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Feuerwehrleute löschen einen Feldbrand bei Thallwitz, Sachsen, der durch die Hitze und Trockenheit in Deutschland entfacht wurde.
© Chris Grodotzki / Greenpeace

Hitze und Trockenheit in Deutschland: die wichtigsten Fakten

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Karte: Niederschlagshöhe im Juni 2018 in Deutschland

© Deutscher Wetterdienst

Mehr als 30 Grad zeigt das Thermometer dieser Tage an vielen Orten Deutschlands. Wiesen und Weiden sind vertrocknet, die Felder teils vorzeitig abgeerntet, immer wieder geraten landwirtschaftliche Flächen in Brand. Regen? Fehlanzeige – zumindest in großen Teilen Nord- und Ostdeutschlands.

Und es trifft ganz Europa – andere Länder allerdings sehr viel schlimmer als Deutschland: In Griechenland sind mehr als 70 Menschen bei Bränden ums Leben gekommen; auch in Portugal und Schweden kämpfen Einsatzkräfte gegen großflächige Waldbrände.

Kann es in Deutschland zu ähnlich unkontrollierbaren Feuern kommen? Welche Auswirkungen haben Hitze und Trockenheit hier bei uns? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Regionen in Deutschland sind am meisten betroffen von Hitze und Trockenheit?

Besonders trocken ist es in Sachsen-Anhalt und in Teilen von Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen und Thüringen, wo bereits im Juni zum Teil weniger als 25 Prozent der üblichen durchschnittlichen Niederschlagsmenge fielen (s. Karte). In Wittenberg in Sachsen-Anhalt wurden seit Jahresbeginn 136 Millimeter Niederschlag gemessen – nur 42,5 Prozent der normalen Menge. 

Die durchschnittliche Niederschlagsmenge in Deutschland lag seit Jahresbeginn bei 50 Millimeter pro Monat – der übliche Mittelwert (bezogen auf einen Zeitraum von 30 Jahren) beträgt 85 Millimeter.

In welchen deutschen Regionen ist die Gefahr durch Wald- und Flächenbrände am höchsten?

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor extrem hoher Waldbrandgefahr fast im gesamten Brandenburg. Zudem sind große Teile Mecklenburg-Vorpommerns, Niedersachsens und Sachsens betroffen, aber auch Gebiete in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg.

Wo bereits Extremwetter wie Starkregen sowie Feld- und Waldbrände auftreten, zeigt unsere interaktive Karte.

Welche Vorkehrungen treffen Länder, Städte und Gemeinden, um Brände rasch eindämmen zu können?

Die Feuerwehren sind in erhöhter Alarmbereitschaft; ihnen liegen Pläne vor, die zum Beispiel zeigen, welche Bauern im Notfall Wasser bereitstellen können. Generell sind sie aber mit genügend Löschfahrzeugen und Überwachungssystemen ausgestatten. Dennoch haben mehrere Länder, etwa Niedersachsen und Hessen, Hubschrauber zur Überwachung von Wäldern und Feldern in die Luft geschickt. Katastropheneinheiten der Feuerwehren haben spezielle Waldbrand-Ausrüstungen aufgestockt; die Feuerwehr Hamburg etwa hat geländegängige Fahrzeuge mit 1000-Liter-Wasserbehältern nachgerüstet.

Sollten die Kapazitäten der örtlichen Feuerwehren bei Wald- und Feldbränden nicht ausreichen, können sie für Löscharbeiten Polizei- oder Bundeswehrhubschrauber anfordern; das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern koordiniert die Ressourcen. Feuerwehrverbände kritisieren allerdings, dass viele Hubschrauber der Bundeswehr aufgrund mangelnder Wartung nicht flugfähig seien; Löschflugzeuge besitzen Bund und Länder nicht. Kritikpunkt ist auch das Fehlen von Experten zur Waldbrandbekämpfung.

Was sind die Hauptauslöser für Brände?

Glimmende Zigarettenkippen, Funken von Grillkohle und geparkte Autos mit heißen Auspuffrohren können ebenso Brände in Gang setzen wie heißgelaufene Erntemaschinen auf Äckern. Auch Glasscherben, die durch die Sonnenstrahlen wie Brenngläser wirken, können Feuer entfachen. Auf vielen Friedhöfen ist inzwischen das Aufstellen von Grablichtern verboten, da Wind oder Wildtiere sie umstoßen können.

Wie hoch werden die Ernteeinbußen in Deutschland durch die Trockenheit und Hitze sein?

Die Erntemengen für Getreide und Mais werden insgesamt etwa zehn Prozent niedriger liegen als im Vorjahr, schätzt der Deutsche Bauernverband. In den besonders trockenen Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt lagen die Einbußen bei der Roggenernte bei 40 Prozent im Vergleich zu 2017; schlimmstenfalls könnte dort insgesamt bis zu 70 Prozent weniger geerntet werden.

Ob und in welchem Umfang Bauern staatliche Hilfe für Ernteausfälle bekommen, will Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zurzeit noch nicht entscheiden: „Erst nach der Erntebilanz Ende August haben wir ein klares, aussagekräftiges Bild“, sagte sie laut einer Presseerklärung.

Welche Nutzpflanzen werden am ehesten für die Ernte ausfallen?

Am meisten leiden Getreide, Raps und Mais unter der Trockenheit, sie sind durch die Hitze deutlich schneller gereift. Das hat die Pflanzen gestresst, ihre Ähren sind verkümmert, und die Ernteerträge waren geringer und hatten eine schlechtere Qualität als üblich. Viele Landwirte mussten noternten. 

Verbraucher werden von den Ernteeinbußen allerdings nichts merken. Wenn zum Beispiel Hersteller von Backwaren nicht genug deutsches Mehl bekommen, kaufen sie welches zu, etwa aus Ländern wie den USA.

Wie steht es um Weiden und Tiere? Können Bauern ihr Vieh ausreichend versorgen?

Auch Weiden wurden frühzeitig abgemäht; die Heuqualität ist meist gut. Allerdings reduziert die Trockenheit die Erträge beim zweiten und dritten Grasschnitt erheblich, sodass Viehbauern voraussichtlich Futter für ihre Tiere zukaufen müssen. Das setzt die Landwirte finanziell unter Druck.

Müssen wir in den kommenden Jahren mit regelmäßigen Hitze- und Trockenperioden auch hier in Deutschland rechnen?

Davon ist auszugehen. Der April und Mai dieses Jahres waren die heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881; seit damals stieg die Durchschnittstemperatur hierzulande um 1,4 Grad. Zehn der 15 wärmsten Jahre in Deutschland lagen im 21. Jahrhundert.

Doch wir müssen uns auch auf andere extreme Wetterlagen wie Starkregenfälle einstellen; das alles steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Klimawandel. Deshalb ist es so wichtig, unverzüglich gegenzusteuern, etwa durch die Abschaltung von Kohlekraftwerken. Denn Studien wie die von US-Wissenschaftlern der Stanford-Universität zeigen, dass es 30-mal billiger ist, in den Klimaschutz zu investieren, als im Nachhinein für die Folgeschäden aufzukommen: Jeder Euro, den wir heute für Klimaschutz ausgeben, erspart uns zukünftig 30 Euro für die Beseitigung der Schäden.

>>> Interaktive Deutschlandkarte: Starkregen, Dürre, Wasserstände, Feld- und Waldbrände

  • Greenpeace-Aktivist mit Banner "Klimakrise" auf einem abgebrannten Feld in Sachsen-Anhalt

    Steigende Temperaturen

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  • Verbranntes Getreide auf einem Acker in Sachsen-Anhalt.

    Zerstörte Ernte

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