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Auch auf der Laderampe stehen Aktivisten und Aktivistinnen mit Klimakiller-Handbannern
Chris Grodotzki / Greenpeace

Protest gegen klimaschädliche SUVs an Verladeterminal in Bremerhaven

Greenpeace-Aktivistinnen protestieren an einem Transportschiff gegen den Import von SUVs. Denn diese gefährden Menschen und Klima – so das Ergebnis einer Greenpeace-Recherche.

Manche nennen sie „Stadtpanzer“, für manche sind es schlicht „Monster-Autos“. Eine exakte Definition von SUVs gibt es allerdings nicht. Die Abkürzung steht für „Sport Utility Vehicle“. Darunter versteht man Fahrzeuge, die in ihrem Aufbau und ihren Ausmaßen einem Geländewagen ähnlich sehen, aber nicht unbedingt für das Fahren jenseits der Straße geeignet sind. Abgesehen davon, haben die beiden Fahrzeugtypen vieles gemeinsam, das zeigt das aktuelle Recherchepapier "Ein dickes Problem" von Greenpeace: Sie heizen die Klimakrise an und gefährden andere Verkehrsteilnehmende. Fast alle der Autos kommen über das Verladeterminal in Bremerhaven nach Deutschland.

Klimakiller an Bord

Tausende der spritfressenden Geländewagen und SUVs befinden sich regelmäßig an Bord der großen Transportschiffe, die in Bremerhaven anlegen. BMW und Mercedes lassen die Autos aus Fabriken in den USA über den Atlantik nach Europa verschiffen. Hat ein Schiff an der Kaimauer festgemacht, werden die Autos über die gigantische Heckklappe an Land gefahren. Heute ist es anders – heute protestieren 35 Greenpeace-Aktivistinnen und Aktivisten an einem Transportschiff, das mehrere 100 weitere BMW-Sportgeländewagen nach Deutschland liefert: An der Schiffswand haben sie ein Banner mit dem Slogan „Klimakiller an Bord“ angebracht. Auch auf der Laderampe protestieren sie mit „Klimakiller“-Handbannern vor den auszuladenden Autos. Das Schiff liegt unmittelbar neben einem zweiten, das mehr als 2000 SUVs von BMW und Mercedes anliefert. 

„Die Klimakrise ist unübersehbar", sagt Benjamin Stephan, Greenpeace-Experte für Mobilität. "Es ist völlig unverantwortlich, heute noch SUVs herzustellen und zu fahren. Die deutschen Hersteller müssen weg von übermotorisierten Klimakillern und viel stärker auf leichte E-Autos und Mobilitätsdienstleistungen setzen.“

Die Zahl der SUVs steigt rasant. In diesem Jahr werden in Deutschland erstmals mehr als eine Million Stadtgeländewagen zugelassen, schätzt das Duisburger CAR Institut. Damit wäre etwa jeder dritte Neuwagen ein SUV. Auch auf der kommende Woche öffnenden Automesse IAA in Frankfurt stellen die Hersteller zahlreiche SUV vor. Die 2018 neuzugelassenen SUVs und Geländewagen stoßen durchschnittlich 14 Gramm oder elf Prozent mehr CO2 pro gefahrenen Kilometer aus, als der Durchschnitt aller anderen Pkw-Klassen. „Das widerlegt die Klimaschutzbeteuerungen der deutschen Autokonzerne und verhindert die dringend notwendigen Emissionsreduktionen im Straßenverkehr“, so Stephan.

SUVs gefährden andere Verkehrsteilnehmende

Die wachsende Zahl an SUVs ist auch für Städte ein Problem. Durch ihre Größe beanspruchen sie weit mehr wertvollen öffentlichen Raum als andere Verkehrsträger. Auch als Hybrid- oder Elektro-Version stellen die großen Wagen für andere Verkehrsteilnehmer ein Sicherheitsrisiko dar. Das Risiko, bei einem Unfall mit einem SUV schwer oder tödlich verletzt zu werden, ist für die Fahrer kleinerer Autos viermal höher als für die Fahrer der Stadtpanzer. Denn diese sind mit rund zwei Tonnen etwa doppelt so schwer wie ein Opel Corsa. Prallen zwei Fahrzeuge mit unterschiedlichem Gewicht aufeinander, fängt das leichtere Fahrzeug den Großteil der Energie des Zusammenpralls auf.

Wegen ihrer schieren Größe ist das Verletzungsrisiko für Fußgänger und Fußgängerinnen sowie Radfahrende bei einem Zusammenprall mit einem SUV oder Geländewagen auch bei niedrigen Geschwindigkeiten höher, die Verletzungen selbst sind schwerer: Während sie sich bei einem Pkw über die Motorhaube abrollen können, wirkt die hohe Front und die oft kürzere Motorhaube wie eine Mauer. Für Fußgänger ist die Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall mit einem SUV oder Geländewagen zu sterben um 50 Prozent höher als bei einem Zusammenstoß mit einem Pkw.

Das Dieselprivileg

Den Boom dieser gefährlichen Autos fördert auch die steuerliche Begünstigung von Diesel. Die niedrigen Spritkosten machen den Unterhalt der Spritfresser billiger und ermöglichen den Autoherstellern, massiv auf große Dieselmodelle wie SUVs zu setzen. Dieses Dieselprivileg gehört wesentlich zu den vom Umweltbundesamt kritisierten umweltschädlichen Subventionen und kostet den Steuerzahlern rund acht Milliarden Euro pro Jahr.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) möchte hier nichts verändern und setzt stattdessen auf pflanzliche und strombasierte Kraftstoffe. Doch das ist eine Scheinlösung. Denn für pflanzliche Kraftstoffe werden Wälder zerstört sowie landwirtschaftliche Flächen blockiert. Die sogenannten E-Fuels sind in der Herstellung derart energieintensiv, dass ihr Klimaschutzpotenzial stark überschätzt wird. Vor allem von Scheuer – allerdings nicht von Experten. 

„Wir brauchen leichte, elektronisch angetriebene Fahrzeuge“, sagt Benjamin Stephan, „und eine Verkehrswende, die weg führt vom privaten Pkw - hin zu Radverkehr oder der Nutzung von Bus und Bahn.“ Das ist nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für die Lebensqualität in Städten.

>>> Sie haben auch die Nase voll von klimaschädlichen Stadtpanzern? Dann demonstrieren Sie am 14. September mit uns und vielen anderen Menschen vor der Internationalen Automobilausstellung.

 

  • Schlauchboote neben dem Transportschiff

    Protest - auch vom Wasser aus

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  • Greenpeace-Aktivisten und Aktivistinnen protestieren in Bremerhaven an einem Transportschiff, das mehrere 100 weitere BMW-Sportgeländewagen nach Deutschland liefert. An der Schiffswand haben sie ein Banner mit dem Slogan „Klimakiller an Bord“ angebracht.

    Klimakiller an Bord

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  • Sport Utility Vehicle (SUV) in Berlin

    Schwer, groß, durstig

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