Jetzt spenden
Aktivisten an Bord der Beluga bei der Wasserprobenentnahme
Andreas Varnhorn / Greenpeace

Greenpeace-Aktivisten finden Mikroplastik in deutschen Flüssen

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Getreu dem Motto „Welle machen“ hat die Beluga II im Sommer einiges bewegt. Auf ihrer Flusstour durch Deutschland klärte die Besatzung des Greenpeace-Aktionsschiffs Besucher über die Gefahren von Plastikmüll auf. Das Beluga-Team nutzte die Reise allerdings auch für die Wissenschaft: Aus Rhein, Main, Donau, Elbe und weiteren Flüssen haben die Greenpeace-Aktivisten insgesamt 53 Wasserproben genommen und untersucht. Das beklemmende Ergebnis: In wirklich jeder Probe finden sich winzige Plastikteilchen.

„Die Verschmutzung mit Mikroplastik ist nicht nur im Meer ein Problem, sondern fängt schon in den Flüssen direkt vor unserer Haustür an“, sagt Sandra Schöttner, Greenpeace-Expertin für Meere. Als Mikroplastik bezeichnet man landläufig Plastikpartikel mit einem Durchmesser geringer als fünf Millimeter. Es entsteht durch den Zerfall von Plastikabfällen wie Kunststofftüten, die über Flüsse ins Meer gespült werden. Es gibt aber auch sogenanntes primäres Mikroplastik: Kunststoff, der etwa zur Verwendung als Schleifmittel von Kosmetikherstellern bereits in mikroskopischer Größe produziert wird.

Plastik landet wieder auf dem Teller

Das Plastik im Kleinstformat wächst sich im Meer zu einem riesigen Umweltschaden aus: An den Partikeln lagern sich Schadstoffe an; Fische und andere Meereslebewesen verschlucken die belasteten Krümel, über die Nahrungskette landet der Abfall in Lebensmitteln. Das Problem ist nicht theoretisch: Mikroplastik wurde bereits in einigen beliebten Speisefischen und Meeresfrüchten nachgewiesen, darunter auch Kabeljau, Makrelen, Garnelen und Muscheln aus der Nord- und Ostsee.  

Bei den Funden der Beluga-Crew handelt es sich überwiegend um Bruchstücke größerer Teile und Folienfetzen: Der Großteil der zwischen 0,3 und 5 Millimeter kleinen Plastikpartikel in den Proben besteht aus Polyethylen und Polypropylen – den gängigsten Kunststoffen für Verpackungen aller Art. Außerdem Styropor, Polyester und weitere Kunststoffe, die zum Beispiel für Elektronikgehäuse und Spielzeug verwendet werden. Auch zylindrische Pellets aus der Kunststoff-Vorproduktion finden sich in den Proben – und Mikrokügelchen aus Kosmetik- und Körperpflegeprodukten.

Ein Ende der Plastikflut ist nicht in Sicht, auf konkrete gesetzliche Lösungen zur Reduzierung des Abfallproblems drängen Umweltschützer schon lange – vor allem, was Mikroplastik aus Kosmetik und Reinigern betrifft. Die Gesundheit der Meere hängt davon ab, dass Verbraucher, Wirtschaft und Politik gemeinsam zu einer Lösung finden. Ein wichtiger, erster Schritt seitens der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wäre das Verbot von  Mikroplastik, das aus Kosmetikprodukten ins Abwasser gelangt – eine Belastung, die absolut verzichtbar ist: Naturkosmetik kommt ohne diese Inhaltsstoffe aus. 

  • Probengläser mit Plastik

    Plastik hinter Glas

    Überspringe die Bildergalerie
  • Studioaufnahme von Mikroplastik aus Wasserproben, die mit dem Manta-Schleppnetz (Maschenweite: 300µm) in verschiedenen deutschen Flüssen an Bord der Beluga II genommen wurden (Zeitraum: April bis Juni 2016).

    Studioaufnahme von Mikroplastik aus Wasserproben, die mit dem Manta-Schleppnetz (Maschenweite: 300µm) in verschiedenen deutschen Flüssen an Bord der Beluga II genommen wurden (Zeitraum: April bis Juni 2016).

    Überspringe die Bildergalerie
  • Beluga II in Köln

    Zu Besuch auf dem Rhein

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie
Fakten zu Plastik in Kosmetik

Fakten zu Plastik in Kosmetik

Anzahl Seiten: 2

Dateigröße: 1.06 MB

Herunterladen
Vogel über Müllberg

Mehr zum Thema

Studioaufnahme: Textilien von Shein auf einem Haufen

Schäm dich, Shein

Schnell, billig, rücksichtslos – das ist das Geschäftsmodell von Fast-Fashion-Konzern Shein. Greenpeace hat zum dritten Mal Produkte ins Labor geschickt – wieder mit beunruhigenden Ergebnissen.

mehr erfahren über Schäm dich, Shein
Vreni mit Sonnenbrille

Vreni Jäckle: Mode ist politisch

Vreni ist Gründungsmitglied der Fashion Changers. Im Interview zeigt sie, wie Mode eng mit Politik, Diskriminierung und Aktivismus verbunden ist.

mehr erfahren über Vreni Jäckle: Mode ist politisch
Phoebe steht vor einer Zimmertür.

Mit Phoebe die Masche der Industrie checken

In einer Welt, in der das nächste Kleidungsstück immer nur einen Klick weit entfernt ist, zeigt Phoebe, wo wir genauer hinschauen können – auf Verarbeitung, Materialien und die Versprechen der Marken.

mehr erfahren über Mit Phoebe die Masche der Industrie checken
Larissa fotografiert sich im Spiegel

Mit Larissa den eigenen Style finden

Larissa aka larytales zeigt auf Social Media, wie sie Slow Fashion mit dem ultimativen Organisations-Tool der Fashion-Welt lebt: der Capsule Wardrobe. Wie das klappt, verrät sie im Interview.

mehr erfahren über Mit Larissa den eigenen Style finden
Discokugel und Konfetti

Silvester ohne Umweltverschmutzung: 6 nachhaltige Tipps

Die Silvesterfeier ist ein guter Moment, um alte, unschöne Gewohnheiten hinter sich zu lassen und nachhaltiger ins neue Jahr zu starten.

mehr erfahren über Silvester ohne Umweltverschmutzung: 6 nachhaltige Tipps
Nach oben gereckte Arme hinter einem rosa Kleiderhaufen

Umfrage: Kaufverhalten bei Kleidung

Fünf Milliarden Kleidungsstücke – doch ein Drittel bleibt ungetragen. Eine Greenpeace-Umfrage zeigt: Kleidung wird immer schneller aussortiert.

mehr erfahren über Umfrage: Kaufverhalten bei Kleidung