würde die zulässige Jahresdosis an Radioaktivität innerhalb weniger Stunden erreicht.

Unsere Messungen zeigen, dass der Castor die Strahlung nur unzureichend abschirmt. Das muss jedem klar sein, so Riedl Die Belastung des Begleitpersonals, der Anwohner und der Demonstranten ist hoch. Trotzdem wird nicht dafür gesorgt, dass Atommüllbehälter weniger Strahlung abgeben. Bei dem diesjährigen Transport kommt erneut der Castorbehälter HAW 28M zum Einsatz. Trotz massiver Abschirmung entweicht dem Behälter Radioaktivität.

Jeder einzelne dieser elf Behälter enthält viermal soviel Radioaktivität, wie bislang bei der Reaktorkatastrophe in Fukushima freigesetzt wurde.

Einlagerung der Castoren unverantwortlich: Zwischenlager Gorleben nicht terrorsicher

Das niedersächsische Umweltministerium hat vor sechs Tagen in einem Schreiben an Greenpeace bestätigt, dass das Zwischenlager Gorleben unzureichend gegen Terrorangriffe gesichert ist. Es benötige dringend bauliche Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz. Diese wurden bislang noch nicht umgesetzt. Ein Anschlag auf das Lager könnte nach Aussage des Umweltministeriums große Mengen an Radioaktivität freisetzen.

Hochradioaktiven Atommüll in eine Halle zu transportieren, die einem Terrorangriff nicht standhält, ist unverantwortlich, sagt Tobias Riedl, Atomexperte bei Greenpeace. 44 Mal Fukushima rollt nun nach Gorleben. Ein unkalkulierbares Risiko für die Bevölkerung.

Der offizielle Grenzwert für Atommüllbehälter wird in einem Abstand von zwei Metern angegeben. Da Greenpeace nur in einem Abstand von 14 Metern messen durfte, sind die Werte nur indirekt vergleichbar.

Gleichwohl steht fest: Dieser Castor-Transport ist illegal.

(Autorin: Viktoria Thumann)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Absage an die Atommüll-Kommission

Greenpeace hat gemeinsam mit der Anti-Atom-Organisation ‚Ausgestrahlt‘ und der 'Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg‘ die Teilnahme an der Anhörung der Atommüllkommission am 3. November 2014 in einem Brief abgesagt.

Mehr zum Thema

Rückkehr ins Ungewisse

Japans Versuche, die Region um das AKW Fukushima von Strahlung zu säubern, sind gescheitert, das zeigt ein Greenpeace-Report. Trotzdem sollen die Evakuierten zurück in ihre Häuser.

Der Wahnsinn in Tüten

Atommüll, der sich im Wald stapelt, Atomtransporte auf den Straßen – das Leben rund um Fukushima ist nicht normal. Jetzt reagiert sogar die UN und verlangt von Japan Aufklärung.

Ein klares Jein

An potenziellen Atommüll-Endlagern darf (fast) nicht gebohrt, gegraben, gehämmert werden, so ein neues Gesetz. Nur Gorleben bleibt eine Ausnahme – eine Greenpeace-Klage scheiterte.