Lebensräume schützen

Vielfalt - Basis des Lebens

Greenpeace kämpft weltweit für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. Deren Bewahrung ist die beste Voraussetzung für den Schutz von Tieren und Pflanzen.

Biodiversität und Artenvielfalt

Arten verschwinden heute 100- bis 1.000-mal schneller vom Planeten als die langfristige Aussterberate nahelegen würde. Verantwortlich ist der Mensch.

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Die Entwicklung menschlicher Gesellschaften geht mit der Zerstörung und Fragmentierung von Lebensräumen einher, mit Verschmutzung, Übernutzung, Verbreitung von invasiven Arten und raschen Klimaveränderungen. Dabei ist nicht nur die Artenvielfalt gefährdet, sondern die Biodiversität. Beides wird oft gleichgesetzt, doch hinter dem Begriff Biodiversität verbirgt sich viel mehr: die Vielfalt der Ökosysteme, die Artenvielfalt und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Hört sich kompliziert an? Ist es auch!

Biodiversität wird auch biologische Vielfalt genannt. Sie bezeichnet die Variabilität aller lebenden Organismen und die biologischen Wechselbeziehungen zwischen ihnen und ihrer natürlichen Umwelt. Die Natur hat sich über Jahrmillionen, über diese Wechselwirkungen, zu dem entwickelt, was sie heute ist.

Forscher vergleichen das Artensterben unserer Zeit mit den fünf großen Massensterben der vergangenen 500 Millionen Jahre, nur sind heute  keine Meteoriten oder gigantischen Vulkanausbrüche verantwortlich. Und das Sterben vollzieht sich nicht in Jahrmillionen, sondern innerhalb von Jahrzehnten.

Warum brauchen wir biologische Vielfalt?

Es gibt zahlreiche Gründe, Biodiversität zu erhalten und zu bewahren - ökologische, ökonomische, soziale und auch ethische. Der offensichtlichste ist, dass die biologische Vielfalt die Grundlage für das Leben auf der Erde und für die sogenannten "Dienstleistungen der Ökosysteme" ist. Das heißt, zerstören wir sie, dann sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen.

Beispielsweise regulieren Wälder das Klima, sie speichern Kohlendioxid und produzieren den Sauerstoff, den wir atmen, sie filtern und speichern Wasser (und schützen so beispielsweise vor Erosion und Hochwasser). Weltweit sind außerdem etwa eine Milliarde Menschen unmittelbar vom Wald abhängig. In tropischen Regenwäldern leben ungefähr 300 Millionen Menschen, hiervon gehören circa 50 Millionen zu den indigenen Völkern. Diese leben in enger Verbindung mit dem Wald. Der Wald liefert nicht nur ihre komplette wirtschaftliche Lebensgrundlage, sondern auch ihre kulturelle Identität.

Andere "Dienstleister" sind die Bienen. Sie bestäuben unsere Obstbäume und andere Blütenpflanzen. Ein Großteil der Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen, hängt maßgeblich von Insektenbestäubung ab. Nicht besonders charismatisch, aber trotzdem wichtig sind die Mikroorganismen, die unsere Abfälle zersetzen und deren Mineralien in den Kreislauf zurückführen. Sie reinigen unsere Gewässer und sind in Böden und Äckern unverzichtbar.

Ungefähr drei Viertel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Die Arten, die Lebensräume und die Abläufe dort sind sowohl mit dem Wasser als auch mit der Luft und dem Land verbunden. Durch den Klimawandel nimmt das Phytoplankton um circa ein Prozent pro Jahr ab. Dies kann katastrophale Folgen für die Nahrungskette nach sich ziehen.

Das Phytoplankton sind winzig kleine Organismen, die zum Teil zu den Pflanzen gehören. Diese bilden als sogenannte Primärproduzenten mit Hilfe der Photosynthese aus Kohlendioxid und Nährstoffen Biomasse - und dabei entsteht Sauerstoff. Phytoplankton wird gefressen vom Zooplankton und vielen Tieren, die am Boden der Binnengewässer und Meere leben. Eine der direktesten Nahrungsketten ist: Phytoplankton wird von Zooplankton wie dem Krill gefressen und der Krill dann beispielsweise von den Walen.

Wie lange geht es gut?

Niemand weiß, ob die Ökosysteme ihre Dienstleistungen auch dann noch erbringen können, wenn 30 bis 50 Prozent der Arten ausgestorben sind oder ab wann die Systeme in ihrer Leistungsfähigkeit spürbar eingeschränkt werden; niemand weiß auch, welche unbekannten Heilmittel oder sonst nutzbaren Chemikalien in wenig untersuchten oder gar unbekannten Arten noch stecken mögen. Wenn wir Ökosysteme oder ihre Bestandteile (Arten, Populationen, genetische Vielfalt) vernichten, verändern wir auch ihre Fähigkeiten, diese Dienstleistungen zu erbringen. Das ist, als würden wir Teile aus einem Auto ausbauen, deren Bedeutung wir nicht kennen. Alle Ebenen der Biodiversität spielen dabei eine Rolle.

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Häufig gestellte Fragen

  • Wie wirken sich Schutzgebiete für Meere aus?

    In Schutzgebieten kann sich allgemein die zerstörte Meeresnatur wieder aufbauen. Vor allem können sich die Fischbestände ungestört vermehren. Wenn die Fischbestände in den Schutzgebieten so groß geworden, dass zahlreiche Fische das Schutzgebiet verlassen, stehen diese der Fischerei wieder zur Verfügung. Schutzgebiete erhöhen so die „Meeresfitness“, die Folgen des Klimawandels werden durch ein entsprechend robustes Ökosystem besser verkraftet.

  • Welchen Einfluss haben Schutzgebiete auf Wale und andere Meeressäuger?

    Schutzgebiete gewährleisten eine kontinuierliche Nahrungsquelle für alle Meeressäugetiere und bieten vielen Tieren ein Rückzugsgebiet. Hierdurch kann das natürliche Gleichgewicht der Meere wieder hergestellt werden und die größten Tiere der Erde würden hierdurch geschützt.

  • Welches Ziel verfolgt Greenpeace beim Waldschutz?

    Die von industrieller Nutzung noch völlig verschonten Gebiete z.B. in Amazonien und im Kongobecken sind besonders wertvoll als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und für den Klimaschutz. Greenpeace setzt sich deshalb dafür ein, dass die Waldzerstörung weltweit bis 2020 gestoppt wird, in den Regenwäldern Indonesiens und Brasiliens bis 2015.

  • Was macht Pestizide so gefährlich?

    Pestizide vernichten auch die natürlichen Feinde von Schadinsekten und bringen so das Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Rückstände von Insektenvernichtungsmitteln oder Anti-Pilzmitteln schaden auch der menschlichen Gesundheit. Viele Insektenvernichtungsmittel wirken als Nervengifte auf den Menschen.

  • Forderungen

    • Schutzgebiete auf 40 Prozent der Ozeane
    • Stopp der Urwaldzerstörung bis 2020 weltweit
    • Schutz von 10 % der öffentlichen Wälder in Deutschland als „Urwälder von morgen“
    • Verbot gefährlicher Pestizide

    Veröffentlichungen zu diesem Thema

    Report: Unequal Impact

    Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

    Einkaufsratgeber Fisch

    Die Meere und ihre Fischbestände müssen geschützt werden – und jeder Verbraucher kann dazu beitragen: mit der sorgfältigen Auswahl beim Fischeinkauf. Stammt der Fisch aus nachhaltigem Fang? Ist die Art bedroht? Oder gar schon überfischt?