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Corinna Hölzel von Greenpeace nimmt Diesel-Proben an einer Tankstelle.
Steffen Giersch/Greenpeace

Neue Greenpeace-Tests: Diesel aus Urwaldzerstörung

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Deutsche Dieselfahrer kaufen mit jeder Tankfüllung auch Agrosprit aus Importen ein: Greenpeace machte mit 160 bundesweiten Dieseltests die Probe aufs Exempel und untersuchte Sommer- und Winterdiesel auf die Herkunft des beigemischten Sprits aus Pflanzenöl. Der gesetzlich erzwungene Bedarf wird zunehmend aus Entwicklungsländern wie Indonesien und Argentinien gedeckt. Dort führen Anbau und Produktion von Soja- und Palmöl zu großflächigen Regenwaldzerstörungen und massivem CO2-Ausstoß.

Hierzulande muss dem Diesel aufgrund der Beimischungsquote derzeit rund 7 Prozent Agrosprit zugesetzt werden. Die Greenpeace-Tests zeigen, dass dieser Anteil aus durchschnittlich 6 Prozent Palmöldiesel und 11 Prozent Sojadiesel besteht. Auch in anderen Ländern wie Indien, USA und China steigt durch gesetzliche Beimischungsquoten der Anteil an Agrosprit. Indonesien ist derzeit der drittgrößte CO2-Emittent weltweit – diesen Trend werden die deutschen Beimischungsquoten für Diesel weiter anfeuern.

Heimische Rohstoffe wie Rapsöl sind aber knapp und teuer. Der in Deutschland angebaute Raps würde maximal für eine fünfprozentige Beimischung reichen, gibt Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace, zu bedenken. Das Argument, mit Agrosprit die heimische Landwirtschaft zu schützen, ist absurd. Die Anbaufläche für Energiepflanzen wie Raps ist begrenzt; die Umwandlung neuer Grünflächen verursacht erneuten CO2-Ausstoß und ist damit keine klimafreundliche Alternative. Damit sich deutsche Dieselautos bewegen, müssen Entwicklungsländer zur Agrosprit-Produktion eine Plantagenfläche zweimal so groß wie das Saarland bereitstellen.

Schnelles Geld auf Kosten der Umwelt

Die indonesische und argentinische Wirtschaft profitieren vom Agrosprit-Boom. Die Länder legen in rasendem Tempo neue Plantagen für Soja und Palmöl an. Die Kehrseite der Medaille: Regenwaldzerstörung, illegaler Holzeinschlag, Korruption, Landkonflikte mit der Bevölkerung und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen sind gängige Praxis. Die Palmölindustrie lässt ausgewählte Vorzeigeplantagen als nachhaltig zertifizieren, während sie weiterhin ohne Genehmigung Regenwaldgebiete für den Plantagenanbau umwandelt. Mit der Urwaldzerstörung geht auch die Heimat von vielen bedrohten Arten, wie Orang-Utan oder Sumatra-Tiger, verloren. Besonders massiv wirkt sich die Austrocknung der kohlenstoffreichen Torfwälder aus: Es entweichen riesige Mengen an Treibhausgasen und heizen die Erderwärmung an.

Ein löchriges Feigenblatt

Die aktuelle Nachhaltigkeitsverordnung für Agrosprit ist viel zu schwach. Sie dient Unternehmen und Politikern als grünes Feigenblatt und kreiert lediglich die Illusion, das Problem Urwaldzerstörung sei gelöst, so Hölzel. Greenpeace fordert eine Kehrtwende: Die gesetzlich verpflichtende Beimischungsquote muss abgeschafft werden. Die Lösung für den Klimaschutz kann nur heißen: verbrauchsärmere Autos und alternative Verkehrskonzepte und -Antriebe. Indonesien muss einen sofortigen Stopp auf die weitere Umwandlung von Regenwäldern und Torfmooren in Plantagen erwirken.

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