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Ein Junge beobachtet wie eine Flutwelle das Haus seiner Familie überflutet, Februar 2005
© Jeremy Sutton-Hibbert / Greenpeace

Steigende Meeresspiegel gefährden Millionen Menschen

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Selbst bei sofort wirksamen Klimaschutzmaßnahmen wird sich der Meeresspiegelanstieg in den nächsten Jahrzehnten kaum aufhalten lassen, denn durch die Vermischung des wärmeren Oberflächenwassers mit den tieferen kühleren Schichten, erwärmen sich die Ozeane weiter. Wenn wir es schaffen, die Lufttemperaturen zu stabilisieren, werden sich die Ozeane erst mit einer Verzögerung von Jahrhunderten nicht weiter erwärmen.

Heute lebt circa die Hälfte der Weltbevölkerung in Küstenregionen. Allein in Bangladesch ist die Heimat von 17 Millionen Menschen von einem Anstieg des Meerespiegels bedroht. Arme Staaten wie Bangladesch können sich überhaupt keinen Katastrophenschutz leisten. Denn Vorsorgemaßnahmen sind teuer: Eine amerikanische Studie hat errechnet, dass Schutzmaßnahmen gegen einen Meeresspiegelanstieg von einem Meter die USA 156 Milliarden Dollar kosten würde.

Einige kleine Länder im Pazifischen Ozean müssen fürchten, dass sie aufgrund ihrer sehr geringen Höhe in den nächsten Jahrzehnten im Meer versinken, falls der Meerespiegelanstieg sich nicht verlangsamt. Die Inselgruppe Tuvalu ist in diesem Zusammenhang bekannt geworden, denn ihr höchster Punkt liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Ein weiterer Anstieg des Meeresspiegels könnte bald zum Untergang des Inselstaats führen. Die Regierung von Tuvalu hat deshalb für ihre 11.000 Menschen umfassende Bevölkerung im Jahre 2001 vorsorglich ein Asylbegehren an Neuseeland gerichtet.

Der steigende Meeresspiegel bedroht nicht nur die Menschen in unmittelbarer Nähe, sondern auch den Nahrungsmittelanbau. In Indien und Bangladesch beispielsweise versalzt der steigende Meeresspiegel die Reisfelder. Ein Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter würde 17 Prozent der Fläche Bangladeschs überfluten. Die Hälfte der Ackerfläche wäre betroffen – in einem der ärmsten Länder der Welt. Eine große Gefahr droht, wenn das Meerwasser in Oberflächengewässer oder Grundwasserspeicher eindringt, die der Trinkwasserversorgung dienen. Besonders im Nahen und Fernen Osten kann die Trinkwasserqualität durch Versalzung beeinträchtigt werden.

Droht durch ein Versiegen des Golfstroms eine neue Eiszeit für Europa?

Die Meeresströmungen im Nordatlantik spielen eine wesentliche Rolle für das europäische Klima. Mit dem Golfstrom werden an der Meeresoberfläche warme Wassermassen aus den Tropen nach Norden gebracht, die abgekühlten Wassermassen fließen in großer Tiefe wieder nach Süden. Der Golfstrom ermöglicht so das relativ milde Klima in Westeuropa. Eine Abschwächung dieser Umwälzbewegung führt zu einem geringeren Wärmetransport über den Ozean nach Norden und somit zu einer möglichen Abkühlung in Europa. Diese wirkt der globalen Erwärmung entgegen.

Klimasimulationen sagen für das 21. Jahrhundert eine Abschwächung des Golfstromes um bis zu 30 Prozent voraus. Ein Versiegen des Golfstroms hätte, wenn auch keine Eiszeit, so doch einen starken Kälteeinbruch in ganz West- und Nordeuropa zur Folge. Ein kompletter Abbruch des Golfstromes und damit eine deutliche Abkühlung im europäischen Raum ist in diesem Jahrhundert noch nicht zu erwarten. Später ist auch das jedoch nicht auszuschließen.

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